Der italienische Komponist Francesco Cavalli spielt eine zentrale Rolle in der Entwicklung der venezianischen Oper nach Monteverdi. Zwischen 1640 und 1670 beherrschten seine Opernwerke nicht nur die venezianischen Spielpläne, sondern er war der erfolgreichste Opernkomponist auch außerhalb Venedigs. Von seinen insgesamt 42 namentlich bekannten Opern sind heute noch 28 erhalten. Cavalli wurde am 14. Februar 1602 in Crema unter dem Namen Pier Francesco Caletti-Bruni geboren. Sein Vater war Kirchenmusiker. Im Alter von 14 Jahren wurde der venezianische Adelige Federico Cavalli, der auch Gouverneur von Crema war, auf die besondere Begabung Pier Francescos aufmerksam und förderte ihn, indem er ihn in die musikalische Obhut Monteverdis gab. Im Dezember 1616 trat Pier Franceso als Knabensopran in die Capelle am Markusdom in Venedig ein. Nach dem Stimmbruch wirkte er an San Marco noch als Tenor und Organist weiter, bis er 1620 die Organistenstelle an der Kirche SS. Giovanni e Paolo übernahm. Den Posten gab er 1630 auf, als er Maria Sozomeno heiratete.Er nahm den Namen seines Förderers an, was zu damaligen Zeiten nicht unüblich war und unterzeichnete danach seine Werke meist mit Francesco Caletto detto il Cavalli. Maria war eine reiche Witwe, deren Vermögen ihm finanzielle Unabhängigkeit sicherte. Die Ehe blieb kinderlos, Maria starb 1652. 1639 nahm Cavalli an einem Wettbewerb teil, in dessen Folge er zweiter Organist an San Marco wurde. Einen Tag nach Dienstantritt wurde im Teatro S. Cassiano seine erste Oper aufgeführt: Le nozze di Teti e di Peleo. Mit den beiden Opern Egisto (1643) und vor allem Giasone (1648 oder 1649) festigte er seinen schnell wachsenden Ruhm als Opernkomponist endgültig. Giasone gehörte zu den meistgespielten Opern des 17. Jahrhunderts und ist auch heute noch eine der meistgespielten Barockopern. Das Teatro S. Cassiano war zwei Jahre zuvor als erstes öffentliches Opernhaus gegründet worden. Später wurde Cavalli auch Mitglied des Direktoriums. Da die finanziellen Mittel des Opernhauses wesentlich beschränkter waren als in den fürstlichen Opernhäusern, für die Monteverdi komponiert hatte, beschränkte sich Cavalli in seinen Opern auf ein kleines Streichorchester mit Basso continuo. Cavallis Ansehen wuchs rasch auch über die Grenzen Venedigs hinaus: 1653 wurde seine Oper Orione in Mailand bei der Wahl von Ferdinand IV. zum römischen König aufgeführt, 1658 bestelte Carlo de' Medici eine Oper bei Cavalli (Hypermestre) und 1659 erhielt er den Auftrag, eine Festoper zur Hochzeit Ludwigs XIV. In Paris zu komponieren: L'Ercole amante. Sehr ungern reiste Cavalli auf Einladung und Drängen von Kardinal Mazarin nach Paris. Die Unternehmung endete für Cavalli auch äußerst enttäuschend. Der für die Hochzeitsfeierlichkeiten geplante Theaterbau war nicht rechtzeitig fertig geworden und Jean-Baptiste Lully bestand darauf, in Cavallis Oper eigene Ballettmusiken einzufügen, so dass auch Cavalli die Oper nicht rechtzeitig fertigstellen konnte. So wurde am 22. November stattdessen Cavallis Erfolgsoper Xerxes in der Gemäldegalerie des Louvre aufgeführt – allerdings statt der Chöre mit Ballettmusik von Lully. Zur Uraufführung von L'Ercole amante kam es erst im Februar 1662 – aber auch hier mit eingefügten Ballettmusiken von Lully. Cavalli war von diesen Ereignissen derart frustriert, dass er nach seiner Rückkehr nach Venedig keine Opern mehr komponieren wollte. Immerhin folgten bis 1673 doch noch sechs Opern. In seinen letzten Lebensjahren widmete sich Cavalli mehr seinen kirhchlichen Aufgaben. 1665 wurde er erster Organist an San Marco, 1668 wurde er zum Kapellmeister berufen. Bereits 1556 hatte er einen Band mit geistlichen Werken Werken veröffentlicht (Musiche sacre), 1675 veröffentlichte er einen zweiten Band mit drei Vespern zu acht Stimmen (Vesperi). Für sein eigenes Begräbnis komponierte er ein Requiem. Cavalli starb am 14. Januar 1676 in Venedig im Alter von 73 Jahren.
Der französische Komponist und Dirigent Pierre Boulez ist am 5. Januar 2016 im Alter von 90 Jahren in Baden-Baden verstorben. Der ehemalige Schüler von Olivier Messiaen und René Leibowitz, der sich schon früh mit atonaler und serieller Musik beschäftigte, erlebte 1955 mit Le Marteau sans Maître seinen Durchbruch als Komponist. Er unterrichtete in Darmstadt und Baden-Baden, dirigierte 1963 die französische Erstaufführung von Alban Bergs Wozzeck an der Pariser Oper und debütierte 1966 mit Parsifal bei den Bayreuther Festspielen. Unvergessen ist der Bayreuther „Jahrhundert-Ring“ in der Inszenierung von Patrice Chereau und auch sein letztes Bayreuth-Dirigat, die Neuinszenierung des Parsifal von 2005. Daneben hat Pierre Boulez alle großen amerikansichen Orchester dirigiert und leitete bis 1991 das berühmte Pariser IRCAM Institut für neue Musik (Institut der Recherche et de Coordination Acoustique/Musique). Neben seinen eigenen Werken hat er eine Fülle von Uraufführungen geleitet – darunter Kompostitionen von Iannis Xenakis, Frank Zappa, Toru Takemitsu, Olivier Messiaen, George Crumb, Elliott Carter, Peter Maxwell Davies und Franco Donatoni. Zahlreiche Tondokumente geben Einblick in das künstlerische Schaffen von Pierre Boulez, der vielfach für sein Wirken ausgezeichnet wurde.
