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Besprechung CD

Caspar Joseph Brambach

Complete Piano Quartets • Piano Sextet op. 5
Breidenbach • de Haas • Rössel • Nemtsov • Kalbhenn-Rzepka • Daniels

cpo 555 653-2

2 CD • 2h 23min • 2023, 2024

26.02.2026

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 9
Klangqualität:
Klangqualität: 9
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 9

Wenn überhaupt, ist Caspar Joseph Brambach bekannt als Komponist des „Bergischen Heimatlieds“ („Wo die Wälder noch rauschen“), vornehmlich überhaupt als Chorkomponist. Er wurde 1833 (im selben Jahr wie Brahms) im Rheinischen Oberdollendorf (heute ein Stadtteil von Königswinter) geboren, wo eine Gedenktafel an ihn erinnert, studierte am Kölner Konservatorium, unter anderem bei Ferdinand Hiller (Komposition) und Carl Reinicke (Klavier), erhielt das Mozart-Stipendium des Frankfurter Liederkranzes, trat bald als Klaviersolist, Organist und Bratscher auf und unterrichtete selber am Kölner Konservatorium. 1861 wurde er Musikdirektor in Bonn, leitete dort die Abonnementskonzerte, gründete eine Kammermusikreihe und übernahm auch die Leitung des Männergesangvereins Concordia. Schon 1869 legte er sein Bonner Amt nieder, unterrichtete und dirigierte aber weiter, vor allem aber komponierte er: 117 Opera sind gezählt, drei Viertel davon Chormusik. Gestorben ist Brambach 1902. Sein Werk ist aber weitgehend vergessen Aus diesem Vergessen möchte die vorliegende opulente Doppel-CD des Labels cpo/Deutschlandfunk Brambachs Musik holen, und zwar prononciert nicht mit Chormusik, sondern mit Kammermusik, mit Werken aus allen Schaffensepochen, von der ersten, dem Klaviersextett op. 5, bis zur letzten, dem dritten Klavierquartett op. 110.

Vielschichtige Musik – energisch und elegisch

Und wie klingt nun Brambachs Musik? Sie klingt bunt, energieprall und klangvoll. Der Schriftsteller und Musikredakteur Marcus Imbsweiler beschriebt sie im sehr kundigen zweisprachigen Booklet sehr differenziert und weist auch auf das Urteil der Zeitgenossen hin: Diese attestieren dieser Musik Gediegenheit der Arbeit und handwerklich tadellose Güte – aber die thematischen Einfälle würden nicht überzeugen. Imbsweiler schreibt einmal über die thematische Verarbeitung im Kopfsatz des a-Moll-Klavierquartetts, der Fokus liege nicht auf den Überraschungen, sondern „auf dem ständigen Wechsel der Rollen, Klangdichte und Intensität.“ Die Musik rauscht in den Ecksätzen immer volltönend dahin, man spürt die Energie, aber oft nur diese. Dafür überraschen und erfreuen oft die langsamen Sätze: das schwärmend singende Andante des Klaviersextetts (CD 1, Track 3), das Andante aus dem Klavierquartett op. 43 (CD 2, Track 2), das traulich fließende Variationen eines wiegenliedartigen Themas samt einem schmerzlich-dramatischen Moll-Mittelteil bietet, vor allem aber das Adagio des Klavierquartetts op. 13 (CD 1, Track 6): Das Klavier stellt das feierliche Thema vor, das dann die Streicher anstimmen, worauf heitere, ja „witzige“ (so das Booklet) Variationen folgen, die das Verdikt der thematischen Einfallslosigkeit hier verneinen.

Schwelgerische Streicher und antreibendes Klavier

Die Streicher sind alles Mitglieder des Frankfurter Opern- und Museumsorchesters. Alle sechs Musiker (die als Ensemble keinen Namen haben) stürzen sich vehement und temperamentvoll in diese ihnen bis dahin wohl auch unbekannte Musik, spielen mit viel Herzblut und glühender Intensität und verleihen damit dieser Musik viel Bedeutsamkeit. Dabei hat man den Eindruck, dass das Klavierspiel von Ernst Breidenbach immer die Rolle eines Antreiber übernimmt, so im „Perpetuum-mobile-artigen“-Finale (so das Booklet) von op. 43 (CD 1, Track 7)). Aber gerade das schwelgerische Spiel der Streicher unterstreicht die Brahms-Nähe der Musik von Brambach. Doch die ist immerhin so gut, dass sie im Konzertsaal durchaus einen Platz haben könnte.

Die Aufnahmen im Kammermusiksaal Köln des Deutschlandfunks ermöglichen ein sehr transparentes und trennscharfes Hörbild, das alle Instrumente gleichwertig zur Geltung kommen lässt. Man hat das Gefühl, sehr nahe an bzw. vor den Instrumenten zu sitzen, so nahe, dass man bisweilen Tonproduktionsgeräusche hört.

Rainer W. Janka [26.02.2026]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Caspar Joseph Brambach
1Klaviersextett c-Moll op. 5 00:29:27
5Klavierquartett Es-Dur op. 13 00:40:25
CD/SACD 2
1Klavierquartett a-Moll op. 43 00:37:15
5Klavierquartett g-Moll op. 110 00:35:46

Interpreten der Einspielung

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