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CD-Besprechung

Cecilia Bartoli

Queen of Baroque

Decca 485 1275

1 CD • 79min • 1991-2017

05.02.2021

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 10
Klangqualität:
Klangqualität: 9
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 9

Erst ein Jahr ist es her, dass Cecilia Bartolis Farinelli-Album auf den Markt kam, und schon legt Decca mit einem weiteren Recital der Sängerin nach. Dieses ist allerdings nicht neu, sondern bietet ein Pasticcio früherer Aufnahmen aus einem Vierteljahrhundert, in denen nachzuverfolgen ist, wie sich la Bartoli zur „Queen of Baroque“ emporgearbeitet hat, was in ihrem Fall alles andere als ein Werbe-Etikett ist, sondern ein Titel, der ihr zusteht.

Mit der Veröffentlichung ihres Vivaldi-Albums vor 20 Jahren begann ein neues Kapitel in ihrer Karriere, die vorher vor allem mit Mozart und Rossini verbunden war, aber auch in der Rezeption des Komponisten und der Barockoper überhaupt – mit unerwarteten Auswirkungen auf die internationalen Opernspielpläne.

Kontrastdramaturgie

Die vorliegende Sammlung präsentiert nicht nur die arrivierte Diva und Virtuosa, sondern geht – zumindest partiell – auch auf ihre Anfänge zurück. Die älteste Aufnahme ist das Duett aus Pergolesis Stabat mater, wo die 25-Jährige ihren warmen, pastos klingenden Alt mit dem hellen Sopran von June Anderson mischt. Die Lyrikerin offenbart sich vor allem in zwei populären Händel-Nummern: Dem Largo des Xerxes und der Arie der Almirena aus Rinaldo, „Lascio che’io pianga“.

Vokale Achterbahnfahrten, koloraturengespickt, vollführt die Virtuosa assoluta in der Arie „Agitata di due venti“ aus Vivaldis Griselda, seit langem eine Bravournummer der Sängerin, und in „Son qual nave ch’agitata“ aus Riccardo Broschis Artaserse. Wie schon in den früheren Alben folgt die Auswahl der Stücke einer gezielten Kontrastdramaturgie. Zu der gehört im vorliegenden Fall auch die Einbeziehung sakraler Werke von Agostino Steffani, in denen sich Bartolis sinnliche Mezzostimme reizvoll mit den Stimmen der seraphisch tönenden Countertenöre Philippe Jaroussky und Franco Fagioli verbindet.

Zwei Fundstücke

Nur zwei Nummern in diesem Erinnerungsalbum werden hier erstmals veröffentlicht und sind als Weltersteinspielungen der Werke deklariert. Sie stehen am Beginn des Recitals und stimmen gut auf das Kommende ein. Auf die Arie „E l’honor stella tiranna“ aus Steffanis I trionfi del fato folgt, noch beeindruckender, „Chi vive amante“ aus Leonardo Vincis Alessandro nell’Indie. Hier zieht die Bartoli alle Register ihres reichen vokalen Gestaltungsrepertoires und demonstriert, wie sich ausgefeilte Belcanto-Technik mit Nikolaus Harnoncourts Vorstellung von „Musik als Klangrede“ vereinbaren lässt.

Die begleitenden Instrumental-Ensembles agieren auf dem artistischen Niveau der Diva, wobei Il Giardino Armonico unter Giovanni Antonini und Les Musiciens du Louvre unter Marc Minkowski ihrem sängerischen Temperament besonders entsprechen.

Für die eingeschworenen Sammler und Bartoli-Verehrer bringt diese Publikation also kaum Neues, aber für alle „Einsteiger“ in dieses ausgefallene Repertoire und in ihre unvergleichliche Darstellungskunst ist sie dringend zu empfehlen.

Ekkehard Pluta [05.02.2021]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Agostino Steffani
1E l'honor stella tiranna (Enea - aus: I trionfi del fato) 00:02:01
Leonardo Vinci
2Quanto invidio la sorte ... Chi vive amante (Erissena - aus: Alessandro nell'Indie) 00:04:00
Georg Friedrich Händel
3Lascia ch'io pianga (Almirena - aus: Rinaldo) 00:04:50
Riccardo Broschi
4Son qual nave (Arbace - aus: Artaserse) 00:07:28
Giovanni Battista Pergolesi
5Stabat Mater dolorosa (aus: Stabat Mater) 00:03:53
Antonio Vivaldi
6Agitata da due venti (Arie der Costanza - aus: Griselda) 00:05:22
Agostino Steffani
7Serena, o mio bel sole... Mia fiamma... Mio ardore (Anfione, Niobe - aus: Niobe, Regina di Tebe) 00:02:18
Alessandro Scarlatti
8Caldo sangue (Aria di Ismaele - aus: Sedicia, Re di Gerusalemme) 00:05:29
Georg Friedrich Händel
9Ombra mai fu (Largo Serse - aus: Serse) 00:03:24
Tomaso Albinoni
10Aure, andate e baciate (Zefiro - aus: Il nascimento dell'Aurora) 00:03:21
Carl Heinrich Graun
11Deh, tu bel Dio d'amore ... Ov'è il mio bene? (Farnaspe - aus: Adriano in Siria) 00:03:41
Agostino Steffani
12Stabat Mater (Eja Mater, fons amoris; Fac ut ardeat; Sancta Maria; Tui nati, vulnerati 00:04:19
Antonio Caldara
13Vanne pentita a piangere (Aria di Santa Eugenia - aus: Il Trionfo dell'Innocenza) 00:08:49
Georg Friedrich Händel
14Disserratevi, o porte d'Averno (Aria dell'Angelo - aus: La Resurrezione) 00:04:44
Nicola Antonio Porpora
15Parto, ti lascio, o cara (Arminio - aus: Germanico in Germania) 00:10:45
Agostino Steffani
16Combatton quest'alma (Enea, Lavinia - aus: I trionfi del fato) 00:02:06
Georg Friedrich Händel
17Bel piacere è godere fido amore (Almirena - aus: Rinaldo) 00:02:06

Interpreten der Einspielung

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