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CD-Besprechung

Anna Prohaska
Behind the Lines

Anna Prohaska<br />Behind the Lines

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 8

Klangqualität:
Klangqualität: 8

Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 8

Besprechung: 08.07.14

DG 479 2472

1 CD • 76min • 2014

Auch ihr drittes Lied-Recital bei Deutsche Grammophon hat Anna Prohaska wieder unter ein Motto gestellt. „Behind the lines“ verbindet 25 Lieder aus vier Jahrhunderten, die vom Krieg handeln; der Radius reicht von Michael Cavendish bis Wolfgang Rihm, gesungen wird in deutscher, englischer, französischer und russischer Sprache. Das Thema ist in sofern aktuell, als wir in diesem Jahr den 100. Jahrestag des Ausbruchs des Ersten Weltkriegsausbruchs gedenken.

Die Dichter und Komponisten, die hier zu Gehör kommen, betrachten den Krieg überwiegend aus einer privaten Perspektive: Frauen verlieren ihren Liebsten, Männer ihren besten Freund. Und die Jungfrau von Orléans sinniert bei Alexandre Dumas (und Franz Liszt) über die Ungerechtigkeit, den Scheiterhaufen besteigen zu müssen, wo sie doch Frankreich gerettet hat. Die politische Dimension des Krieges wird nur in den drei Hollywood-Gesängen Hanns Eislers konkret, zu denen Bert Brecht die Texte geliefert hat.

Die Programmabfolge setzt auf Kontraste - Schubert prallt auf Rihm, Beethoven auf Eisler, der barocke Thomas Traill auf Charles Ives. Diese Wechselbäder halten die Aufmerksamkeit wach, einen wirklichen roten Faden oder eine Art Dramaturgie vermag ich in dieser Aneinanderreihung aber nicht zu erkennen.

Dass Anna Prohaska eine hochmusikalische Sängerin ist, hat sie schon bei den früheren Recitals bewiesen, dass andererseits ihre stimmliche Farbpalette begrenzt ist, läßt sich auch hier nicht überhören. Dennoch gelingen ihr in der Mehrzahl der Lieder überzeugende Interpretationen. Erstaunlicherweise findet sie etwa bei Schumanns Die beiden Grenadiere, die einer tiefen Männerstimme angemessen erscheinen, einen ganz persönlichen, unpathetischen Erzählton. Am meisten liegen ihr die alten englischen Lieder, bei denen ihr heller und vibratoarm geführter Sopran ganz idiomatisch klingt. In den Eisler-Liedern gewinnt sie neue Ausdrucksfacetten. Für Ellens ersten Gesang (Schubert) wiederum wünscht man sich eine fülligere und wärmere lyrische Stimme.

Eric Schneider ist bei diesem vokalen Parforce-Ritt eine sichere Stütze und ein allzeit markanter und stilistisch versierter Begleiter.

Ekkehard Pluta [08.07.2014]

Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.KomponistWerkhh:mm:ss
1 Trad. Es geht ein dunkle Wolk herein 00:01:02
2 L.v. Beethoven Die Trommel gerühret op. 84 Nr. 1 00:02:57
3 H. Eisler Kriegslied eines Kindes (aus Zeitungsausschnitte op. 11) 00:02:13
4 H. Wolf Der Tambour (1888) 00:02:45
5 Der Soldat II (1886) 00:00:47
6 S. Rachmaninow Zu meinem Leid verliebte ich mich op. 8 Nr. 4 (1893) 00:01:51
7 Traill My Luve's in Germanie 00:03:22
8 Ch. Ives In Flanders Fields 00:02:18
9 1, 2, 3 (1921) 00:00:31
10 Tom Sails Away 00:02:35
11 R. Quilter Fear No More the Heat o' the sun op. 23 Nr. 1 00:03:09
12 H. Eisler Panzerschlacht 00:00:48
13 Die letzte Elegie 00:01:18
14 Die Heimkehr 00:01:30
15 M. Cavendish Wandring in This Place 00:02:36
16 F. Schubert Kriegers Ahnung D 957 Nr. 2 (aus: Schwanengesang D 957) 00:04:35
17 Ellens Gesang I op. 52 Nr. 1 D 837 (Raste, Krieger, Krieg ist aus) 00:07:33
18 W. Rihm Untergang op. 1 Nr. 1 (1968/1970) 00:02:19
19 F. Liszt Jeanne d'Arc au bûcher S 293/2 00:08:09
20 R. Schumann Die beiden Grenadiere op. 49 Nr. 1 00:03:36
21 F. Poulenc Le retour du sergent FP 117/6 00:01:36
22 R. Schumann Der Soldat op. 40 Nr. 3 00:02:46
23 G. Mahler Wo die schönen Trompeten blasen (aus: ) 00:07:30
24 K.  Weill Beat! Beat! Drums! (Four Walt Whitman Songs Nr. 1) 00:03:14
25 Dirge for Two Veterans (Four Walt Whitman Songs Nr. 4) 00:05:05

Interpreten der Einspielung

Interpret(en)Besetzung
Anna Prohaska Sopran
Eric Schneider Klavier
 
479 2472;0028947924722

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