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Aktuelle Infos und Kurzporträts

Alexander Borodin 130. Todestag

† 1887

27

Februar

Der russische Komponist Alexander Borodin war eigentlich Naturwissenschaftler. Bereits mit 29 Jahren war er Professor für organische Chemie an der Akademie St. Petersburg. Das Komponieren war für ihn „Ruhe, Spaß, eine Laune, die mich von meinen offiziellen Pflichten als Professor, Wissenschaftler ablenkt“. Diese „Laune“ übte er jedoch so meisterlich aus, dass er in der Nachwelt als Komponist gilt, obwohl er auch auf seinem Forschungsgebiet Erkenntnisse und Methoden entwickelte, die bis heute gültig sind und angewendet werden. Geboren wurde er am 12. November 1833 in St. Petersburg als unehelicher Sohn des Fürsten Luka Gedewanischwili. Da der Fürst verheiratet war, ließ er das Kind als den Sohn seines Dieners Porfiri Borodin registrieren. Erst kurz vor seinem Tod bekannte sich der Fürst zu seinem Sohn. Alexander wuchs bei seiner Mutter Awdotja Konstantinowna Antonowa in St. Petersburg auf und erhielt eine fundierte Ausbildung. Er sprach neben russisch auch deutsch, französisch, italienisch und englisch und war daneben nicht nur naturwissenschaftlich, sondern auch musikalisch sehr begabt: er spielte Klavier, Flöte und Cello und komponierte mit neun Jahren bereits die Helenenpolka. 1850 begann er sein Studium an der Militärakademie für Medizin und Chirurgie in St. Petersburg, 1856 legte er das Examen mit Auszeichnung als bester Absolvent der Akademie ab. Sein Spezialgebiet war die experimentelle Chemie. 1862 bereits erhielt er an der Akademie eine Professur für organische Chemie und wurde 1874 in der Nachfolge seines Förderers Sinin auf den Lehrstuhl berufen. Bereits 1864 hatte er Mili Balakirew kennengelernt und durch diesen auch César Cui, Modest Mussorgski und Nikolai Rimski-Korsakow kennen. Zusammen bildeten diese fünf Künstler das sog. „mächtige Häuflein“, das die russische Musik des 19. Jahrhunderts entscheidend prägte. Im Jahre 1869 wurde Borodins erste Sinfonie unter der Leitung von Balakirew aufgeführt. Im selben Jahr begann Borodin mit der Arbeit am Libretto und der Komposition seiner heroischen Oper Fürst Igor, mit den berühmten „Polowetzer Tänzen“. Obwohl es unvollendet blieb, gilt dieses Werk als sein bedeutendstes. Fürst Igor wurde später von Alexander Glasunow und Nikolai Rimski-Korsakow vollendet und orchestriert. 1885 überstand Borodin eine Choleraerkrankung, an deren Folgen er bis zu seinem Tod litt. Bei einem Faschingsball am 27. Februar 1887 brach er gegen Mitternacht zusammen und verstarb. Knapp siebzig Jahre später bildete sein musikalischer Nachlass die musikalische Grundlage für ein Broadway Musical: Robert Wright und George Forrest bedienten sich 1953 komplett der Musik Borodins für Kismet. Das Musical war international ein so großer Erfolg, dass Borodin 1954 dafür posthum der Tony Award verliehen wurde.

