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CD-Besprechung

Richard Strauss: Die schweigsame Frau op. 80 (komische Oper in drei Aufzügen - Frei nach Ben Jonson von Stefan Zweig)

cpo 3 CD 777 757-2

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 8

Klangqualität:
Klangqualität: 8

Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 8

Besprechung: 23.04.13

cpo 777 757-2

3 CD • 2h 33min • 2012

Richard Strauss wollte wohl noch einmal an den leichten Komödienton der Ariadne auf Naxos anknüpfen, als er Die schweigsame Frau in Angriff nahm. Nach dem plötzlichen Tode seines kongenialen Partners Hugo von Hofmannsthal glaubte er in Stefan Zweig einen gleichwertigen literarischen Ersatz gefunden zu haben, doch die hoffnungsvoll begonnene Zusammenarbeit wurde durch die Hitler-Diktatur in den Anfängen erstickt. Zweig musste emigrieren, und weil Strauss darauf bestand, seinen Namen auf den Plakaten zu nennen, wurde die Oper nach der erfolgreichen Uraufführung an der Dresdner Semperoper (1935) von den Nazis verboten. Nach dem Kriege gab es einige vielbeachtete Einstudierungen in Salzburg, Wien und München, aber ein echtes Repertoirestück ist Die schweigsame Frau nie geworden. Das liegt an dramaturgischen Mängeln (einer gewissen Weitschweifigkeit), aber wohl auch daran, dass die Musik über weite Strecken mehr von handwerklicher Könnerschaft als von wirklicher Inspiration zeugt und schon zum Zeitpunkt ihrer Premiere etwas anachronistisch war. Auf der Höhe seiner Kunst zeigt sich Strauss im Liebesduett am Ende des 2. Aktes, aber überwiegend behilft er sich mit einem kantablen Parlando, das dem Konversationsstil von Intermezzo und Capriccio nahekommt. Die Handlung der Oper erinnert an Donizettis Don Pasquale, geht aber auf eine Komödie von Ben Jonson zurück, zu dem Zweig eine besondere Beziehung hatte. Der lärmempfindliche alte Seebär Sir Morosus will eine junge Frau heiraten und seinen Neffen enterben, weil dieser unter die Komödianten gegangen ist. Doch der inszeniert mithilfe seiner Kollegen und zuvörderst seiner Frau Aminta einen großen Heiratsmummenschanz. Die sanfte Timidia entpuppt sich nach der Eheschließung als eine wahre Xantippe und Morosus ist am Ende froh, dass er sie wieder los ist und alles nur ein Spiel war.

Das lässt sich mit ein bisschen Phantasie ganz hübsch inszenieren. Und die Aufführung in Chemnitz im vergangenen Jahr war – nach den mir vorliegenden Presseberichten – ein uneingeschränkter Publikumserfolg, was zu einem guten Teil auch einer werkgerechten Regie (Gerd Heinz) zuzuschreiben war. Doch auch die unter Studio-Bedingungen, also ohne Publikum, im Theater produzierte Audio-Version, die cpo jetzt vorlegt, macht den Erfolg verständlich; sie kann sich neben den wenigen, aber durchweg prominent besetzten Mitschnitten und Studio-Aufnahmen gut behaupten. Natürlich hat Marek Janowskis EMI-Produktion von 1977 noch immer Referenzcharakter, da sie das Stück ungekürzt wiedergibt, doch kommen die in Chemnitz vorgenommenen Striche der dramatischen Dichte des musikalischen Ablaufs durchaus zugute. Mit der dortigen Robert-Schumann-Philharmonie lässt sich wahrlich Staat machen, und die Leichtfüßigkeit – verbunden mit klanglicher Transparenz und Sorgfalt in den Details –, mit der GMD Frank Beermann diese Strauss-Partitur „serviert“, sorgt für ein ungetrübtes Hörvergnügen, das Einwände gegen das Stück beinahe gegenstandslos macht.

Auch die Sängerbesetzung läßt keine Wünsche offen. Franz Hawlata ist in der Partie des lärmempfindlichen Sir Morosus weit überzeugender als bei seinen diversen Ausflügen ins Heldenbariton-Fach. Er gibt der Rolle mit geschmeidigem Bass, der auch in den tiefsten Regionen nicht kneifen muß, die notwendige Würde, verkauft sie nie an billige Buffo-Effekte. Julia Bauer in der Titelrolle der Aminta/Timidia verbindet darstellerischen Biß mit lyrischer Wärme und wartet mit einigen berückenden Piani auf. Auch Bernhard Berchtold als Henry Morosus, längst mehr als nur ein Geheimtipp im lyrischen Tenorfach, kann sich auf jeder großen Bühne hören lassen. Mit schlankem und hellem Spielbariton ist Andreas Kindschuh eine stimmige Besetzung des Barbiers, der hier zugleich eine Art Spielmacher ist. Aus der Gruppe der Komödianten ragt die virtuose Koloratursopranistin Guibee Yang als Isotta heraus.

Ekkehard Pluta [23.04.2013]

Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.KomponistWerkhh:mm:ss
1 R. Strauss Die schweigsame Frau op. 80 (komische Oper in drei Aufzügen - Frei nach Ben Jonson von Stefan Zweig)

Interpreten der Einspielung

Interpret(en)Besetzung
Franz Hawlata Sir Morosus - Baß
Monika Straube Theodosia Zimmerlein, Haushälterin - Alt
Andreas Kindschuh Der Barbier Schneidebart - Bariton
Bernhard Berchtold Henry, Neffe des Sir Morosus - Tenor
Julia Bauer Aminta - Sopran
Guibee Yang Isotta - Sopran
Tiina Penttinen Carlotta - Mezzosopran
Matthias Winter Morbio - Bariton
Chor der Oper Chemnitz Chor
Robert-Schumann-Philharmonie Chemnitz Orchester
Frank Beermann Dirigent
 
777 757-2;0761203775729

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