Henri Vieuxtemps war einer der bedeutendsten Geiger des 19. Jahrhunderts. Zusammen mit seinem renommiertesten Schüler Eugène Ysayë prägte er die Spieltechnik und Interpretationsweise nicht nur seiner Zeit, sondern auch der nachfolgenden Generationen von Violinschülern im belgisch-französischen Sprachraum. Geboren wurde Vieuxtemps am 17. Februar 1820 in Verviers in Belgien. Sein Vater, ebenfalls Geiger und ein Amateurgeigenbauer, erkannt das außerordentliche Talent Henris sehr schnell. Bereits mit sechs Jahren gab Henri sein öffentliches Debüt mit dem 5. Violinkonzert von Pierre Rode. Mit neun Jahren konnte er am Brüsseler Konservatorium studieren. Nach Abschluss des Studiums ging er mit seinem Lehrer Charles-Auguste de Bériot für einige Zeit nach Paris und kehrte dann wieder zurück nach Brüssel. 1833 lernte er bei einer Reise nach Deutschland Robert Schumann und Louis Spohr kennen, die sich von seinem Violinspiel sehr beeindruckt zeigten und ihn sogar mit Niccolò Paganini verglichen. 1835/36 befand sich Vieuxtemps zum Kontrapunktstudium bei Simpon Sechter in Wien, anschließend bei Anton Reicha in Paris. 1837 führte er sein Violinkonzert Nr. 1 mit großem Erfolg in St. Petersburg auf. 1843 brach er zu seiner ersten Konzertreise in die Neue Welt auf, begleitet von der Pianistin Josephine Eder, die er 1844 heiratete. Die Konzertreise führte ihn durch weite Teile der USA, einschließlich einer Fahrt flussaufwärts nach Norden auf dem Mississippi und dem Ohio. Im Juni 1844 kehrte Vieuxtemps nach Europa zurück. 1846 trat er die Stelle als Hofmusiker des Zaren Nikolaus I. und als Solist am Kaiserlichen Theater zu St. Petersburg an, die er sechs Jahre lang innehatte. In dieser Zeit gründete er auch die Violinschule am dortigen Konservatorium. 1852 nahm er wieder seine Tätigkeit als reisender Violinvirtuose auf und lebte abwechselnd in Frankfurt und Paris. Am 20. Juni 1868 starb seine Frau in La Celle St. Cloud bei Paris an der Cholera. Drei Jahre später übergab er seine Geigenklasse an Henryk Wieniawski und kehrte nach Brüssel zurück, wo er eine Professur am Konservatorium übernahm. 1873 erlitt Vieuxtemps einen Schlaganfall, der es ihm unmöglich machte, weiterhin Geige zu spielen, und der seine aktive Karriere als Virtuose und Lehrer beendete. Seine Kompositionstätigkeit setzte Vieuxtemps dagegen unermüdlich fort, allerdings verbittert darüber, dass er seine Werke nicht mehr selbst aufführen konnte. Seine letzten Lebensjahre ab 1879 verbrachte er in einem Sanatorium bei Algier, das sein Schwiegersohn. Dort starb er am 6. Juni 1881. 1920 stiftete Königin Elisabeth von Belgien anlässlich des 100. Geburtstages von Vieuxtemps den „Prix de la Reine“. 1923 fand der erste nationale Violinwettbewerb „Prix Henri Vieuxtemps“ statt, der in der Folge alle zwei Jahre vergeben wurde. Seit 1966 findet die Verleihung des Preises an junge Nachwuchskünstler alle vier Jahre in Verviers statt.
»Henri Vieuxtemps: Biographie und Einspielungen«
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