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CD-Besprechung

BIS BIS-CD-1024

1 CD • 66min • 1998

01.01.2000

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 10
Klangqualität:
Klangqualität: 6
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 10

Die bestürzend karge Diskographie des "griechischen Bartók" Nikos Skalkottas (1904-1949) erfährt mit der Ersteinspielung erhaltener Werke für Violine und Klavier eine hochwillkommene Bereicherung. Die Quellenlage ist verwickelt: Viele Manuskripte kamen erst nach und nach zum Vorschein; Wichtiges ist bis heute verschollen, Etliches noch nicht im Druck erschienen! So ist auch diese CD allenfalls ein Anfang, denn die Violinsonate und die späten Suiten, Volkslied-Bearbeitungen und mehr harren noch der Entdeckung. Die vorgestellten Stücke sind hier in besten Händen. Georgios Demertzis kultiviert einen leicht rauhen Midstream-Ton, dessen Schärfe aber nicht unaufdringlich wirkt. Allenfalls mangelt es ein wenig an Farbigkeit und goldener Fülle. Es mag sein, daß entweder das Instrument (eine Cuypers von 1801) oder die etwas sterile Aufnahme nicht mehr hergeben. Davon abgesehen liefern Demertzis und seine versierte Mitstreiterin am Klavier, Maria Asteriadou, Interpretationen, die mit allen Wassern zeitgenössischer Musik gewaschen sind und mit Nachdruck auf Skalkottas aufmerksam machen: Wie ist es bloß möglich, daß ein Werk wie die ungeheuerliche Solosonate (1925) so gut wie nie aufgeführt wird? In nur 13 Minuten und vier Sätzen gelingt Skalkottas in seinem wohl ersten reifen Meisterwerk der Brückenschlag über die gesamte Violintradition von Bach (inklusive einer veritablen Fuge) bis hin zur Wiener Schule und verschmilzt all dies stilistisch höchst eigenständig. Der dritte Satz erinnert in seinen Revue-Anklängen daran, daß Skalkottas seine so wichtige erste große Reifeperiode (1921-1931) in Berlin erlebte. Ohne weiteres paart sich das hier mit einem Finale (Tr. 4), das eine originelle Fugenform entwickelt. Zugleich weist er in Farbigkeit und Verarbeitungstechnik auf den späteren Lehrer Schönberg. Dies gilt noch mehr für die beiden Sonatinen. Die erste beäugte der Schönberg-Kreis mißtrauisch, wegen ihrer Jazzrhythmen, aber auch wegen der Abwertung der Reihe an sich, die Skalkottas im vertikalen wie horizontalen Verlauf als gleichwertig behandelt. Die zweite Sonatine geht mit ihren griechischen Tanzrhythmen regelrecht in die Beine. Die dritte und vierte Sonatine von 1935 markieren den Beginn von Skalkottas Reife-Stil: Die transformatorische Ausarbeitung von seriellen Matritzen und die schwebende Disposition der Formen sind ihrer Zeit weit voraus. Die kleinen Stücke stammen aus unterschiedlichen Zeiten und bieten weitere Einblicke in Skalkottas' Entwicklung. Der drastische Marsch der kleinen Soldaten zum Beispiel (Tr. 17) ist bei nur 50 Sekunden Dauer eines der bösesten Antikriegsstücke, die je komponiert wurden. Skalkottas' Lehrer Kurt Weill war davon entzückt. Das erstaunlichste an dieser Musik ist, daß sie trotz Dodekaphonie und aller Komplexität den Hörer nie enttäuscht und unmittelbar berührt. So erweist sich die Musik von Skalkottas als hochgradig aktuell und lebensfähig. Wenn man ihr eine Chance läßt!

Dr. Benjamin G. Cohrs [01.01.2000]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Nikos Skalkottas
1Sonate für Violine solo (1925)
2Kleiner Choral und Fuge
3Sonatinen Nr. 1-4 für Violine und Klavier
4Marsch der kleinen Soldaten
5Nocturne
6Rondo
7Gavotte
8Scherzo
9Menuetto
10Cantato

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