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Opernhäuser

Opernhaus

05.03.2014
Klassik Heute - Opernhäuser
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Staatstheater Darmstadt

Geschichte

Die Darmstädter Theatertradition reicht zurück bis ins Frühbarock, wo der fürstliche Hof auch das Volk an den aus Italien kommenden Mischformen dekorativer Spiele teilhaben ließ: Roßballette mit bunten Masken und Kostümen, Ballettkomödien und allegorische Darstellungen mit Feuerwerk und Wasserspielen. Um für eben diese Theaterereignisse das richtige Ambiente zur Verfügung zu haben, baute Landgraf Ludwig V. 1617 ein Reithaus, das er dann 1670 in ein Komödienhaus umbauen ließ, in dem vor allem italienische Opern und französische Schauspiele aufgeführt wurden. Als sich im Laufe der Jahre das Darmstädter Theater zu einer beachtlichen Pflegestätte dieser Kunstformen entwickelt hatte und generell das Interesse am Theater wuchs, wurde das alte Theatergebäude in ein Logenhaus mit drei Rängen umgebaut. Und so konnte am 17. Februar 1711 mit der Aufführung von Christoph Graupners Oper Telemach das erste stehende Theater Darmstadts eröffnet werden. Doch bereits 1719 mußte das Theater wieder geschlossen werden, da die kostspieligen Inszenierungen, die hohen Gagen für die französischen Schauspielergesellschaften und die Orchester die Privatschatulle des Landgrafen zu sehr schmälerten. Von nun an, will heißen zur Zeit der „großen Landgräfin“ Karoline, übernahmen reisende Gruppen den Theaterbetrieb in Darmstadt und erst Großherzog Ludewig I., der bereits als Primgeiger das Orchester dirigierte, eröffnete das Theater wieder, indem er die Schauspielergesellschaft des Xaver Krebs fest engagierte.

1810 wurde dann das großherzogliche Hoftheater begründet, das 1819 den von Georg Moller, dem Architekten der neugestalteten Haupt- und Residenzstadt des Großherzogtums, errichteten Theater-Neubau beziehen konnte. Das Hauptinteresse galt in den Jahren Ludewigs I., der das Orchester häufig selbst dirigierte, den prunkvollen Aufführungen der Opern von Mozart, Spontini und Rossini, obwohl auch Kotzebues Lustspiele und die Dramen der Klassiker gespielt wurden. 300 Mitglieder zählten Theaterensemble und Orchester, als die Budgetkürzungen nach dem Regierungswechsel von 1830 zur vorläufigen Stillegung des Theaterbetriebs führten.

Trotz der Stillegung blieb der institutionelle Rahmen bestehen, und es gab nach wenigen Jahren auch wieder Opern, Ballette und Theaterbälle. 1850 wurde der Ballettmeister Carl Tescher zum Direktor des Hoftheaters und der Hofmusik berufen. Einen Namen machte sich vor allem die Darmstädter Bühnentechnik unter Bühnenmeister Ignaz Dorn und dem später auch für die Bayreuther Festspiele verpflichteten Maschineriedirektor Carl Brandt. Einen Rückschlag erlitt das Darmstädter Haus durch den Theaterbrand von 1871, erst 1879 konnte das mittlerweile von Theodor Wünzer geleitete Hoftheater wieder in den erneuerten Mollerbau zurückkehren. Neue Erfolge feierte das Haus, als das Ausstattungstheater der Wilhelminischen Zeit in den vom Darmstädter Jugendstil geprägten Anfangsjahren des neuen Jahrhunderts von der modernen Stilbühne abgelöst wurde, die in Darmstadt vor allem mit dem Namen des Bühnenbildners Kurt Kempin verbunden ist. Selbst Großherzog Ernst Ludwig entwarf einige Bühnenbilder für die unter seiner Mitwirkung vorbereitete Parsifal-Inszenierung des Frühjahrs 1915.

Als aus dem Großherzogtum mit der Novemberrevolution des Jahres 1918 der Volksstaat, aus dem Hof- ein Landestheater geworden war, kam Büchners Woyzeck im Herbst 1919 erstmals auf die Darmstädter Bühne. Die demokratische Landesregierung der Weimarer Zeit übernahm die traditionelle Förderung des Darmstädter Theaters und schuf ihm den Freiraum für eine zeitbezogene Neuorientierung, deren Ergebnisse vor allem unter der Intendanz Gustav Hartungs und Carl Eberts weithin Beachtung fanden.

