Vor genau 150 Jahren starb einer der bedeutendsten französischen Komponisten: Hector Berlioz. Die künstlerische Anerkennung blieb ihm zu Lebzeiten allerdings weitgehend verwehrt, die höchste Stellung, die er in Frankreich erringen konnte, war die eines Konservators und Bibliothekars am Pariser Konservatorium. Er war am 11. Dezember 1803 in La Côte-Saint-André als Sohn eines Arztes geboren. Sein Vater interessierte sich sehr für die Literatur, weniger für Musik. Als Kind eignete sich Berlioz selbst musikalische Kenntnisse und Fertigkeiten an. Nach den Vorstellungen seines Vaters sollte Hector Medizin studieren, in Paris beschäftigte er sich aber mehr mit Musik als mit Medizin, ging ständig in die Oper, nahm Unterricht bei Jean-François Lesueur und Anton Reicha und trat auch mit eigenen Kompositionen an die Öffentlichkeit, so z.B. 1830 mit der Symphonie fantastique. Im gleichen Jahr errang er nach mehreren Anläufen den begehrten 1. Rom-Preis, der mit einem zweijährigen Studienaufenthalt in Italien verbunden war. Dort entstanden Lélio oder Die Rückkehr zum Leben (1831), die Fortsetzung der Symphonie fantastique und die Ouvertüre König Lear; ein Niederschlag dieser Zeit ist auch Harold in Italien (1834). Anschließend kehrte er nach Paris zurück und bestritt seinen Lebensunterhalt als Feuilletonist und Bibliothekar am Konservatorium. Berlioz war ständig in Geldnöten und verschuldete sich wiederholt. Ab 1842 versuchte er, durch Konzertreisen nach Deutschland, Österreich, Russland und England seine wirtschaftliche und künstlerische Lage zu verbessern und fand in Franz Liszt und Robert Schumann beredte Mitstreiter für sein neues Stilprinzip: die Programmmusik. Ausgehend von den Sinfonien Beethovens, die seiner Meinung nach den Höhepunkt dieser Gattung darstellte, weitete er die Form mit außermusikalischen programmatischen Vorstellungen aus und steigerte gleichzeitig die Ausdruckskraft durch extreme Nuancierung der Instrumentation bis hin zum Einsatz überdimensionaler Chor- und Orchesterbesetzungen von bis dahin ungeahnter Größe. Damit wurde er wegweisend für Liszt, Wagner und Strauss und die gesamte spätromantische Musik des 19. Jahrhunderts. Seine „Idée fixe“ als Mittel, die Einzelsätze musikalisch miteinander zu verknüpfen, ist Vorbild für das Wagnersche Leitmotiv. Berlioz schlägt mit der Programmmusik ein neues Kapitel in der Musikgeschichte auf: Erlebnisse, Ideen, Dichtungen sollten durch Musik dargestellt werden. Neben Selbsterlebtem wie in seiner Symphonie fantastique – „Episode de la Vie d'un Artiste“, in der sich seine enttäuschte Liebe zu einer Schauspielerin widerspiegelt, möchte er auch Dichtungen nachgestalten (Romeo und Julia 1839 nach Shakespeare, Fausts Verdammnis 1846 nach Goethe). Großartige Effekte zeigen seine kirchenmusikalischen Werke, besonders das Requiem Grande Messe des Mortes (1837) und ein dreichöriges Te Deum. Die Ouvertüren und viele wertvolle Einzelabschnitte wurden in den Konzertsälen heimisch. Völlig gescheitert ist Berlioz dagegen mit seinen Opern (Benvenuto Cellini 1838, Die Trojaner 1859 und Béatrice et Bénédict 1862 nach Shakespeares Viel Lärm um nichts): Keine konnte er zu Lebzeiten in Paris herausbringen, wie seine Werke in Frankreich überhaupt erst nach seinem Tod allmählich Anerkennung fanden. Weitreichenden Einfluss hatte Berlioz nicht zuletzt auch mit seiner Instrumentationslehre Traité d'instrumentation et d'orchestration moderne (1844) und seinen Schriften (die deutsche Gesamtausgabe 1903 ff. umfasst zehn Bände). Hector Berlioz starb am 8. März 1869 vereinsamt in Paris.
»Hector Berlioz: Biographie und Einspielungen«
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