Alexander Borodin – CD-Einspielungen

Arrigo Boïto 175. Geburtstag

* 1842

24

Februar

Am 24. Februar vor 175 Jahren wurde der italienische Komponist Arrigo Boito in Padua geboren. Schon als Neunjähriger verfasste er erste Kompositionen (u.a. eine Polka auf La donna è mobile aus Verdis Rigoletto). 1853 studierte er Geige, Klavier und Komposition am Mailänder Konservatorium. Anschließend ging er nach Paris. Dort traf er mit Gioachino Rossini und Giuseppe Verdi zusammen und schrieb 1862 die Verse der Hymne der Nationen, die Giuseppe Verdi aus Anlass der Weltausstellung in London vertonte. 1866 nahm er als Freiwilliger an den Freiheitskriegen gegen Österreich teil. Seine erste Oper (Mefistofele) wurde am 5. März 1868 an der Mailänder Scala aufgeführt, sie fiel jedoch durch. Erst die revidierte und stark verkürzte Fassung war erfolgreich. Sie blieb seit ihrer Uraufführung am 4. Oktober 1875 am Teatro Comunale di Bologna die einzige Oper Boitos, die sich bis heute im Opernrepertoire gehalten hat. Boito war auch als Schriftsteller und Librettist tätig. 1869 übersetzte er Richard Wagners Rienzi ins Italienische, 1874 verfasste er das Libretto zu La Gioconda für Amilcare Ponchielli, 1876 übersetzte er Wagners Tristan und Isolde (italienische Erstaufführung 2. Juni 1888 in Bologna) und die Wesendonck-Lieder. Auch Webers Freischütz hat er ins Italienische übertragen. Im Sommer 1879 fertigte er für Verdi die ersten Skizzen zum Libretto für Otello an und 1880/81 arbeiteten beide an der Neufassung von Simon Boccanegra. 1889 begann Boito mit dem Libretto zu Verdis letzter Oper Falstaff. Mit der Uraufführung am 9. Februar 1893 feierte Boito den letzten großen Triumph seines Lebens. Er blieb Verdi bis zu dessen Tod freundschaftlich verbunden. 1895 engagierte er sich zusammen mit Giulio Ricordi und anderen für die Verbesserung der Autorenrechte. 1903 erkrankte er erstmals an Angina pectoris. Am 17. März 1912 wurde er zum Senator ernannt und stimmte am 20. Mai 1915 für den Eintritt Italiens an der Seite der Alliierten in den Ersten Weltkrieg. Nach einem Frontbesuch 1917 verschlimmerte sich seine Angina, an deren Folgen er schließlich am Morgen des 10. Juni 1918 in Mailand starb.

Arrigo Boïto – CD-Einspielungen

Franz Waxman 50. Todestag

† 1967

24

Februar

Franz Waxman war einer der bekanntesten und erfolgreichsten deutschen Filmmusikkomponisten. Geboren wurde er am 24. Dezember 1906 in Königshütte, Oberschlesien. Mit sechs Jahren bekam er den ersten Klavierunterricht. Nach dem Willen seines Vaters sollte er Bankkaufmann werden. Er arbeitete auch zwei Jahre als Kassierer, verwendete sein Gehalt aber, um weiterhin Unterricht in Klavier, Harmonielehre und Komposition zu bezahlen. 1922 verließ er die Bank und ging zunächst nach Dresden, später nach Berlin, um Musik zu studieren. Er spielte in Nachtclubs und schloss sich den Weintraub Syncopators, einer populären Jazzband der späten 20er-Jahre, an. In dieser Zeit begann er, Arrangements für einige deutsche Musikfilme zu schreiben. Seine bekannteste frühe Arbeit war die Orchestrierung und Orchesterleitung für Josef von Sternbergs Der blaue Engel (1930) mit Marlene Dietrich. Durch den großen Erfolg des Films bekam er vom Leiter der UFA-Studios in Berlin, Erich Pommer weitere Aufträge, darunter für die Musik zu Fritz Langs Liliom (1934). Nach der „Machtergreifung“ floh Waxman, da er Jude war, aus Nazideutschland. Er arbeitete 1934 kurz in Frankreich und siedelte wenig später in die Vereinigten Staaten von Amerika über. Sein erster großer Erfolg als Filmkomponist war die Vertonung des Horror-Klassikers Frankensteins Braut (1935) mit Boris Karloff. Er arbeitete unter anderem für die Universal Studios und für Metro-Goldwyn-Mayer. So schrieb er die Musik zu Filmklassikern wie Dr. Jekyll und Mr. Hyde (1941), Hitchcocks Rebecca (1940), Die Frau, von der man spricht, Haben und Nichthaben (1944) mit Humphrey Bogart und Lauren Bacall, Hitchcocks Verdacht (1942) und Der Fall Paradin (1949) mit Gregory Peck, Sunset Boulevard (1950), Prinz Eisenherz (1954), Das Fenster zum Hof (1954), Der Hofnarr (1956) mit Danny Kaye, Geschichte einer Nonne mit Audrey Hepburn, Sayonara (1957) mit Marlon Brando oder auch Taras Bulba (1962) mit Yul Brynner und Tony Curtis. Vor fünfzig Jahren, am 24. Februar 1967, starb Franz Waxman in Los Angeles an den Folgen einer Krebs-Erkrankung.