Bereits 1922 trat neben das „Große“ das reaktivierte de la Fosse-Theater als „Kleines Haus“. Hartungs zweite Intendantenzeit in Darmstadt wurde abrupt unterbrochen, als das Theater im Frühjahr 1933 nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten gleichgeschaltet wurde. Auch zahlreiche andere Ensemblemitglieder mußten das Theater verlassen, das sich zum „neuen Geist“ bekannte. Die Leitung Franz Everths, der 1934 nach Darmstadt berufen wurde, läßt die Arbeit des Theaters im Rückblick gleichwohl zu einem „Aktivposten in böser Vergangenheit" erscheinen. Von der "wagemutigsten Bühne des Gaues“ sprach die Frankfurter Zeitung, als neben werkgetreuen Klassiker-Inszenierungen noch im Krieg Erstaufführungen von Egk und Orff auf die Darmstädter Bühne kamen. Der Theaterbetrieb wurde in Darmstadt erst kurz vor dem Bomben-Brand am 11. September 1944 eingestellt.

In den Jahren nach 1945 mußte man sich für den Neubeginn – auf dem Spielplan standen sowohl Werke der bis dato ausgesperrten französischen und amerikanischen Dramatik, daneben verhalfen die großartigen Inszenierungen Gustav Sellners sowie die Opernregie von Harro Dicks dem Haus zu internationalem Renommee und Ansehen – mit einem Provisorium in der etwas beengten Orangerie begnügen. Ein Provisorium, das über ein Vierteljahrhundert dauern sollte, ehe man 1972 das neu erbaute Staatstheater beziehen konnte.

Darmstadt und das Neue

Das Neue, vor allem das musikalisch Neue hatte in Darmstadt von jeher einen großen Stellenwert. Zu erinnern sei nur an die Darmstädter Ferienkurse für Neue Musik, die alljährlich die musikalische Avantgarde ins Hessische lockten und die sich, auch international, bester Reputation erfreuen. Trotz der vielbeschworenen Aufgeschlossenheit gegenüber dem Neuen hatten und haben viele Theaterfreunde Darmstadts Probleme mit dem eher nüchtern wirkenden, aus Betonkuben zusammengesetzten Zweckbau, der nach seiner Fertigstellung 1972 über 70 Millionen Mark verschlungen hatte. Ein Grund für die Größe und die zur damaligen Zeit relativ hohen Kosten liegt unter anderem in der Konzeption des Hauses begründet, die alles – Malersaal, Schreinerei, Schlosserei, Montagesaal, Kulissenmagazin, Büroräume der technischen Direktion und Werkstattbühne – „unter einem Dach“ vereinigt. Es entfallen aufwendige Transportwege.

Eine erste Blütezeit erlebte das Darmstädter Theater in den Jahren zwischen 1927 und 1931 unter dem Intendanten Carl Ebert, der einen experimentierfreudigen Theaterstil pflegte. Auch heute gehört Musiktheater des 20. Jahrhunderts zu den wesentlichen Pfeilern des Darmstädter Repertoires. Als eines der wenigen Theater in Deutschland hat das Staatstheater Darmstadt eine eigenständige Projektreihe Neue Musik unter der Leitung der Regisseurin Dagmar Birke ins Leben gerufen, im Rahmen derer in der Spielzeit 1997/98 kleinere Musiktheaterstücke von Catherine Milliken, Lars Klit und Wolfgang Mitterer zur Ur- oder deutschen Erstaufführung kamen. Ferner wurde zur Wiedereröffnung des renovierten Großen Hauses Schönbergs Moses und Aron geboten (siehe auch Premieren-Nachlese Seite 113). In die Reihe der Beschäftigung mit Neuer Musik gehört auch das Ingeborg-Bachmann-Projekt, das die fest engagierte Choreographin Birgitta Trommler zusammen mit dem Komponisten Moritz Eggert im Februar 1998 realisierte.

GMD Marc Albrecht

Mit Marc Albrecht steht dem Intendanten des Staatstheaters Darmstadt, Gerd-Theo Umberg, ein Generalmusikdirektor zur Seite, der zum Aushängeschild des Hauses geworden ist und der mit zeitgenössischen Komponisten, wie etwa Matthias Pintscher oder Detlef Glanert, persönlichen Kontakt pflegt. Und so hat er sich denn auch, was die Programmatik anbelangt, für Darmstadt auf die klassische Moderne mit Schönberg, Berg, aber auch Nono einerseits, und Wagner und Strauss andererseits festgelegt.

Der 1964 in Hannover geborene Dirigent wechselte zum 1. Januar 1995 von der Sächsischen Staatsoper Dresden, wo er seit 1992 als Erster Kapellmeister engagiert war, ans Staatstheater Darmstadt. Dies war zugleich seine erste Chefposition.

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