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CD-Besprechung

The Welte Mignon Mystery Vol. XVI

Josef Lhévinne today playing all his 1906/1911 European interpretations

Tacet 180

2 CD • 1h 47min • [P] 2010

08.12.2010

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 8
Klangqualität:
Klangqualität: 8
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 8

Der hier wieder einmal mit seinen Einspielungen präsentierte, ja zu Recht gefeierte Josef Lhévinne wurde im Dezember 1874 als neuntes Kind des Trompeters Arkady Levin geboren. Bereits im zarten Alter von elf Jahren wurde er als Schüler des Moskauer Konservatoriums akzeptiert. Vier Jahre später debütierte er mit Beethovens Es-Dur-Konzert unter der Leitung von Anton Rubinstein! 1893 widmete Tschaikowsky dem kaum 20jährigen seine 18 Klavierstücke op. 72 – eine Auszeichnung, die auf Levins (Lhévinnes) Austrahlung auf das musikalische Leben in seiner Heimat, auf seine Autorität als Pianist und Interpret schon in jungen Jahren schließen lässt.

Die hier nach dem alten Welte Mignon-Verfahren seitens der Tacet-Techniker sozusagen reaktivierten (und zugleich klanglich aktualisierten) Einspielungen entstanden 1906 in Leipzig und 1911 in Freiburg, 1920 folgten weitere Rollen-Aufnahmen nach dem Welte-Verfahren in New York, wo sich Lhévinne 1919 niedergelassen hatte und ab 1922 an der gerade gegründeten Juilliard Graduate School unterrichtete. Dies und mehr ist im Booklet dieser 16. Tacet „The Welte Mignon Mystery“ nachzulesen – und zu hören ist das schillernde, bunt zusammen gemischte „Studio“-Repertoires eines technisch geschmeidigen, für heutige Begriffe vielleicht etwas unbekümmert zugreifenden Pianisten, dem es freilich zu danken ist, neben einigen Unverwüstlichkeiten der Literatur auch an manche vergessene Kleinigkeit zu erinnern. So etwa an Benjamin Louis Godards hübsches Scherzo En route, an Anton Rubinsteins Polka Le Bal (op. 14) oder auch an Paul de Schlözers elegante, ungemein pianistisch erdachte Konzertetüde op. 1,1.

Wenn man die Rolleneinspielungen (und manche Aussagen von Zeitgenossen) für bare zeitgeschichtliche Münze nimmt, dann zeichnet sich Lhévinnes Spiel durch ernste, schlanke Brillanz aus. Wie mir heute scheint durchaus in Nachbarschaft zu den allenfalls hintergründig sentimentalen, also sachlichen, zuweilen geradezu ungemütlichen Werkdeutungen eines Ferruccio Busoni. Möglicherweise trägt diese musikantische Grundhaltung dazu bei, dass die tänzerischen Miniaturen (im Original und in populären Bearbeitungen) etwas glatt am Ohr vorüberziehen. Eindrucksvoll auf jeden Fall bleibt Lhévinnes Vermögen, etwa Schumanns Toccata schwerelos „hinzulegen“ oder auch den Donauwalzer in der flüssig-retrospektiven Schulz-Evler-Variante im Sinne eines hochprofessionellen Alleinunterhalters zum Besten zu geben.

Peter Cossé † [08.12.2010]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Paul de Schlözer
1Étude de Concert Es-Dur op. 1 Nr. 1 00:02:50
Frédéric Chopin
2Etüde h-Moll op. 25 Nr. 10 00:03:22
Benjamin Godard
3Scherzo B-Dur op. 107 (En route) 00:03:54
Felix Mendelssohn Bartholdy
4Presto F-Dur op. 7 Nr. 7 00:02:58
Alexander Scriabin
5Prélude et Nocturne op. 9 No. 1-2 – Andante - Andante 00:04:54
Robert Schumann
6Toccata C-Dur op. 7 00:06:42
Franz Liszt
7Die Loreley S 273 00:06:50
Christoph Willibald Gluck
8Iphigenie in Aulis 00:03:23
Anton Rubinstein
9Le Bal op. 14 (Polka) 00:05:16
Adolf Schulz-Evler
10Arabesken über Themen des Walzers "An der schönen blauen Donau" 00:08:20
CD/SACD 2
Carl Czerny
1Oktaven-Etüde op. 740 Nr. 5 (aus: Kunst der Fingerfertigkeit) 00:01:23
Anton Rubinstein
2Kamennoi-Ostrow op. 10 Nr. 22 (Rêve angélique) 00:07:35
Giovanni Sgambati
3Vecchio Minuetto op. 18 Nr. 2 (aus: Quattro Pezzi op. 18) 00:05:14
4Die Ruinen von Athen op. 113 00:02:25
Moritz Moszkowski
5Menuett G-Dur op. 17 Nr. 2 00:07:39
Anton Rubinstein
6Barcarolle c-Moll op. 104 Nr. 4 00:09:36
7Prélude f-Moll op. 75 Nr. 9 (aus: Album de Peterhof op. 75) 00:02:59
Frédéric Chopin
8Mazurka D-Dur op. 33 Nr. 2 – Vivace 00:02:20
94. Satz, Rondo "Perpetuum mobile". Presto 00:03:39
Frédéric Chopin
10Etüde c-Moll op. 25 Nr. 12 00:02:32
11Réminiscences de "Robert le Diable" (Valse infernale, 1841) 00:11:40

Interpreten der Einspielung

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