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CD-Besprechung

Telemann
Festive Cantatas

Telemann<br />Festive Cantatas

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 7

Klangqualität:
Klangqualität: 8

Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 7

Besprechung: 10.02.15

hänssler CLASSIC 98.047

1 CD • 58min • 2014

Sorau in der Niederlausitz (heute Żary in der polnischen Woiwodschaft Lebus) war Telemanns erste Arbeitsstelle, er war Kapellmeister des Reichsgrafen Promnitz an dessen dortigem Hof. Obwohl seines Bleibens in Sorau nur ein Jahr war, blieb man dem Schaffen des ehemaligen Hofmusikers eng verbunden, so finden sich in der Musikaliensammlung der ehemaligen Kirche U. L. Frauen (in Żary ist die Kirche katholisch geworden und trägt den Namen des Allerheiligsten Herzen Jesu) 128 Drucke und Abschriften von Kantaten aus den Jahren 1714, als Telemann in Frankfurt tätig war, bis 1748/49 aus dem so genannten Engel-Jahrgang, der in Hamburg entstanden ist und dem die auf dieser CD eingespielten Festkantaten entstammen. Bereits 2010 hat Ulrich Stötzel mit dem Collegium vocale Siegen, der Hannoverschen Hofkapelle und einer anderen Solistenbesetzung eine erste CD mit Kantaten aus der Feder Georg Philipp Telemanns eingespielt; diese Veröffentlichung war Kompositionen der Jahre 1716/17 und 1720, also aus den Frankfurter Jahren des Komponisten gewidmet und wurde nach ihrem Erscheinen ebenfalls von mir besprochen.

Schon die Kantaten der Frankfurter Zeit hatten unter dem Einfluss von Erdmann Neumeister (1671-1756) gestanden, der als Textdichter einen neuen Kantatentyp begründet hatte: Vom weltlichen Musikdrama der Oper hatte er Rezitativ und Arie in die geistliche Musik überführt und so eine Form dramatischer geistlicher Musik geschaffen, die auch den Rahmen vieler Kantaten bei J. S. Bach bildete. Telemann und Neumeister kannten sich von Sorauer Zeiten her (Neumeister war dort Oberhofprediger und Superintendent), und als Telemann 1721 in Hamburg seinen Dienst als Director Musices und Cantor Johannei antrat, wirkte Neumeister bereits im sechsten Jahr als Hauptpastor der dortigen Jakobikirche. Die auf dieser CD versammelten drei Kantaten folgen sämtlich dem Schema der Neumeister-Kantate: Ein Chorsatz (ein Bibelwort oder ein Choral) eröffnet das Werk und bildet durch seine Wiederholung am Schluss einen Rahmen, der sich um zwei Arien mit einem Rezitativ in der Mitte spannt – Arien und Rezitativ sind freie geistliche Dichtung.

Stand schon bei Ulrich Stötzels CD mit Telemanns Kantaten aus der Frankfurter Zeit die Verwendung eines größer besetzten Vokalensembles anstelle einer solistischen Chorbesetzung in der Kritik, so gilt dieser Einwand fast noch mehr für die subtilen Werke dieser CD. Den Forschungen zufolge, die Jürgen Neubacher in seinem Buch Georg Philipp Telemanns Hamburger Kirchenmusik und ihre Aufführungsbedingungen (1721-1767) niedergelegt hat, ist auch ein mit vier bis fünf Vokalisten pro Stimme für heutige Verhältnisse klein besetzter Chor für Telemanns Hamburger Zeit praktisch auszuschließen – die Solobesetzung war die Regel, lediglich für größere Aufführungen repräsentativer Werke wurden gelegentlich Ripienisten herangezogen. Ein flächiger Chorklang, wie er hier vom Collegium vocale Siegen dargeboten wird, hat jedenfalls mit Sicherheit nicht in der Intention des Komponisten gelegen, zumal auch das Temperament in den Chorsätzen fühlbar matter wird, was werkimmanent nicht zu begründen ist. Schade, dass der offensichtlich als unverzichtbar empfundene Einsatz des Collegium vocale Siegen zu diesem Stilbruch führt, denn die homogene Solistenbesetzung dieser Produktion wäre für eine reine Solobesetzung für die Chöre nur noch um einen Tenor zu ergänzen gewesen; das mindert den Gesamteindruck dieser im übrigen sehr schönen Produktion erheblich.

Vorzüglich sind die Solisten: Klaus Mertens besticht mit untrüglicher Stilsicherheit, die Sopranistin Miriam Feuersinger kommt mit einer Arie in der ersten Kantate zum Einsatz: Sie meistert ihren Part mit Ernst, Tonschönheit und stimmlicher Geläufigkeit. Der Solist der dritten Kantate ist der Countertenor Franz Vitzthum, er gestaltet mit seiner Arie „Wer bin ich und was ist mein Herz“ tiefgründig und innig den emotionalen Höhepunkt dieser CD.

Detmar Huchting [10.02.2015]

Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.KomponistWerkhh:mm:ss
1 G.Ph. Telemann Der Herr lebet TWV 1:284 (Kantate zum 1. Ostertag) 00:17:29
6 Ehr und Dank sey Dir gesungen TWV 1:413 (Kantate zum Michaelisfest) 00:18:33
11 Der Geist giebt Zeugnis TWV 1:243 (Kantate zum 1. Pfingsttag) 00:21:42

Interpreten der Einspielung

Interpret(en)Besetzung
Miriam Feuersinger Sopran
Franz Vitzthum Countertenor
Klaus Mertens Bariton
Collegium vocale Siegen Chor
Hannoversche Hofkapelle Ensemble
Ulrich Stötzel Dirigent
 
98.047;4010276027539

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