Erich Kleiber war einer der bedeutendsten Dirigenten in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Als Sohn eines Gymnasialprofessors am 5. August 1890 in Wien geboren, studierte er in Wien und am Konservatorium in Prag Violine und Komposition sowie Philosophie und Kunstgeschichte an der Prager Universität. Er debütierte 1911 als Chorleiter am Landestheater von Prag und begann schließlich seine Dirigentenlaufbahn 1912 als Kapellmeister an der Darmstädter Oper. Wechselnde Stationen führten ihn über Barmen-Eberfeld (Wuppertal, 1919), Düsseldorf (1922) und Mannheim (1923) an die Staatsoper Berlin, wo er von 1923 bis 1934 Generalmusikdirektor war. Mit bedeutenden Uraufführungen (Alban Berg: Wozzeck 1925; Franz Schreker: Der singende Teufel, 1928; Darius Milhaud: Christophe Colombe, 1930) brachte er die Berliner Staatsoper an die Spitze der führenden Opernhäuser. 1930 wurde sein Sohn Carlos geboren, der einer der bedeutendsten Dirigenten in der zweiten Hälfte des 20. Jahrunderts werden sollte. 1934 verließ er Nazi-Deutschland als ihm verboten wird, die Oper Lulu von Alban Berg in der Endfassung von Paul Hindemith zur Uraufführung zu bringen. Er arbeitete als Gastdirigent in Amsterdam, Mailand und Moskau und ließ sich schließlich in Argentinien nieder. Von 1936 bis 1949 ist er Leiter des Teatro Colón in Buenos Aires, gleichzeitig Chefdirigent des Philharmonisches Orchesters von Havanna (1944-1947) sowie Principal Guest Conductor des Sinfonieorchester des NBC (1945-1946). Nach dem Zweiten Weltkrieg kehrt er nach Europa zurück, dirigiert u.a. regelmäßig am Londoner Covent Garden Theatre (1950-1953) und wird 1954 erneut zum Leiter der Deutschen Staatsoper in Berlin ernannt. Nach Unstimmigkeiten gibt er diesen Posten ein Jahr später wieder auf. Am 27. Januar 1956 starb Erich Kleiber in Zürich.
Der ungarische Dirigent Iván Fischer stammt aus einem familiären Umkreis, der einen idealen Nährboden für seinen beruflichen Werdegang bot: Sein Vater Sándor war ebenfalls Dirigent und auch sein Bruder Ádám und sein Cousin György sind Dirigenten. Iván wurde am 20. Januar 1951 in Budapest geboren. Er lernte Klavier und Geige spielen und wandte sich dann dem Cello zu. Zunächst absolivierte er ein Kompositionsstudium in Budapest, anschließend ging er nach Wien an die Musikakademie in die Dirigierklasse von Hans Swarowsky. Während dieses Studium konnte er zwei Semester lang Erfahrungen als Assistent von Nicolaus Harnoncourt am Salzburger Mozarteum sammeln. Mit 25 Jahren gewann er den Dirigentenwettbewerb der Ruper Foundation in London. Dies war der Durchbruch zu einer erfolgreichen Berufskarriere als Dirigent. In der Folge wurde Fischer von vielen englischen Orchestern eingeladen. 1983 gab er sein Debüt in den USA mit dem Los Angeles Philharmonic Orchestra. Im gleichen Jahr gründete er zusammen mit dem ungarischen Pianisten Zoltán Kocsis das Budapest Festival Orchestra, dessen Leiter er seitdem ist. Mit neuen Ideen wie „Überraschungskonzerten“, „Ein-Forint-Konzerten“ oder „Cocoa-Konzerten“, mit denen er speziell Kinder ansprechen wollte, führte er das Orchester zum Erfolg und zu solcher Qualität, dass es 2008 vom britischen Musikmagazin Gramophone mit einem neunten Platz unter die Top-Ten der besten Orchester der Welt gewählt wurde. Auch der gewählte Name des Orchesters war Programm: Iván Fischer gründete mehrere Festivals, denen er mit seinem Orchester ihr Profil gab, darunter ein Sommerfestival für Barockmusik in Budapest sowie das Budapester Mahlerfest. 2012/2013 übernahm Fischer die Leitung des Berliner Konzerthauses am Gendarmenmarkt und wurde Chefdirigent des Konzerthausorchesters Berlin. Als er 2016 das Angebot, Chefdirigent auf Lebenszeit zu werden, ausschlug, um mehr Zeit für sein eigenes kompositorisches Schaffen zu haben, ernannte ihn das Orchester aus Dankbarkeit und Anerkennung zum Ehrendirigenten. Diese Ehre war zuvor nur Kurt Sanderling zuteil geworden. Als Gastdirigent arbeitete Iván Fischer mit den bedeutendsten internationalen Orchestern und auch Opernhäusern zusammen. Anlässlich seines 70. Geburtstages am 20. Januar 2021 kann man zu dieser Leistung nur herzlich gratulieren. Alles Gute und weiterhin viel Erfolg Iván Fischer!