Franz Waxman – CD-Einspielungen

UA vor 410 Jahren: C. Monteverdi, Orfeo

UA 1607

24

Februar

Vielfach wird Claudio Monteverdis Orfeo als die „erste Oper“ bezeichnet. Als „Favola in musica“ in fünf Akten und einem Prolog wurde Orfeo nach dem Textbuch von Alessandro Striggio am 24. Februar 1607 in Mantua zum ersten Mal aufgeführt. Nachdem der Herzog von Mantua Vincenzo Gonzaga in Florenz der Aufführung von Jacopo Peris Euridice beigewohnt hatte, beauftragte er seinerseits Monteverdi mit der Vertonung der antiken Sage von Orpheus und seiner verstorbenen Gemahlin Euridice, die dieser dank seines bezirzenden Gesanges aus der Unterwelt wieder hätte zurückführen können. Bekanntlich ist er schließlich an der eigenen Ungeduld und am eigenen Unglauben gescheitert. Das Werk war bei seiner Uraufführung sehr erfolgreich und sicherlich ist es vor allem Monteverdi zu verdanken, dass die gelehrten Bemühungen der „Florentiner Camerata“, das antike Drama wiederzubeleben, nicht gescheitert sind, sondern eine neue dramatische Musikgattung initiierten: die Oper. Das Werk beginnt schon mit einer kleinen Ouvertüre und Monteverdi hat bereits jeder handelnden Person einen ganz bestimmten instrumentalen Klangcharakter beigegeben. Der Einsatz dunkler Posaunenklänge im Bereich der Unterwelt war so prägend, dass es seitdem zur Tradition wurde, Posaunen in Verbindung mit Regionen der Unterwelt oder des Olymps einzusetzen, wie es noch bei Mozart (Don Giovanni) und Gluck (Alceste) geschieht. Dann ist Orfeo allerdings für über 200 Jahre in Vergessenheit geraten und erst die Monteverdi-Gesamtausgabe von Gian Franco Malipiero lieferte die Voraussetzung, das Werk überhaupt wieder zu erschließen. Viele Komponisten ließen sich von Monteverdis Vorlage zu neuen, zeitgemäßen Ausdeutungen inspirieren wie Vincent d'Indy, Ottorino Respighi, Paul Hindemith und vor allem Carl Orff. Die wirkliche Renaissance und Rückkehr des Orfeo ins moderne Opernrepertoire aber ist Nicolaus Harnoncourt zu verdanken, der in seinem Züricher Monteverdi-Zyklus der 1970er Jahre zusammen mit dem Regisseur Jean-Pierre Ponnelle bewies, dass das Werk auch in der heutigen Zeit in seiner Originalgestalt bestehen kann.

CD-Einspielungen

L'Orfeo (Favola in musica; Text: Alessandro Striggio, 1607)

