Der polnisch-amerikanische Pianist und Komponist Leopold Godowsky verblüfft nicht nur als Wunderkind, sondern in gleichem Maße auch als frühreifer Künstler, der bereits im jugendlichen Alter auf Konzerttournee in Ausland ging. Geboren wurde er am 13. Februar 1870 in Žasliai bei Wilna in Litauen. Sein außergewöhnliches musikalisches Talent zeigte sich bereits im Alter von drei Jahren. Mit sieben Jahren verfasste er seine ersten Kompositionen, mit neun Jahren trat er in Wilna erstmals öffentlich als Pianist auf. 1883, mit 13 Jahren, wurde er an der Akademischen Hochschule für Musik in Berlin aufgenommen, er brach das Studium aber bereits 1884 wieder ab, da sein Lehrer Ernst Rudorff Frédéric Chopin nicht die ihm seiner Meinung nach gebührende Wertschätzung entgegenbrachte. Stattdessen schloss er sich einer Konzertgesellschaft an, mit der er zwei Jahre lang in den USA sowie in Kanada unterwegs war. 1886 kehrte er nach Europa zurück, um bei Franz Liszt zu studieren, der aber bei seiner Rückkunft bereits verstorben war. 1887 wurde er Camille Saint-Saëns vorgestellt, der ihn daraufhin weiter unterrichten wollte. So verbrachte Godowsky seine Zeit bis zum Sommer 1890 in Paris. Da Saint-Saëns jedoch viel unterwegs war, kam Godowsky nur sporadisch in den Genuss, Unterricht von Saint-Saëns zu erhalten. Im Herbst 1890 reiste Godowsky wieder nach New York, heiratete dort am 30. April 1891 Frieda Saxe und erlangte die amerikanische Staatsbürgerschaft. Aufgrund seiner sehr erfolgreichen Konzerttätigkeit erhielt er eine Anstellung am Konservatorium in Philadelphia, ab 1895 leitete er die Klavierabteilung des Konservatoriums in Chicago. Godowsky strebte jedoch eine Karriere in Europa an. Nach seinem erfolgreichen Debüt in Berlin am 6. Dezember 1900 ließ er sich zunächst dort nieder, 1909 ging er dann nach Wien als Nachfolger Ferruccio Busonis und Emil Sauers als Direktor der Klavierabteilung der k.k. Akademie für Musik und darstellende Kunst. Dort blieb er bis zum Ausbruch des Ersten Weltkriegs, unterbrochen von mehreren Konzertreisen in den Vereinigten Staaten. Unter Zurücklassung einer umfangreichen musikalischen Bibliothek und zahlreicher Erinnerungsstücke blieb Godowsky bis zum Ende seines Lebens in den USA. 1922 gab er dort sein letztes Konzert, auswärts unternahm er jedoch weitere Tourneen durch Zentral- und Südamerika, nach Konstantinopel und im fernen Osten bis nach Java. Bei Aufnahmen im Tonstudio in London erlitt Godowsky 1930 einen Schlaganfall. Davon erholte er sich zwar wieder, doch nach dem Selbstmord seines Sohnes Gordon im Dezember 1932 und dem Tod seiner Frau 1933 trat Godowsky nicht mehr öffentlich auf. Die letzten Jahre verbrachte Leopold Godowsky in einer Wohnung in New York bei seiner Tochter Dagmar. Er starb am 21. November 1938 an den Folgen eines schweren Magenleidens. Als Komponist hat Godowsky fast ausschließlich Werke für Klavier verfasst. Sein pianistisches Wirken ist in über 200 Klavierrollen sowie in Schallplattenaufnahmen aus den Jahren 1907 bis 1930 dokumentiert.
»Leopold Godowsky: Biographie und Einspielungen«
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