Das Leben des Komponisten Mieczysław Weinberg war von schweren Schicksalsschlägen gezeichnet. Er selbst schrieb einmal: „Viele meiner Werke befassen sich mit dem Thema des Krieges. Dies war leider nicht meine eigene Wahl. Es wurde mir von meinem Schicksal diktiert, vom tragischen Schicksal meiner Verwandten. Ich sehe es als meine moralische Pflicht, vom Krieg zu schreiben, von den Greueln, die der Menschheit in unserem Jahrhundert widerfuhren.“ Sein Urgroßvater und sein Großvater waren 1903 bei einem grauenhaften antisemitischen Übergriff erschlagen worden. Seine Eltern und seine Schwester wurden von den Nazis umgebracht, sein Schwiegervater wurde durch Stalins Geheimpolizei ermordet und er selbst konnte sein Leben mehrmals nur durch Flucht retten. Am 6. Februar 1953 wurde er unter fadenscheinigen Anschuldigungen, eine jüdische Republik auf der Krim mit errichten zu wollen, vom Stalin-Regime verhaftet. Was ihn letztlich vor dem Tod bewahrte, war allein der Umstand, das Stalin starb. Dass Weinberg trotz allem ein so reiches und reichhaltiges künstlerisches Erbe hinterlassen hat, ist unter solchen Umständen kaum zu begreifen. Mehr als 150 Werke umfasst Weinbergs offizielles Opusverzeichnis, bestehend aus 26 Sinfonien, 17 Streichquartetten, 28 Sonaten verschiedener Besetzung, mehr als einem Dutzend Bühnenwerken sowie Werken für Soloinstrument und Gesang, darüber hinaus existiert jedoch noch eine Fülle von Kompositionen ohne Opuszahl, hauptsächlich für das Kino, das Theater oder für Hörspiele. Mieczysław Weinberg wurde am 8. Dezember 1919 in Warschau geboren. Sein Vater war Komponist und Musiker an einem jüdischen Theater. Die außergewöhnliche musikalische Begabung Mieczysławs zeigte sich schon früh. Sein Debüt als Pianist und Dirigent gab er bereits im Alter von nur zehn Jahren am Theater in Warschau, mit zwölf Jahren studierte Weinberg am Konservatorium der Musikakademie Warschau Klavier bei Jozef Turczynski. Unmittelbar nach Abschluss des Studiums 1939 floh er aufgrund seiner jüdischen Herkunft vor den Nazis nach Minsk und nach Taschkent in Usbekistan. Dort arbeitete er als Komponist und Korrepetitor und lernte auch seine zukünftige Frau Natalija, die Tochter des Schauspielers und Regisseurs Solomon Michoels, kennen. Seine erste Sinfonie schickte Weinberg an Schostakowitsch, der so begeistert war, dass er ihn zu sich nach Moskau einlud. Auf Vermittlung Schostakowitschs erhielt Weinberg eine Aufenthaltsgenehmigung für Moskau und übersiedelte 1943 in die sowjetische Hauptstadt, wo er bis zu seinem Lebensende wohnte. Zwischen Schostakowitsch und Weinberg entstand eine gegenseitige lebenslange Wertschätzung und Freundschaft. So zeigten sie sich gegenseitig ihre neuesten Kompositionen, bevor wie veröffentlicht wurden. Schostakowitsch bezeichnete Weinberg als „einen der hervorragendsten Komponisten der heutigen Zeit“. Weinberg arbeitete hauptsächlich als freischaffender Komponist und Pianist, er hatte nie eine finanziell gesicherte Anstellung. Bei gelegentlichen finanziellen Engpässen sprang Dmitri Schostakowitsch unauffällig und selbstlos in die Bresche. Als Mieczysław Weinbergs Hauptwerk gilt die Oper Die Passagierin. Es ist die Geschichte einer Auschwitz-Überlebenden, die „ihrer“ KZ-Aufseherin nach dem Krieg auf einem Ozeandampfer wiederbegegnet. Die Oper wurde 1968 fertiggestellt, aufgeführt wurde sie erstmals 2006, allerdings nur konzertant. Die szenische Uraufführung erlebte das Werk erst 2010 bei den Bregenzer Festspielen. Mieczysław Weinberg starb am 26. Februar 1996 in Moskau.
»Mieczysław Weinberg: Biographie und Einspielungen«
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