An seinem 130. Geburtstag darf ruhig an den „weltweit meistvergessenen Komponisten des 20. Jahrhunderts“ erinnert werden – wie Ernst Toch sich einige Jahre nach seinem Grammy Award selbst bezeichnete. Seine Fuge aus der Geographie für Sprechchor mag den meisten noch am ehesten geläufig sein – ausgerechnet ein Werk, das für ihn nicht mehr als eine „kleine Ablenkung“ war. Dabei war Ernst Toch Anfang des 20. Jahrunderts ein durchaus gefeierter und bekannter Komponist. Als Sohn eines jüdischen Ledermachers am 7. Dezember 1887 in Wien geboren, begann seine kompositorische Tätigkeit als Autodidakt, indem er Streichquartette von Mozart abschrieb und ergänzte. Er studierte zunächst Philosophie und Medizin in Wien und Heidelberg. Der Gewinn des ersten Preises bei einem Kompositionswettbewerb mit einem Streichquartett, das ein Schulfreund ohne Tochs Wissen eingereicht hatte, und der Mozart-Preis der Stadt Frankfurt für seine Kammersinfonie in F-Dur (1906) ermöglichten ihm 1909 das Klavier- und Kompositionsstudium und brachten die Wende zur Komponistenkarriere. In den Jahren 1913 – 1929 lehrte er an der Musikhochschule in Mannheim (1921 Promotion in Heidelberg über die Stilkunde der Melodie) und avancierte in den Jahren nach dem Ersten Weltkrieg zu einem der gefragtesten Komponisten Deutschlands. Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten fand diese Erfolgskarriere 1933 ein jähes Ende. Toch emigrierte 1936 nach Los Angeles, war dort aber nur bedingt erfolgreich und konnte sich nicht wie erhofft als Filmkomponist in Hollywood etablieren. Noch kurz vor seinem Tod hielt er sich selbst für den „meistvergessenen Komponisten des 20. Jahrhunderts“. Toch schrieb u.a. sieben Sinfonien (die 2. als Albert-Schweitzer-Sinfonie bezeichnet, die 3. wurde 1956 mit dem Pulitzer Prize ausgezeichnet), 13 Streichquartette, Klavierwerke (Der Jongleur 1923), Vokalwerke (Die chinesische Flöte 1923), zwei Opern (Die Prinzessin auf der Erbse 1927, Der Fächer 1930) und Filmmusiken (Heidi). Ernst Toch starb am 1. Oktober 1964 in Los Angeles.
»Ernst Toch: Biographie und Einspielungen«
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