Im Januar vor drei Jahren war der 100. Geburtstag von Michael Tippett zu begehen, heute, am 8. Januar, jährt sich sein Todestag zum 20. Mal. Tippett ist neben Britten der wichtigste englische Komponist des 20. Jahrhunderts. Das Jubiläumsjahr 2005 bot seinerzeit Anlass, um Tippetts Musik neu zu entdecken. Auf beinahe allen Spielplänen war sein berühmtestes Werk, das Oratorium A Child of Our Time, zu finden, das in der English National Opera London erstmals szenisch aufgeführt wurde. Weltweit folgten eine große Zahl von Aufführungen weiterer Werke, Operninszenierungen und CD-Neuproduktionen. Im angelsächsischen Raum war sein Ruf schon viel länger unbestritten. Mit den Opern The Midsummer Marriage (1955), King Priam (1962) und The Knot Garden (1969), die an der Royal Opera Covent Garden in London uraufgeführt worden waren, verdiente er sich schließlich internationale Anerkennung. Das Oratorium A Child of Our Time (1944) begründete jedoch seinen Ruf als bedeutendsten englischen Komponisten der Gegenwart. Tippetts Werk umfaßt darüber hinaus viele weitere Gattungen, neben fünf Opern auch ein Concerto für doppeltes Streichorchester (1943), eine Suite in D (1948), die Fantasia concertante über ein Thema von Corelli (1942), die Fantasia über ein Thema von Händel (1953), außerdem fünf Streichquarette. Tippett war der Sohn eines Rechtsanwaltes und einer Schriftstellerin. Seinem Wunsch, Musik zu studieren, gaben die Eltern erst nach großen Widerständen auf, nachdem Tippetts Verhalten so rebellisch geworden war, dass die Stamford School im Sommer des Jahres 1922 darum gebeten hatte, er möge die Schule verlassen. Daraufhin studierte Tippett von 1923 bis 1928 am Royal College of Music in London. Ab 1933 leitete er am Morley College das South London Orchestra, 1940 wurde er zum musikalischen Leiter des Morley College berufen. Weil er als Kriegsdienstverweigerer weder im Royal Air Force Symphony Orchestra dienen noch irgendeinen anderen Zivildienst leisten wollte, wurde er 1943 zu drei Monaten Gefängnis verurteilt. Seine pazifistische Haltung behielt Tippett zeitlebens. 1965 reiste er erstmals in die Vereinigten Staaten und war vom Land begeistert – was sich sofort in seiner Musik niederschlug. 1969 begann seine Zusammenarbeit mit Sir Colin Davis, der zahlreiche Werke Tippetts uraufführte. Von 1970 bis 1974 baute Tippett als Künstlerischer Leiter das Bath International Music Festival wieder auf. 1979 verkaufte er einige seiner Originalmanuskripte an die British Library und gründete mit dem Erlös die Michael Tippett Musical Foundation, die junge Musiker und musikalische Bildungsprojekte finanziell unterstützt. 1983 wurde er Präsident des Royal College of Music in London. Trotz gesundheitlicher Probleme reiste er 1989/90 durch Australien und den Senegal. 1997 machte er eine letzte Reise zu einem Musikfestival in Stockholm, wo seine Werke aufgeführt wurden. Nach einem Herzinfarkt und einer Lungenentzündung starb Michael Tippett am 8. Januar 1998 in London, sechs Tage nach seinem 93. Geburtstag.
»Michael Tippett: Biographie und Einspielungen«
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