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UA 1831
26
Dezember
vor 195 Jahren
in Mailand
Norma gilt als Bellinis bedeutendstes Werk, das nicht nur einen Wandel in Bellinis eigenem kompositorischen Schaffen markiert, sondern generell einen wichtigen Meilenstein in der Entwicklung der Oper darstellt. Trotzdem war die Uraufführung am 26. Dezember 1831 am Teatro alla Scala in Mailand ein ziemlicher, Bellini frustrierender Misserfolg. Doch schon bei der zweiten Aufführung wendete sich das Blatt hin zum Erfolg. Allein an der Scala folgten in der gleichen Spielzeit 32 weitere Aufführungen. Grund für den Premierenmisserfolg waren einerseits kleine Störfeuer von rivalisierenden Anhängern Pacinis, andererseits wohl auch die mäßigen Gesangsleistungen der Hauptdarstellerinnen Giuditta Pasta (Norma) und Giulia Grisi (Adalgisa) sowie von Domenico Donzelli (Pollione), die durch eine zu intensive Probenarbeit völlig erschöpft waren. Doch gerade bei dieser Oper, die als Inbegriff des reinen Gesangs gilt, hängt der Erfolg maßgeblich von der Leistung der Sänger ab. Schließlich war das Publikum vermutlich auch von Bellinis neuer Konzeption etwas befremdet, bei dem z.B. der 1. Akt statt üblicherweise mit einer großen Chorszene „nur“ mit einem Terzett endet. Die Oper wurde dann jedoch schnell in ganz Italien populär, noch mehr Anklang fand sie sogar außerhalb Italiens, vor allen Dingen in England, wo eine Aufführung des Werkes unter der Leitung von Bellini persönlich mit Maria Malibran in der Hauptrolle am Covent Garden Theatre eine derartige Begeisterung auslöste, wie man sie vorher nicht gekannt hatte. Eine Aufführung in Verona 1859 riss das Publikum beim Chor Guerra! Guerra! (Krieg! Krieg!) buchstäblich von den Sesseln und die Zuschauer stimmten stehend in den Chor mit ein, während draußen österreichische Soldaten marschierten. So trat Norma ihren Siegeszug um die ganze Welt an, der bis heute anhält. Das Libretto wurde in alle Landessprachen übersetzt, wo Norma aufgeführt wurde. Es ist ein Musterbeispiel dafür, was das Sujet und einzelne Elemente der romantischen Oper betrifft: der keltische Druidenkult mit der Aura des Geheimnisvollen und seinen rituellen, Furcht einflößenden Handlungen; die Handlung spielt ganz symptomatisch zu nächtlicher Stunde; die Konfrontation zweier Paare endet nicht in einem lieto fine wie das in der Oper des 18. Jahrhunderts noch zu sein hat, sondern in einem dramatischen Dreieckskonflikt, der sich durch den unüberbrückbaren Gegensatz von idealisierter Keuschheit und ausgelebter Sinnlichkeit, von Pflichtbewusstsein und Eifersucht zum tödlichen Höhepunkt zuspitzt. Im Vergleich zu früheren Bellini-Opern zeigt sich die Andersartigkeit schon allein darin, dass in zehn von den 14 Szenen der Chor präsent ist und nicht nur in Introduktion und Finale wie bisher üblich. Für die Komposition standen Bellini etwa sieben Monate zur Verfügung. Die Oper schrieb er zum größten Teil in Blevio am Comer See, wo er als Gast bei Giuditta Pasta logierte. Die Komposition entstand in enger Zusammenarbeit mit seinem Librettisten Felice Romani und der Norma Giuditta Pasta – für die bekannte Cavatine Casta diva hat Bellini angeblich neun verschiedene Entwürfe angefertigt, bis sie schließlich Giuditta Pasta optimal „in die Kehle“ geschrieben war; so wurde die Cavatine während der Proben auch von ursprünglich G-Dur nach F-Dur heruntertransponiert. Während die herausragenden Qualitäten der Gesangspartien unbestritten sind, wurde die Orchestrierung schon immer als vergleichsweise schwach kritisiert. Man hatte die Oper sogar Georges Bizet für eine Neuinstrumentierung vorgelegt, was dieser jedoch als „unmöglich“ ablehnte. In der Interpretationsgeschichte ist und bleibt Norma legendär mit Maria Callas verbunden, deren Darstellung bis heute als unübertroffen gilt.
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