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CD-Besprechung

Richard Wagner/Hansjörg Albrecht: Der Ring des Nibelungen (Bearb. für Orgel)

OehmsClassics 1 CD OC 612

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 6

Klangqualität:
Klangqualität: 7

Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 7

Besprechung: 26.10.06

OehmsClassics OC 612

1 CD • 64min • 2006

Musikalische und textlose Synthesen aus Wagners Ring des Nibelungen, die versuchen, seinen sinfonischen Gehalt zu extrahieren, sind keine Seltenheit, und es ist müßig, hierbei nach Sinn und Zweck zu fragen – es gibt keinen, außer sie sind so gut gemacht, daß sie dem Hörer ein Instrument oder ein Ensemble auf einer ganz exorbitanten Höhe präsentieren; Lorin Maazels Versuch, die er in den 1980er Jahren als „Ring ohne Worte“ mit den Berliner Philharmonikern für Telarc einspielte, ist so ein Beispiel.

Hansjörg Albrechts Orgel-Transkription nimmt sich zwar aufgrund der Aufnahmemodalitäten durchaus spektakulär aus: Die beiden Orgeln der Kieler St. Nikolai-Kirche, die unterschiedlich angeordnet sind, können koordiniert werden; zudem wurde das Overdubverfahren angewendet, das spätestens seit Glenn Goulds hypertrophen späten Wagner-Annäherungen bekannt ist und das hier per Mehrspurverfahren eine Klang-Totale kreiert, die live nie zu realisieren wäre – es sei denn, „man hätte fünf Organisten an fünf Spieltischen in einem Raum mit zehn Orgeln“, wie der Tonmeister Martin Fischer im Beiheft lapidar ausführt.

Wie jede Adaption, gerade eine so aufsehenerregende, macht auch diese Aufnahme dem Hörer Spaß, sofern er Wagners Ring einigermaßen gut kennt und so die interessanten Lösungen des Bearbeiters und Organisten Hansjörg Albrecht, dem neuen Leiter des Münchner Bachchores, sowie des Tonmeisters Fischer zu beurteilen weiß. Dennoch ist sie musikalisch nicht ganz geglückt, was selbstverständlich mit an der Unangemessenheit der Orgel liegt, echte orchestrale Wirkungen hervorzubringen – selbst wenn es sich um ein solches Instrument wie die Kieler Gesamtorgelanlage handelt. Diese Unangemessenheit war Albrecht jedoch bereits vorher bekannt, und seine Interpretation ist auch merklich ein Versuch, mit ihr kompromißhaft und sinnvoll umzugehen und aus ihr einen Gutteil der Spannung des Projektes zu ziehen.

Schwerer jedoch wiegt das fehlende Temperament Albrechts, der über große Strecken hinweg zu wenig energetische Tempi wählt und es außerdem versäumt, die klangliche Statik der Orgel durch Artikulation und Dynamik auszugleichen. So gerät schon das Ende des Rheingold-Vorspiels zu kraftlos, und die Walhalla-Szene dümpelt viel zu lange im Nebel vor sich hin; während das Aufschlagen von Donners Hammer recht theatralisch gelingt, klingt die Szene selbst dann wieder eher müde aus. Albrecht versäumt es, hier wirklich die Kontrolle des Zeitverlaufs an sich zu ziehen, so daß allein die klangliche Massivität beeindruckt. Generell kann man sagen, daß die raunenden Stellen der Orgel entgegenkommen, das Overdub-Verfahren aber versagt, wenn es darum geht, orchestrale Schärfe und Deutlichkeit zu erreichen: Der „Walkürenritt“ verwischt hoffnungslos. Und während das Grummeln des Paukenersatzes im „Trauermarsch“ noch apart geräuschhaft wirkt, enttäuscht das folgende Tutti wiederum, weil der Bearbeiter nicht den Mut hatte, hier die Registeraufteilung zu ändern und somit zu versuchen, mehr aus der in dieser Lage zu matten Orgel herauszuholen. Durch solche Halbheiten verliert dieser Versuch, so daß dieses Experiment zwar interessant, nicht jedoch gelungen ist.

Dr. Michael B. Weiß [26.10.2006]

Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.KomponistWerkhh:mm:ss
1 R. Wagner Der Ring des Nibelungen (Bearb. für Orgel)

Interpreten der Einspielung

Interpret(en)Besetzung
Hansjörg Albrecht Orgel
 
OC 612;4260034866126

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