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CD-Besprechung

Prokofiev

Freddy Kempf

Prokofiev

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 8

Klangqualität:
Klangqualität: 9

Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 8

Besprechung: 03.03.10

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BIS 1820

1 CD/SACD stereo/surround • 81min • 2008

Mit dem C-Dur-Konzert von Prokofieff kann man – als Interpret, als deutender Klavierspieler – nicht viel falsch machen. Im Verlauf von vielen Wettbewerben von Brüssel bis Tel Aviv und Fort Worth in Texas haben sich die entsprechenden Kandidaten im allgemeinen technisch souverän mit dem martialisch bis lyrischen Stoff auf hohem Niveau zu bewähren gewusst. So ist es für einen so genannten Neuankömmling nicht leicht, eine eigene Musiksprache zu dokumentieren, sozusagen eine unverwechselbare Duftspur zu hinterlassen. Insofern ereignet sich Freddy Kempfs Darbietung dieses „Dritten“ von Prokofieff auf hoher Ebene des Tastens und des quasi perkussiven Engagements, aber mir fehlt die letzte Entschlossenheit, das Schöne vom Brutalen abzusetzen, das Liebliche in Kontrast zum Herben und Säuerlichen zur Diskussion zu stellen.

Im Verlauf des Konzerts op. 16 fällt auf, dass Kempf und seine norwegischen Mitstreiter unter der Leitung von Andrew Litton in keiner Phase des zerklüftet angelegten Werkes die möglichen Ausdrucksextreme ausschöpfen. Dies wage ich zum Ersten für Kempfs Auseinandersetzung mit der gewaltigen, im Kopfsatz zentralen Solo-Kadenz zu monieren! Er beginnt recht viel versprechend, leuchtet das melodische Terrain mit Umsicht aus, aber im Folgenden, wenn die rechte Hand verwegen über die Tastatur geschickt wird, vermisse ich glitzernde, gleichsam technisch unbehelligte Brillanz, wie sie mir vor allem in der – wie ich meine – unübertroffenen RCA-Einspielung mit Malcolm Frager in Erinnerung ist. Sie entstand in Folge von Fragers Sieg beim Brüsseler Concours Reine Elisabeth – und man kann getrost davon ausgehen, dass der Dirigent René Leibowitz beträchtlichen Anteil daran hatte, wie man die Bewegungsimpulse, aber auch die Stauwirkungen dieser Partitur ins rechte akustische Licht zu bringen hat. Und damit wäre ich beim zweiten Punkt. Am Ende der wundersam ausschweifenden Kadenz setzt das Orchester mit ungestümer Gewalt ein – ein philharmonisches Ein- und Zugreifen, das an ein koordiniertes Signal einer ganzen Schlachtschiffarmada gemahnt. Ich hätte mir hier etwas mehr an Klangwucht erwartet, an Unbedingtheit der klangmalerischen Botschaft!

Ein Sorgenkind der Prokofieff-Interpretation ist und bleibt das folgende Scherzo. Wieder und wieder wird es – meiner Meinung nach – in überhetztem Tempo vorgetragen, das heißt: es wird in seinen kleinstformatigen Notendosierungen fast unkenntlich und letzten Endes wackelig, spannungslos angefasst und damit in seiner Wirkung stark vermindert. Auch hier muss ich Fragers Aufnahme als vorbildlich rühmen. Kempf und seine Kollegen halten sich im Vergleich zu den meisten Aufnahmen im Tempo zwar zurück, aber es fehlt mir jene akzentuierende Stabilität, die diesem Satz die nötige Ätzkraft, gewissermaßen das (accu)punktierende Element sichern würde. Flink, ja verwegen „Presto“ können die meisten der heute anerkannten Pianisten „unisono“ glänzen. Das zeigen sie am Ende von Chopins b-Moll-Sonate oder im zweiten Satz von Ginasteras Sonate op. 22 ohne jede Anzeichen von Ermüdung und gefährdeter Egalität der Hände. Aber in diesem nur „Vivace“ überschriebenen Prokofieff-Scherzo geht es um Biss und Akzente, eben nicht nur um rasantes Vorwärts unter Missachtung des inneren Rhythmus’ und aller in der Textur eingravierten sprachmusikalischen Akzente!

Befriedigend, gut kalkuliert in den Details und souverän in den virtuosen Ansprüchen gelingt Kempf zwischen den zwei Konzerten die d-Moll-Sonate (op. 14). Die integrierte „Zugabe“ erhöht die Spieldauer der CD auf immerhin 80’48 Minuten.

Vergleichsaufnahmen: Opp. 16 und 26: Kissin – Ashkenazy (EMI 2 64536 2), Toradze – Gergiev (Philips 462048-2), Browning – Leinsdorf (Testament SBT2 1376); op. 16: Yundi Li – Ozawa (DG 477 6593), Bolet - Thor Johnson (Dante HPC 083 4.53), Balaghova – Ancerl (Supraphon SU 3670-2 011), Ardasev – Svarovsky (Supraphon SU 3382-2 031), Bolet - Cox (Colosseum 9029.2); op. 26 Katchen – Kertesz (Decca 4757221), Argerich – Dutoit (EMI 556654 2), Argerich – Abbado (DG, bzw. Great Pianists Philips 456 700-2), Pletnev – Rostropovich (DG 471 576-2), Janis – Kondrashin (Great Pianists Philips 456 850-2), Kissin – Abbado (Great Pianists Philips 456 871-2), Katchen – Kertész (Great Pianists Philips 456 859-2), Kapell - Dorati (RCA 09026-68442-2), Francois – Rowicki (EMI 574324 2), Francois - Cluytens (EMI 573177 2), Prokofieff – Coppola (Dutton CDBP 9706, Marco Polo 8.110670), Judd – Lasarew (Chandos 9913), Ponti – Beissel (Dante PSG 9871), Bolet – Cox (Colosseum 9029.2).

Peter Cossé [03.03.2010]

Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.KomponistWerkhh:mm:ss
1 S. Prokofjew Klavierkonzert Nr. 2 g-Moll op. 16 00:31:45
5 Klaviersonate Nr. 2 d-Moll op. 14 00:18:26
9 Klavierkonzert Nr. 3 C-Dur op. 26 für 00:29:16

Interpreten der Einspielung

Interpret(en)Besetzung
Freddy Kempf Klavier
Bergen Philharmonic Orchestra Orchester
Andrew Litton Dirigent
 
1820;7318599918204

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