Songs & Tales
Volkslieder
Vocoder Ensemble
Rondeau ROP6278
1 CD • 60min • 2025
03.02.2026
Künstlerische Qualität:![]()
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Gesamteindruck:![]()
Sie kommen von der Musikhochschule Hamburg und geben ein stimmiges Plädoyer für das internationale Volkslied: Das Gesangssextett „Vocoder Ensemble“. Witziger- und liebenswürdigerweise stimmen sie gleich zu Beginn dieser CD mit dem Titel „Songs & Tales“ ein Loblied an auf ihre Stadt „Hamburch“ mit deutlichem „ch“. Da schwärmen sie auf Melodien von Johannes Brahms von der Stadt am Meer, ihrem Sehnsuchtsort, „wo Alster und Elbe sich küssen“. Und schon sind wir mittendrin in der Diskussion, was ein Volkslied ist: Sind es nur die Lieder aus dem „Volksmund“ oder auch die, die zu Volksliedern geworden sind? Ist Die Forelle von Schubert, ein Kunstlied also, ein Volkslied? Gehören die vierzehn Englein aus Abends will ich schlafen gehen von Engelbert Humperdinck aus seiner Oper Hänsel und Gretel zum Volkslied? Oder nur Es waren zwei Königskinder? „Volkslieder sind international“, konstatiert das Booklet, und so singen die Sechs Volkslieder aus Georgien, Finnland und England. Ob Finlandia ein Volkslied ist oder eine Hymne, darüber könnte man streiten. Darüber, dass die Georgier und die Engländer leidenschaftlich gerne singen, nicht.
Leichter Popgesang-Stil
Gar nicht streiten kann man über die hervorragenden Arrangements, meist von Henning Wölk, dem zweiten Bariton. Die hüllen die Lieder in ein manchmal leicht jazziges oder Barber-Shop-mäßiges Gewand, jedenfalls immer überraschend und in Strophenliedern immer wieder neu ausgedacht. Bassgesättigte Harmonien sind es, die blitzsauber intoniert und ausgehorcht sind. Glockenklar und schlackenlos rein sind alle Stimmen, die Soprane mädchenhaft, die Bässe tiefsamten. Streiten kann man aber – das ist auch mein einziger gesanglicher Einwand – über die Manier der Soprane, manche Lieder in leichtem Popgesang-Stil zu singen, also mit Glottis-Schlag samt kleinem Anschleifen der Anfangsnoten und ziemlich offenem Vokalklang. Das erinnert manchmal an gute Schulchöre, die Volkslieder singen, wo sie doch lieber Popsongs sängen. Aber das mag auch ein geschmackliches Argument sein: bei den englischen Songs passt es.
Herzzerreißend und frühlingssehnsüchtig
Herzzerreißend und klangsatt ist so das Abschiedslied Ae Fond Kiss (Track 7) auf einen Text von Robert Burns, wohlig eingehüllt in ein warmklingendes harmonisches Federbett mit leicht angeschrägten Falten, berühmt als schottisches Abschiedslied ist The Parting Glass (Track 17) von Robert Burns und frühlingssehnsüchtig ist das irische Lied The Flower of Maherally (Track 8). Dass die Engländer, Schotten und Iren viel singfreudiger und -mächtiger sind als die Deutschen, merkt man nicht nur bei den Fußballspielen. Warum den Deutschen ihre Volkslieder fast schon verdächtig sind, erklärt das Booklet in aller Kürze: Auch Theodor W. Adorno sei daran schuld… So, wie das Vocoder Ensemble Dat du min Leevsten büst singt, ist dies eigentlich die Widerlegung dieser Theorie, so zärtlich und mit stimmungsvollen Gitarrenklängen im Arrangement gesungen.
Die vier georgischen Volkslieder (Tracks 9-12) sind, der georgischen Tradition folgend, dreistimmig gehalten. Aber auch „nur“ dreistimmig könnten/dürften sie ruhig leidenschaftlicher gesungen sein, wie ich sie einmal von einem georgischen Chor gehört habe. Immerhin wurde der georgische Gesang in die erste UNESCO-Liste der „Meisterwerke des mündlichen und immateriellen Erbes der Menschheit“ aufgenommen und Alan Lomax, einer der bedeutendsten Folklore-Forscher, bezeichnete Georgien als „the capital of the world‘s folk music.“
Die Tonregie hat sehr gute Arbeit geleistet: Der Raumklang ist schön eingefangen, die Einzelstimmen sind gut getrennt einzeln hörbar und doch im Vollklang gehalten.
Rainer W. Janka [03.02.2026]
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Komponisten und Werke der Einspielung
| Tr. | Komponist/Werk | hh:mm:ss |
|---|---|---|
| CD/SACD 1 | ||
| Johannes Brahms | ||
| 1 | Brahms-Medley (arr.: Henning Wölk) | 00:04:10 |
| trad. | ||
| 2 | Die Gedanken sind frei (arr.: Henning Wölk) | 00:05:17 |
| 3 | Ein Jäger längs dem Weiher ging (arr.: Henning Wölk) | 00:03:30 |
| Franz Schubert | ||
| 4 | Die Forelle (arr.: Jonas Vogler) | 00:02:22 |
| trad. | ||
| 5 | Wach auf, meins Herzens Schöne (arr.: Henning Wölk) | 00:05:05 |
| 6 | Die Königskinder (dt. Volkslied) | 00:04:20 |
| Robert Burns | ||
| 7 | Ae Fond Kiss (arr.: Henning Wölk) | 00:03:20 |
| trad. | ||
| 8 | The Flower of Maherally (arr.: Henning Wölk) | 00:03:55 |
| 9 | Lazuri Perkhuli (georgisch) | 00:02:01 |
| 10 | Batonebo (georgisch) | 00:03:36 |
| 11 | Heyamoli (georgisch) | 00:03:43 |
| 12 | Gandagana (georgisch) | 00:01:35 |
| Jean Sibelius | ||
| 13 | Finlandia-Hymni (arr.: Henning Wölk) | 00:04:46 |
| trad. | ||
| 14 | Thou Little Tiny Child (Thou Little Tiny Child; arr.: Stephen Conolly) | 00:02:57 |
| 15 | Dat du min Leevsten büst (Thou Little Tiny Child; arr.: Nicolas Rahf) | 00:03:56 |
| Engelbert Humperdinck | ||
| 16 | Abends will ich schlafen gehen (arr.: Henning Wölk) | 00:01:56 |
| trad. | ||
| 17 | The Parting Glass (arr.: Desmond Earley) | 00:03:20 |
Interpreten der Einspielung
- Vocoder Ensemble (Gesangsensemble)