Niels Wilhelm Gade 200. Geburtstag

* 1817

22

Februar

Der dänische Komponist Nils Wilhelm Gade wurde am 22. Februar 1817 in Kopenhagen geboren. Seine musikalische Laufbahn begann er an der königlichen Kapelle in Kopenhagen als Geiger, studierte aber privat Komposition. Als Komponist wurde er 1941 mit seiner Ouvertüre Nachklänge von Ossian op. 1 schlagartig bekannt. 1843 erhielt er ein königliches Stipendium, das es ihm ermöglichte, sein Studium in Leipzig fortzusetzen. In Felix Mendelssohn Bartholdy fand er einen Mentor, durch dessen Vermittlung er seine Werke aufführen konnte. 1844/1845 übernahm er die Leitung der Gewandhauskonzerte, die er zunächst im Wechsel mit Mendelssohn und nach dessen Tode allein dirigierte. Auch Robert Schumann war ein begeisterter Fürsprecher Gades und setzte ihm in seinem Album für die Jugend mit Nr. 31 Nordisches Lied – Gruß an G. durch die Tonfolge der Melodie G-A-D-E (Stimmung der Violinsaiten) ein Denkmal. Im Frühjahr 1848 kehrte Gade nach Kopenhagen zurück und wirkte dort als Organist, Dirigent und 40 Jahre als Leiter des Kopenhagener Musikvereins. 1861 wurde er zum Hofkapellmeister ernannt, 1865 begründete er gemeinsam mit seinem Schwiegervater, dem Komponisten Johann Peter Emilius Hartmann, das Kopenhagener Konservatorium. Gade starb am 21. Dezember 1890 in Kopenhagen. Er hinterließ 8 Sinfonien, 7 Ouvertüren programmatischer Art sowie weitere Orchesterstücke, zwei Violinkonzerte, Kammermusik, Klaviermusik, Orgelwerke, Bühnenmusiken, Chorwerke und Lieder, von denen viele heute noch in Dänemark volkstümlich sind.

Niels Wilhelm Gade – CD-Einspielungen

UA vor 110 Jahren: N. Rimsky-Korssakoff, Sage von der unsichtbaren Stadt Kitesch

UA 1907

20

Februar

15 Opern hat Nikolaj Rimski-Korssakoff insgesamt geschrieben. Sie behandeln zumeist Märchenstoffe und zitieren russische Volksmusik. Als Mitgründer der Komponistengruppe "Das mächtige Häuflein" wollte Rimski-Korssakoff die nationale Musiktradition bewahren und fortschreiben. Dies ist sicher einer der Gründe, weshalb die meisten seiner Opern im Westen als nur schwer vermittelbar gelten. Die Legende von der unsichtbaren Stadt Kitesch war seine letzte Oper. Die Uraufführung auf der Bühne des Mariinski-Theaters St. Petersburg am 20. Februar 1907 und ein Jahr später im Bolschoi Theater in Moskau war eher ein "Achtungserfolg". Musikkritiker sahen in der Oper vor allem eine missglückte Nachahmung von Wagners Parsifal. Die Legende von der unsichtbaren Stadt Kitesch ist in verschiedenen alten Handschriften überliefert. 1875 verarbeitete Pawel Melnikow den Stoff in einem populären Roman und so gelangte die Geschichte zu Beginn des 20. Jahrhunderts in die russischen Konzertsäle sowie auf die Opernbühnen. Auch Wladimir Belskis Libretto-Vorlage für Rimski-Korsakow hat den Kampf der russischen Nation gegen die Tartaren zum Thema – und damit verbunden die Bedeutung des orthodoxen Glaubens als Kraftquelle im Abwehrkampf gegen grausame asiatische Reiterheere. 1926 erfuhr die Oper durch Sergei Gorodeski im Auftrag des Bolschoi-Theaters eine grundlegende Umarbeitung: der überstarke religiöse Grundton wurde umgemünzt in einen heroischen Habitus des russischen Unabhängigkeitskampfs. In dieser Form war das Werk auf den sowjetischen Bühnen über Jahrzehnte verbindlich. Erst 2012 kam es in originaler Gestalt und mit viereinhalb Stunden Dauer an der Nederlandse Opera Amsterdam wieder auf die Bühne. Diese Amsterdamer Produktion, die sich in ungekürzter Ausführlichkeit zu den ausladenden Dimensionen und zur Wucht des Originals bekennt, kam einer Wiederentdeckung gleich.

CD-Einspielungen

Die Legende von der unsichtbaren Stadt Kitesch

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