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CD/SACD stereo/surround-Besprechung

Medtner • Scriabin

Yevgeny Sudbin

BIS 2088

1 CD/SACD stereo/surround • 63min • 2013

20.05.2015

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 10
Klangqualität:
Klangqualität: 10
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 10

Klassik Heute
Empfehlung

So gegensätzlich gerade Scriabins frühes Klavierkonzert von 1896 und Nikolai Medtners reifes 3. Klavierkonzert aus den 1940er Jahren sein mögen, die hier vorgelegte Kombination ist von überwältigender Wirkung, und beide Werke entfachen eine durchgehende Sogwirkung, die den Hörer auf einen ekstatischen Trip schickt. Dies hat unterschiedliche Gründe, die auf glückliche Weise ineinander spielen. Scriabins Konzert mag, wie auch Yevgeni Sudbin in seinem so erfrischenden wie instruktiven und kenntnisreichen Einführungstext bemerkt, bei oberflächlichem Hören an Chopin erinnern, doch wenn schon Vergleiche, dann ist insgesamt Rachmaninoff unvergleichlich näher – und doch fern. Ich muss aber auch gestehen, dass ich dieses Konzert nie so durchweg fesselnd, mit solcher bewusst geführten Emphase, stets glutvollen Eleganz und immer sanglichen, gleichwohl mit aller Macht durch Mark und Bein gehenden Kraft gespielt gehört habe. Sudbin hat uns nun schon in verschiedensten Werken seine überragende Musikalität geschenkt (von der pianistischen Meisterschaft hier gar nicht zu reden, die ist ohnehin über jeden Zweifel erhaben), von Scarlatti, Haydn, Mozart und Beethoven über Chopin und Liszt bis zum späten Scriabin, zu Ravel, Rachmaninoff und Medtner, und doch möchte ich spontan sagen, dass diese hinreißende, alles aus dem unwiderstehlichen Fluss begreifende, bis ins Kleinste differenzierende, jeden Moment mit zusammenhangstiftendem Sinn erfüllende Darstellung von Scriabins Konzert zum Besten gehört, ja beinahe der bisherige Höhepunkt dessen ist, was ich bislang von ihm gehört habe. Auch das mit ihm zusammen wirkende Bergen Philharmonic Orchestra unter seinem amerikanischen Chefdirigenten Andrew Litton läuft hier zu geschliffenster, feinster Form auf, sei es in dem delikaten Slalom-Parcours des Kopfsatzes, den herrlichen farbharmonischen Schattierungen des Andante oder dem zu unglaublich geschlossener Wirkung gebündelten Energie-Malstrom des Finales, wo natürlich klar ist, dass bei der massiven Orchestration der Solist im Konzertsaal oftmals nicht mehr zu hören ist, wo ihn hier die Tontechniker – in der natürlichst-diskretesten Weise übrigens! – immer noch seinen vernehmbaren Platz finden ließen. Meisterschaft von allen Seiten, wo so viel Entzücken das Gehör durchpulst, da bleibt, auch wenn ich nicht mit jeder Rubato-Ausführung im Orchester en detail einverstanden bin, kein Kennerauge trocken.

Anschließend folgt das weit umfangreichere und in seinem ganzen Charakter nach dem Sternenflug Scriabins umso erdiger anrührende, aus der Ruhe geborene und umso urwüchsiger zupackende dritte Konzert op. 60 von Nikolai Medtner, dem diesem so unähnlichen engen Freund Rachmaninoffs (weil man ihn nicht einordnen kann, machte man aus ihm einen „russischen Brahms“, ein Titel, den er allerdings bezeichnenderweise mit Sergej Tanejev, Alexander Glasunow und Paul Juon teilen muss). Damit vollendet Sudbin auf grandiose Weise seinen Komplettzyklus der immer noch dem großen Publikum völlig unbekannten Medtner-Konzerte bei seinem Exklusiv-Label BIS. Medtners drittes Konzert besteht aus zwei symphonisch weit ausgreifenden, hochdramatischen und wechselhaft bewegten Ecksätzen, die den Solisten mit dankbarstem Einsatz des Klaviers (wo sich in jedem Takt der herausragende Könner sowohl auf dem Gebiet des ausdrucksgesättigten Tonsatzes als in der vollendeten Beherrschung des Klaviers offenbart) in endlos vielgestaltigen Dialog mit dem erstaunlich flexibel behandelten Orchester treten lassen. Thematische Verwandtschaft verbindet das Konzert als Ganzes, und zwischen die beiden Monumentalsätze ist ein kurzes, mysteriöses Interludium eingelagert, wie ein neutrales Terrain zwischen zwei heroischen Schlachtfeldern. Ein besseres, sowohl fulminanteres als auch besonneneres Plädoyer für diese auch in Fachkreisen extrem unterschätzte Musik lässt sich wohl nicht denken. Da dieses Album auch bezüglich der Tontechnik, die die dichten Partituren beispielhaft durchleuchtet und zugleich, bei aller Transparenz, einen frappierend warmen, satten, resonanten Klang offeriert, was natürlich nur bei solch exzellenten Konditionen (musikalisch wie auch raumakustisch) möglich ist, ist diese magische Scriabin-Medtner-Kombination rundum zu empfehlen.

Christoph Schlüren [20.05.2015]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Alexander Scriabin
1Klavierkonzert fis-Moll op. 20 00:26:36
Nicolai Medtner
4Klavierkonzert Nr. 3 e-Moll op. 60 (Ballade) 00:35:16

Interpreten der Einspielung

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