Am 18. Oktober vor genau 200 Jahren starb der französische Komponist Etienne Nicolas Méhul. Er war der bedeutendste französische Komponist zur Zeit der Revolution in der unmittelbaren Nachfolge von Christoph Willibald Gluck. Geboren wurde er am 22. Juni 1763 in Givet/Dpt. Ardennes. Im Franziskanerkloster seines Heimatortes erhielt er seinen ersten Orgelunterricht. 1779 ging er nach Paris und nahm dort Kompositionsunterricht bei Jean Frédéric Edelmann. Im weiteren Verlauf gab er Klavierunterricht und veröffentlichte zwei Bände mit Klaviersonaten. Er begeisterte sich für die Ideale der Revolution und komponierte Hymnen und Kantaten auf die Vernunft, die Freiheit und die Siege des Volkes. Sein Chant national du 14 Juillet 1800, von Napoleon nach der Schlacht von Marengo bei ihm bestellt, wurde so etwas wie eine zweite Nationalhymne. 1794 entstand seine Revolutionsoper Horatius Coclès. 1795 wurde er Inspektor des Conservatoire und Mitglied der Académie des beaux-arts. Méhul schrieb mehr als 50 Opern, in denen er mit kühnen Neuerungen in der Orchestrierung aufwartete. Seine Oper Uthal von 1806 beispielsweise verzichtet auf die Violinen. Er gilt auch als Pionier in der Verwendung von Leitmotiven. Carl Maria von Weber war von Méhuls dramatischer Musik stark beeindruckt, die mit den einfachsten Mitteln große Effekte erreicht. Seine bekannteste und so ziemlich einzige Oper, die heute noch gespielt wird, ist Joseph in Ägypten, 1807 in Paris uraufgeführt. Die Oper verdankt ihre Entstehung einem Streigespräch, ob ein Bühnenstück ohne Liebeshandlung Erfolg haben könne. Der Librettist Alexandre Duval und Méhul vollendeten in kurzer Zeit eine biblische Oper, die nicht nur auf Liebesintrigen, sondern überhaupt ganz auf Frauenrollen verzichtet – bis dahin eine noch nie dagewesene Besonderheit. Lediglich Pfitzner in Palestrina und Britten in Billy Budd haben später ebenfalls je eine Oper ohne Liebesverstrickungen geschrieben. Neben den Opern komponierte Méhul aber auch Klaviersonaten, drei Ballette, sechs Sinfonien, Bühnenmusiken und Messen.
»Étienne-Nicolas Méhul: Biographie und Einspielungen«
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