Er war einer der eigenwilligsten und zugleich charismatischsten Dirigentenpersönlichkeiten der 1. Hälfte des 20. Jahrhundert. Geliebt und gleichermaßen gefürchtet wegen seiner Direktheit und Schroffheit, bekannt für seine Probenabneigung und gerühmt für seine Wagner-, Bruckner- und Strauss-Interpretationen, erwarb er sich bei Orchester und Publikum eine Popularität, die in der liebevollen Abkürzung „der Kna“ ihren Ausdruck fand. Dieser „Kna“ – oder Hans Knappertsbusch, wie sein vollständiger Name lautet – ist vor 130 Jahren, am 12. März 1888, in Elberfeld bei Wuppertal geboren. Bereits als Schüler betätigte er sich als Dirigent des Schulorchesters und entschied sich für diesen Beruf gegen den Willen seiner Eltern. Auch wenn er vom Leiter der Dirigentenklasse am Kölner Konservatorium als „unbegabt“ bezeichnet wurde, begann Knappertsbusch nach seiner Dissertation „Über das Wesen der Kundry in Wagners Parsifal“ eine legendäre Dirigentenlaufbahn. Erste Stationen waren ab 1909 Mülheim an der Ruhr, Bochum, Elberfeld und Leipzig, gleichzeitig assistierte er von 1909 bis 1912 in Bayreuth Siegfried Wagner. Erstmals auf sich aufmerksam machte er 1914 mit Leitung der Wagnerfestspiele in Holland. Über die Leipziger Oper und die Dessauer Hofoper, wo er 1919 Deutschlands jüngster Generalmusikdirektor wurde, kam er in der Nachfolge von Bruno Walter nach 1922 München an die Bayerische Staatsoper. Von den Nazis als „politisch unzuverlässig“ eingestuft, erhielt er 1935 Dirigierverbot und orientierte sich daraufhin nach Wien, wo er die kommissarische Leitung der Wiener Staatsoper übernahm und mit den Wiener Philharmonikern zahlreiche Gastspiele absolvierte. Auch bei den Salzburger Festspielen wirkte er ab 1937 wieder mit. 1945 kehrte er nach Kriegsende – er war offiziell Generalmusikdirektor auf Lebenszeit – nach München zurück, wurde aber von den Alliierten erneut mit Berufsverbot belegt, das Anfang 1947 wieder aufgehoben wurde. Für den glühenden Wagner-Verehrer Knappertbusch, der ganz besonders den Parsifal liebte, stellte das Engagement als Dirigent zur Wiedereröffnung der Wagner-Festspiele 1951 den Höhepunkt seiner künstlerischen Laufbahn dar. Mit Ausnahme von 1953 trat er dort jedes Jahr auf. Mit Parsifal hatte Knappertbusch auch am 13. August 1964 seinen letzten Auftritt. Er starb am 25. Oktober 1965 in München an den Folgen eines Oberschenkelhalsbruches. Bestattet ist er auf dem alten Bogenhausener Friedhof in München.
»Hans Knappertsbusch: Biographie und Einspielungen«
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