Der Schöpfer eines der weltweit populärsten klassischen Musikstücke starb heute vor 125 Jahren: Charles Gounod. 1852 schrieb dieser eine Meditation für Violine und Klavier auf das erste Präludium in C-Dur aus dem Wohltemperierten Klavier von Johann Sebastian Bach, 1859 unterlegte er dazu einen Text – das berühmte Ave Maria war geboren und trat seinen Siegeszug um die Welt an. Neben jenem Ave Maria ist es vor allem aber auch seiner Oper Faust (Margarethe, 1859) zu verdanken, dass sein Name zur festen Größe im Repertoire des heutigen Musikbetriebes gehört. So ist Gounod heute überwiegend als Opernkomponist bekannt – auch wenn die übrigen seiner insgesamt zwölf Opern über Frankreich hinaus kaum Beachtung fanden. Lediglich Roméo et Juliette (1867) war ähnlich erfolgreich wie Faust. Dabei hätte es durchaus anders kommen können. Charles Gounod wurde vor 200 Jahren, am 17. Juni 1818 in Paris geboren. Sein Vater war ein angesehener Maler, seine Mutter eine ausgezeichnete Pianistin, die ihm auch den ersten Musikunterricht erteilte. Durch weiteren Privatunterricht bei Anton Reicha gut vorbereitet, trat Gounod 1836 in das Pariser Konservatorium ein und genoss dort Unterricht bei Ferdinando Paër, Jacques Fromental Halévy und Jean-François Le Sueur, die sich als Opernkomponisten einen Namen gemacht hatten. 1839 erhielt Gounod den begehrten Prix de Rome für seine Kantate Fernand. Er blieb drei Jahre in Italien und beschäftigte sich dort intensiv mit der Musik Palestrinas. Über Wien, Berlin und Leipzig gelangte er 1843 wieder nach Paris und trat zunächst eine Stelle als Organist und Kirchenkapellmeister an. Er war nahe daran, sich zum Priester weihen zu lassen und hatte dazu von 1846 bis 1848 an Saint Sulpice studiert, wandte sich schließlich aber doch ganz der Musik zu. Für einen Komponisten in der Pariser Gesellschaft war eine Laufbahn als Opernkomponist kommerziell dabei am vielversprechendsten, der erhoffte Erfolg blieb zunächst jedoch aus. Er musste sich mit Unterrichten durchschlagen und übernahm von 1852 bis 1860 die Leitung des Orphéon de la Ville de Paris, des größten Männerchores der Stadt. Der erhoffte Durchbruch als Opernkomponist gelang ihm schließlich 1859 mit seiner Oper Faust – sein größter Erfolg überhaupt. Wegen des Deutsch-Französischen Krieges 1870/71 ging Gounod 1870 nach London und gründete dort den Gounod's Choir, aus dem später die Royal Choral Society hervorging. Seine Kirchenmusik passte ideal in das Repertoire der großen englischen Chortradition. Die Oratorien La rédemption (1881) und Mors et Vita (1885) erlebten beim Birmingham Festival ihre Uraufführung. 1875 kehrte er wieder nach Paris zurück und wand sich auch dort, seiner tiefen Religiosität folgend, mehr und mehr der Kirchenmusik zu. Seine großen Oratorien brachten ihm zu Lebzeiten großen Reichtum ein, nach seinem Tod allerdings gerieten sie rasch in Vergessenheit. Charles Gounod starb am 18. Oktober 1893 in Saint-Cloud bei Paris über der Arbeit an einem Requiem. Neben den zwölf Opern und den Kirchenmusikwerken (Oratorien, Messen, ein Requiem) komponierte Gounod auch zwei Sinfonien. Seine Petite Symphonie für zehn Bläser ist nach wie vor ein beliebtes Repertoirestück.
»Charles Gounod: Biographie und Einspielungen«
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