Der russische Komponist Alexander Gretschaninow wurde am 25. Otkober 1864 als Sohn eines Kaufmanns in Moskau geboren. Gegen den Willen des Vaters studierte er ab 1881 am Moskauer Konservatorium bei Anton Arenskij und Sergei Tanejew, 1890 wechselte er an das Konservatorium in Sankt Petersburg, wo er drei Jahre Komposition bei Nikolai Rimsky-Korssakoff studierte. 1896 kehrte er nach Moskau zurück und betätigte sich neben der Komposition als Lehrer und Dirigent. Für seine Komposition 2. Liturgie des hl. Johannes Chrisostomus erhielt er vom Zaren eine lebenslagen Pension, die ihm jedoch nach der Oktoberrevolution nicht mehr weiter gewährt wurde. 1925 siedelte er nach Paris um und wanderte 1939 schließlich wegen der politischen Lage in die USA aus. 1946 erhielt er die US-amerikanische Staatsbürgerschaft. Viel gespielt werden seine Klavierstücke für Kinder, er schrieb auch zahlreiche Lieder, Chöre und einige Opern für Kinder. Seine zweite Liebe galt der Kirchenmusik. Seine Kirchenmusikwerke wurde bestimmungsgemäß jedoch nicht mehr in der russisch-orthodoxen Kirche aufgeführt, als er Instrumente hinzufügte. Sein Œuvre umfasst darüber hinaus fünf Sinfonien, drei Konzerte, Kammermusik, Klaviermusik sowie mehrere Opern (u.a. Schwester Beatrice 1912 und Die Heirat 1950). Gretschaninow erhielt zahlreiche Preise und Auszeichnungen. Er starb am 3. Januar 1956 in New York.
Der 27. November 2017 ist der 150. Geburtstag des französischen Komponisten Charles Koechlin: Er wurde 1867 in Paris geboren. Von Kindheit an war er von Musik umgeben, seine Schwester spielte Klavier, was ihn sehr beeindruckte, durch regelmäßige Konzertbesuche wurde er mit der Musik von Charles Gounod, Hector Berlioz, Camille Saint-Saëns, César Franck, Georges Bizet, Jules Massenet, Richard Wagner oder Frédéric Chopin vertraut. Besonders nachhaltigen Eindruck hinterließen eine Aufführung von Bachs h-Moll-Messe und ein Konzert des russischen Pianisten Anton Rubinstein. Mit 15 Jahren entstanden seine ersten eigenen Kompositionsversuche. Er entstammte jedoch einer Familie von Ingenieuren und Erfindern, daher war sein ursprüngliches Berufsziel nicht Musiker, sondern eine Ingenieurslaufbahn. Er begann ein Studium am Pariser Polytechnikum, eine lebensbedrohliche Tuberkuloseerkrankung zwang ihn im Jahre 1888 jedoch, das Studium aufzugeben. 1891 schrieb er sich am Pariser Conservatoire ein mit den Fächern Harmonielehre und Kontrapunkt, 1892 kam er in die Kompositionsklasse von Jules Massenet und später von Gabriel Fauré. Seine Kommilitonen waren Florent Schmitt, Reynaldo Hahn, George Enescu und Maurice Ravel. Zusammen mit Fauré, Ravel und Schmitt gründete er 1909 die Societé Indépendente de Musique. In den zwanzig Jahren zwischen 1890 und 1910 komponierte er hauptsächlich Vokalwerke. Zwischen 1910 und 1921 entstand hauptsächlich Klavier- und Kammermusik – seine fruchtbarste Kompositionsperiode mit ca. 50 Werken. Mit dem Klavierzyklus Les Heures persanes op. 65 (1913–1919) und dem Quintette pour piano et cordes op. 80 (1908–1921) zählt er zur Avantgarde der französischen Komponisten jener Zeit. 1928 erhielt er einen Lehrauftrag an der University of California in Berkeley, 1929 erhielt er den Hollywood-Bowl-Preis und ließ sich in den 1930er Jahren vom frühen Tonfilm inspirieren, ohne allerdings selbst Musik für Tonfilm zu komponieren. Der Beginn des Zweiten Weltkriegs stürzte ihn in eine tiefe Schaffenskrise: zwischen 1939 und 1942 kam seine Kompositionstätigkeit völlig zum Erliegen. Die Orchesterkomposition Offrande musicale sur le nom de BACH op. 187 beendete diese Krise. In seinen beiden letzten Lebensjahrzehnte schuf er noch eine Fülle von Orchesterwerken. 1949 wurde ihm von der Société des Auteurs der Grand Prix de la Musique française verliehen. Am 31. Dezember 1950 starb Charles Koechlin in seinem Haus in Le Canadel im französischen Département Var. Sein umfangreiches Schaffen umfasst Lieder mit Klavier oder Orchester, Klavierwerke, Kammermusik und Orchesterwerke sowie theoretische Schriften und Lehrbücher über Harmonielehre, Kontrapunkt und Orchestration.