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Besprechung CD

Cómo se pasa la vida

Meditación Filosófica en la Canción Renacentista
Aquel Trovar

Aqvel Trovar AT 170204

1 CD • 71min • 2025

21.01.2026

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 10
Klangqualität:
Klangqualität: 10
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 10

Klassik Heute
Empfehlung

Ein Geräusch wie das Spannen einer Uhrfeder. Tatsächlich beginnt sogleich eine Glocke zu schlagen und eine Frauenstimme über einem unberührt-geschäftigen Bassostinato mechanisch und auf englisch die Stunden zu zählen: Das elisabethanische Stück The diall (sic), Das Zifferblatt, in einem Folianten aus der Library of Oxford Cathedral überliefert, ist eine geradezu sensationelle Entdeckung; ungerechterweise blieb sein Autor anonym, man muss ihn aber postum als überaus originellen Kopf würdigen. Nicht nur ist allein dieses Werk das Hören dieses Albums „Cómo se pasa la vida“ des spanischen Ensembles Aquel Trovar wert, es fungiert auch als eine sinnfällig Einstimmung in sein philosophisch wie musikalisch meditatives Programm mit Werken aus der europäischen Renaissance bis hin zur Schwelle zum Frühbarock.

Tanzende Eitelkeit

„Wie die Zeit vergeht“ bedeutet der Titel auf deutsch. Im 16. Jahrhundert war das nicht nur, wie heute, ein erstaunter Stoßseufzer, sondern eine existentielle Einsicht, die durch das Studium der römischen, vor allem aber griechischen Klassiker noch vertieft wurde. 25 Stücke hat die vierköpfige Gruppe ausgewählt, aus Frankreich, Italien, Spanien, England, Belgien; Deutschland ist durch den Münchner Orlando di Lasso vertreten, ansonsten wechseln sich bekannte Meister wie Jacob Arcadelt, Claude de Sermisy und John Dowland mit weniger bekannten wie Alonso Mudarra und dem Polen Waclaw z Szamotul ab. Thematisch gegliedert werden die Miniaturen nach acht tiefsinnigen philosophisch-literarischen Topoi wie der „vanitas vanitatum“ als Nichtigkeit allen Strebens, dem „theatrum mundi“, das die Welt als Bühne begreift, oder der „fortuna mutabile“, der Klage über die Launenhaftigkeit des Schicksals. Vergeblichkeit und Eitelkeit des Lebens sind dabei, wie das tänzerisch leichte Vanitas vanitatum von Jan Pieterszoon Sweelinck oder das lebhafte Tucto il mondo e fantasía des Johannes Hesdimois suggerieren, kein Grund für Schwermut; und auch der Toden tanz des Dresdner August Nörmiger klingt nach gebührend ernstem Anfang mit „Dies irae“-Glocken lustig hüpfend aus.

Instrumentaler Reichtum, fast schon Tonmalerei

Die Vokalstücke singt Delia Agúndez mit leichter, vibratoarm reiner Renaissance-Stimme, einfach und authentisch in den volksliedartigen Stücken, aber sinnlich timbriert, ohne jede Sterilität. In der Kernbesetzung von Aquel Trovar wird die Solistin von zwei zupfenden und streichenden sowie einem blasenden Kollegen begleitet, wobei so berückende Instrumente wie die Colascione, eine Langhalslaute, die Bandurria, eine spanische Mandoline, oder der Doucaine, eine Art Schalmei, zum Einsatz kommen. Eine ganze Reihe von Gästen reichert die klangfarbliche Palette noch weiter an. Aquel Trovar macht denn auch ausgiebig von der historischen Praxis Gebrauch, Vokalkompositionen wie die Chanson Puis que fortune von Claudin de Sermisy ganz oder strophenweise instrumental auszuführen, was den Effekt der gesungenen, teilweise sogar gesprochenen Stimme durchgehend frisch hält. Gerade in den englischen Madrigalen wie There is a jewel von John Wilbye, der Fantasia Il Lamento von Thomas Morley und dem Song Come heavy sleep von John Dowland scheint die superzarte und federleichte Traversflöte jederzeit kurz vor dem Aushauchen des Lebens zu stehen. Da verbindet sich die intime Kontemplation über die Melancholie mit reizvollster Tonmalerei.

Prof. Dr. Michael B. Weiß [21.01.2026]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Anon.
1The dial
Juan Escribano
2Vola il tempo
Edward Gibbons
3What strikes the clock?
August Nörmiger
4Toden tanz
Alonso Mudarra
5Recuerde el alma dormida
Wacław z Szamotuł
6Powszednia spowiedź
Henry VIII
7Pastime with good company
Jan Pieterszoon Sweelinck
8Vanitas vanitatum
Gabriel Menalt
9Andarán siempre mis ojos
Claudin de Sermisy
10Puis que fortune
Tylman Susato
11Las, fortune
Marchetto Cara
12Non e tempo d'aspettare
Guillaume Costeley
13Adieu, monde
Thomas Weelkes
14As deadly serpents lurking
Johannes Hesdimois
15Tucto il mondo e fantasía
Jacques Arcadelt
16Amour a pouvoir sur les dieux
Bartolomeo Tromboncino
17Acqua non e l'umor
John Wilbye
18There is a jewel
Thomas Morley
19Il lamento (Fantasía)
John Dowland
20Come heavy sleep (aus: First Booke, 1597)
Orlando di Lasso
21La nuit froide et sombre
Thomas Campion
22Now Winter Nights Enlarge (Rezitation)
Juan Escribano
23L' huom terren
Anon.
24Non resta in questa valle
Juan del Encina
25Todos los bienes del mundo

Interpreten der Einspielung

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