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CD-Besprechung

Hommage à Schumann

Thorofon CTH 2576

1 CD • 79min • 2010

06.09.2011

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 5
Klangqualität:
Klangqualität: 5
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 5

„Sieben Schumann'sche Stimmungsbilder mit Vor- und Nachspiel" nennt Franz Vorraber diese CD und tritt dabei generös mit seiner diskographischen Vergangenheit in Kontakt: hat er doch, ebenfalls bei Thorofon, bereits das gesamte Klavierwerk Schumanns eingespielt. Neben dem großen Robert treten noch andere Komponisten in (Rand-)Erscheinung: Schubert, Debussy und Brahms sind mit kurzen Beiträgen vertreten, auch Vorraber selbst steuert zwei eigene Werke bei. Eine ziemlich eigenwillig zusammengestellte CD also, was sich übrigens genauso auf die dafür notwendige Aufnahmearbeit bezieht, denn von den 78 Minuten Spielzeit wurden gerade mal 27 neu eingespielt. Auch wenn Vorrabers Kombinations-Idee hübsch ist: solch offensiver Zweitverwertung bereits vorhandenen Schumann-Materials haftet ein gewisses Kalkül an, das nicht gerade Beifall verdient.

Wie interpretiert nun aber Franz Vorraber die Musik Robert Schumanns, zu der es ihn offenbar so stark hinzieht? Ich muss gestehen, dass eine Antwort auf diese Frage schwerfällt, denn der Österreicher hält sich mit großer Hartnäckigkeit in den Extrembereichen gestalterischer Möglichkeiten auf. Viel stärker als eine ausbalancierte Klang- und Formtotale reizen ihn Schumanns neurotische Konzentration, sein beunruhigendes Spiel mit dem Unvorhersehbaren und sein Unterminieren der gesicherten Erkenntnisse klassischer Vorgänger. Diese Ästhetik der Verschiebung, ja sogar des Zerfalls, ist zweifellos eine wichtige Komponente hochkarätiger Schumann-Interpretation, doch beileibe nicht die einzige. Gerade die komplexeren Werke lösen sich auf in gewiss interessante, aber letztlich leblose Bruchstücke, wenn der Pianist vergisst, dass sich den einzelnen Pinselstrichen ein großes Ganzes ergeben muss. Nehmen wir zum Beispiel das wohl bizarrste Stück dieser CD: die letzte der Novelletten op. 21, die den Versuch unternimmt, in ihrem additiven Aufbau unvereinbare Gegensätze miteinander zu versöhnen. Vorraber verzerrt hier den kapriziösen Charakter des ersten Trios, die Wandlung von „Hell und lustig" zu „Einfach und gesangvoll" im zweiten sowie den im Volkstanz verwurzelten Schwung des Schlussteils so stark, dass all diese Teile weniger schlüssig wirken als der süchtig machende rhythmische Drive des Beginns – womit das Werk unausgewogen erscheint, was es aber nicht ist. Ähnlich diffus empfinde ich den ersten Teil der C-Dur-Fantasie: Vorrabers profunde klanglich-manuellen Fähigkeiten in allen Ehren, aber durch sein übertriebenes Gründeln vernebelt er permanent den sich selbst erklärenden Ablauf des Geschehens.

Erfreulicheres gibt es bei den kleineren Werken zu berichten: Des Abends, die Fughette op.126,4 und das Thema der Geistervariationen profitieren von Vorrabers pianistischem Vergrößerungsglas weitaus mehr, ebenso Debussys Clair de lune, der kurze Schubert-Walzer oder seine eigenen Werke. Sehr problematisch für mein Empfinden wird es dagegen bei der weit von jeder Stilistik angesiedelten Bach-Invention sowie dem (eigentlich über namenlosen Abgründen schwebenden) Brahms-Intermezzo, das genau wie Schumanns Vogel als Prophet aus dem Gestochere des Anfangs nicht mehr herausfindet. Woran auch die Tontechnik ihren Anteil tragen mag, die Vorrabers alles wollenden Anschlag in ein ziemlich zweidimensionales Klangbild gefasst hat, das den (im Booklet nicht näher definierten) Flügel zeitweise arg abgedroschen erscheinen lässt und noch dazu gerade bei den zartesten Passagen ein buntes Kaleidoskop an Nebengeräuschen aufweist.

Robert Schumann hat einmal geschrieben: „Wir haben einen guten Geschmack, wenn wir zufolge der bestimmten Regeln und genaueren Definitionen, die uns die Ästhetik vorschreibt, solche so anwenden, daß wir in unseren ästhetischen Erzeugnissen die Linie der Schönheit nicht überspringen". Womit man dem sehr nahe kommt, was diese Aufnahme vermissen lässt.

Henri Ducard [06.09.2011]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Franz Schubert
1Walzer F-Dur op. 9 Nr. 32 D 365 00:01:13
Robert Schumann
2Abegg-Variationen op. 1 00:09:10
3Des Abends op. 12 Nr. 1 00:04:56
Claude Debussy
4Clair de lune 00:05:41
Robert Schumann
5Fantasie C-Dur op. 17 00:14:06
6VIII., Sehr lebhaft 00:13:48
Robert Schumann
7Der Vogel als Prophet op. 82 Nr. 7 (Bearb. für Violine und Klavier) 00:03:32
Franz Vorraber
8Gedanken über R.S. 00:03:14
Johann Sebastian Bach
9Invention Nr. 13 a-Moll BWV 784 00:01:09
10IV., Lebhaft 00:02:17
Franz Vorraber
11Choral und Passacaglia 00:10:55
Johannes Brahms
12Intermezzo e flat minor op. 118 No. 6 – Andante, largo e mesto 00:06:01
13Thema Es-Dur (1854) 00:02:37

Interpreten der Einspielung

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