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CD-Besprechung

Jacques-Martin Hotteterre Complete Chamber Music Vol. 1 Suites op. 2

Jacques-Martin Hotteterre<br />Complete Chamber Music Vol. 1<br />Suites op. 2

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 5

Klangqualität:
Klangqualität: 8

Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 5

Besprechung: 27.05.14

cpo 777 790-2

1 CD • 75min • 2011

Das Schaffen Jacques-Martin Hotteterres (1674–1763) ist heute wohl nur ausgesprochenen Barockkennern bekannt. In die Musikgeschichte ist er vor allem als Autor des bedeutenden Flötenschulwerks Principes de la Flûte und als „Erfinder“ der hochbarocken Traversflöte eingegangen, die kurz nach der Wende zum 18. Jahrhundert ihren Siegeszug durch ganz Europa antreten sollte. Als Spross einer Dynastie von Musikern war er selbst einer der bekanntesten Virtuosen auf diesem Instrument und stand in Diensten Ludwigs XIV. Sein veröffentlichtes kompositorisches Œuvre ist relativ schmal geblieben, zählt aber mit zum Feinsten und Edelsten, was uns aus Frankreich zu Beginn des 18. Jahrhunderts überliefert ist.

Das hier eingespielte Premier Livre bzw. die Pièces pour la flûte traversiere erschienen als sein op. 2 im Jahr 1708 und einige Jahre später erneut in einem Neustich in Paris.

Hotteterre selbst erwähnt in seinem Vorwort die Möglichkeit, die Stücke neben der Traversflöte (für die sie in erster Linie gedacht waren) auch auf anderen Melodieinstrumenten wie Blockflöte, Oboe, Violine und sogar solistisch auf einem Cembalo zu spielen.

Camerata Köln legt nun eine Aufnahme der fünf Suiten in verschiedenen (teils auch gemischten) Besetzungen vor. Was von der Idee her gut gedacht (und grundsätzlich durchaus im Sinne des Komponisten) war, erweist sich in der Realisation des Ensembles als nicht sehr glücklich. Am überzeugendsten ist Karl Kaisers Traversospiel, stets mit gutem Timing, dem rechten Maß an Inégalité und adäquaten Tempi. Hier und da hätte ich mehr Flexibilität und Variationsbreite bei der Gestaltung der Triller gewünscht. Eher enttäuschend hingegen Michael Schneider auf der flûte à bec. Seine meist manirierten flattements (eine spezifische Tonbebung in der französischen Barockmusik, eine Art Fingervibrato) haben mit dem Ursprung des Wortes flatter (frz. für schmeicheln) nur wenig gemein, seine Tremblements (Triller) wirken oft zu schnell und dem Affekt der Sätze nicht angemessen. Überhaupt fehlt es seinem Spiel an jener für Hotteterres Musik so charakteristischen Sinnlichkeit. Wie wunderbar man Hotteterre auf der Blockflöte spielen kann, demonstriert etwa Michael Forms exzellente Einspielung (La Flûte du Roy, edition raumklang, RK 2007). Für einen regelrechten Fehlgriff halte ich die Interpretation der Troisième Suite (vielleicht der schönsten der Sammlung) auf der Gambe. Schon allein die Allemande kommt überaus behäbig daher und lässt nichts von der glänzenden Cascade erahnen, auf die Hotteterre im Satztitel anspielt. Die Sarabande gerät sehr romantisierend, die Triller indiskutabel in ihrer (stets zu schnellen) Uniformität, der Continuo-Bass mulmt vor sich hin. Die Fünfte Suite erklingt in der Fassung für Cembalo solo. Hier fallen etliche Abweichungen von Hotteterres obligaten Verzierungen und – formulieren wir es positiv – sehr eigenwillige Registrierungen auf. Wenigstens in der das Programm beschließenden Zweiten Suite kann man erahnen, welches Potential in dieser Produktion gesteckt hätte: schöne „Instrumentationseffekte“ etwa mit Oktavdoppelungen in der Blockflöte. Weshalb sich Rainer Zipperling allerdings in der Sarabande über Hotteterres explizite Angabe, die Achtel inégal zu spielen hinwegsetzt, bleibt mir ein Rätsel.

Insgesamt eine vertane Chance – so viel Unausgegorenes, Spekulatives und aufführungspraktisch schlicht Falsches sollte einem Ensemble vom Ruf eines Concerto Köln wirklich nicht passieren. Damit nicht genug: Das inhaltlich eigentlich exzellente Beiheft enthält zahlreiche orthographische und grammatikalische Fehler, und die im Booklet angegebene Reihenfolge der Stücke entspricht nicht dem tatsächlichen Verlauf.

Hotteterres op. 2 liegt in zahlreichen überzeugenderen Aufnahmen vor. Man kann nur hoffen, dass der geplante Vol. 2 der Suiten in jeder Hinsicht durchdachter und sorgfältiger ausfallen wird.

Heinz Braun [27.05.2014]

Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.KomponistWerkhh:mm:ss
1 J.-M. Hotteterre Suite D-Dur op. 2 Nr. 1 für Traversflöte und Basso continuo (aus: Premier livre, 1708) 00:18:05
8 Suite g-Moll op. 2 Nr. 4 für Traversflöte und Basso continuo (aus: Premier livre, 1708) 00:16:54
15 Suite D-Dur op. 2 Nr. 3 für Traversflöte und Basso continuo (aus: Premier livre, 1708) 00:18:27
22 Suite e-Moll op. 2 Nr. 5 für Traversflöte und Basso continuo (aus: Premier livre, 1708) 00:08:53
27 Suite G-Dur op. 2 Nr. 2 für Traversflöte und Basso continuo (aus: Premier livre, 1708) 00:12:31

Interpreten der Einspielung

Interpret(en)Besetzung
Camerata Köln Ensemble
 
777 790-2;0761203779024

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