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CD-Besprechung

cpo 777 747-2

2 CD • 1h 43min • 2010

10.07.2012

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 8
Klangqualität:
Klangqualität: 8
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 9

Zum dritten Mal hat sich die Staatsoperette Dresden ein unbekanntes Werk von Johann Strauß Sohn vorgenommen und diesmal dabei einen Volltreffer gelandet. Prinz Methusalem, ursprünglich für Paris komponiert, dann aber 1877 im Wiener Carl-Theater uraufgeführt, ist eine der inspiriertesten und abwechslungsreichsten Operetten-Partituren des Walzerkönigs, hatte seinerzeit nicht nur in Wien große Erfolge, sondern auch in Berlin, London, New York und Melbourne. Dass das Stück danach von den Spielplänen verschwand, kann nicht an der Musik gelegen haben, eher an dem dramaturgisch unglücklichen, in Nebenhandlungen zu weit ausufernden Libretto, das der Wiener Schauspieler und Intendant des Carl-Theaters Carl Treumann nach dem Pariser Original angefertigt und für den Wiener Gebrauch umgestaltet hatte.

Der satirische Plot ist überaus reizvoll: zwei Diktatoren von verschuldeten Zwergstaaten wollen ihre offenen Konflikte durch die Heirat ihrer Kinder Methusalem und Pulcinella begraben. Die sind zunächst gar nicht willens, sich für politische Zwecke verschachern zu lassen, doch dann verlieben sie sich auf den ersten Blick ineinander. Damit könnte das Happy End schon im ersten Akt perfekt sein. Doch König Sigismund von Trocadero will König Cyprian von Rikarak übers Ohr hauen und sein Land annektieren. Aber er kann die Revolte im eigenen Land nicht mehr kontrollieren. Am Ende können dann doch alle zufrieden sein. Prinz Methusalem und seine Pulcinella wollen sich aus der Politik in die ländliche Idylle zurückziehen, Sigismund übernimmt die Herrschaft in Rikarak, Cyprian im Gegenzug die in Trocadero.

Der Einfluß der Operette Jacques Offenbachs, dessen Stern nach dem Deutsch-Französischen Krieg am Verlöschen war, ist im Text wie in der Musik unübersehbar. Doch Johann Strauß war ein ausgereifter Meister, als er Prinz Methusalem komponierte, und deshalb gelang es ihm, die vielen fremden Einflüsse seinem eigenen Stil einzuverleiben. Der Reiz dieser Operette liegt gerade in der gelungenen Mixtur aus französischem Esprit und Wiener Walzerseligkeit. An Offenbach erinnern die zahlreichen Couplets und einige aberwitzige Ensembles, etwa das Verschwörer-Quintett im 2. Akt. Das „Piff, paff, puff“-Ensemble, dessen Musik schon in der Ouvertüre auftaucht und mehrmals wiederkehrt - übrigens ein echter Ohrwurm - läßt an die Großherzogin von Gerolstein denken.

Als Gegengewicht zur Staatssatire ist die Liebesgeschichte von Methusalem und Pulcinella angelegt, die an Büchners Leonce und Lena denken läßt und musikalisch in drei schmelzenden Duetten voll romantischen Gefühls ausgebreitet wird. Aber auch hier ist Witz und Ironie im Spiel. Das Duett des 2. Aktes, „Holde Nacht verweile“, ein musikalischer Höhepunkt, parodiert die Balkonszene aus Shakespeares Romeo und Julia („Es war die Nachtigall und nicht die Lerche“).

Für Dresden hat der prominente Berliner Kabarett-Autor Peter Ensikat („Die Distel“) den Text mit Feingefühl und Eleganz bearbeitet und diskret aktualisiert, vor allem aber hat er das Stück dramaturgisch entwirrt und die riesige Personnage von 35 Personen auf ein Drittel reduziert. Das kommt der Schlüssigkeit des Ablaufs sehr zugute und macht mit seinen knappen Dialogen auch beim Hören der CDs ungemeinen Spaß. Ernst Theis läßt das Orchester der Staatsoperette locker und beschwingt, aber auch rhythmisch pointiert und in den Details präzise aufspielen. Es gibt keine tote Minute in dieser Aufnahme und alle Sänger, angeführt von der Mezzosopranistin Jana Frey (Methusalem) und der Sopranistin Jessica Glatte (Pulcinella), sind mit Freude und Spielwitz bei der Sache.

[10.07.2012]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Johann Strauß (Sohn)
1Prinz Methusalem (Komische Operette in drei Akten. Libretto von Carl Treutmann, 1877)

Interpreten der Einspielung

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