Der italienische Tenor Giuseppe di Stefano zählt zu den absoluten Größen der Opernwelt des 20. Jahrhunderts. Auf dem Höhepunkt seiner Karriere war er der bestbezahlte Tenor der Welt. Er wurde am 24. Juli 1921 in Motta Sant’Anastasia auf Sizilien geboren. Als Giuseppe sechs Jahre alt war, zog die Familie nach Mailand. Er wurde in einem Jesuitenseminar unterrichtet und erwägte kurz, Priester zu werden. Mit 16 Jahren soll er beim Kartenspielen aus Ärger über ein verlorenes Spiel lautstark gesungen haben, worauf ein Freund ihn beschwor, seine Stimme ausbilden zu lassen. Obwohl die Familie keinesweg wohlhabend war, opferte sie tatsächlich alles, um ihm eine Gesangsausbildung bei Luigi Montesanto und Mariano Stabile zu ermöglichen. Seine Ausbildung wurde jedoch bei Ausbruch des Zweiten Weltkriegs unterbrochen. Di Stefano wurde in ein Lager in Vidy (Lausanne) interniert, fiel dort aber rasch durch seine besondere Stimme auf. Radio Lausanne setzte durch, dass er seine Stimme weiter ausbilden und bei einigen Sendungen mitwirken konnte. Nach Kriegsende gab di Stefano sein Operndebüt als Des Grieux (Massenet, Manon Lescaut) am Stadttheater von Reggio Emilia. Noch im gleichen Jahr wurde er nach Barcelona eingeladen, ein Jahr später sang er in Rom und ab 1948 feierte er Triumphe an der Mailänder Scala. Ab 1951 gehörte er zum festen Ensemble der Scala, doch er erhielt bereits Einladungen von führenden Opernhäusern weltweit: er sang in Wien, London, Paris, Chicago, San Francisco, Buenos Aires, in der Arena in Verona ebenso wie in Edinburgh und natürlich auch an der Metropolitan Opera in New York. Zu diesem Zeitpunkt ist er der führende Tenor seiner Zeit und feiert seine größten Erfolge an der Seite von Maria Callas, mit der zusammen er auch epochale Schallplatteneinspielungen macht. Bereits 1963 traten allerdings erste stimmliche Probleme auf, die sich so sehr verstärkten, dass er 1964 bei Puccinis La Bohème am Londoner Covent Garden durch einen aufstrebenden Nachwuchssänger ersetzt werden musste: Luciano Pavarotti. di Stefanos Stern begann kontinuierlich zu sinken. Seinen letzten großen Erfolg feierte er 1966, als er von der Berliner Oper als Richard-Tauber-Nachfolger für Lehárs Das Land des Lächelns engagiert wurde. Die Produktion war so erfolgreich, dass sich Tourneen durch ganz Europa und Nordamerika anschlossen. Weitere Comeback-Versuche scheiterten allerdings. Eine Tournee mit Maria Callas zusammen musste di Stefano 1974 abbrechen. Anschließend zog er sich von der Opernbühne zurück und verbrachte regelmäßig mehrere Monate im Jahr an der Küste Kenias südlich von Mombasa. 2004 wurde er dort bei einem Raubüberfall in seinem Haus so schwer verletzt, dass er sich auch nach mehreren Operationen davon nicht mehr erholte. 2007 verfiel er in ein Koma und starb am 3. März 2008 in seinem Haus in der Nähe von Mailand. Sein stimmliches und künstlerisches Vermächtnis ist durch zahlreiche Schallplatteneinspielungen u.a. bei EMI, Lagato und Nuova Era für die Nachwelt bewahrt.
»Giuseppe di Stefano: Biographie und Einspielungen«
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