Klassik Heute - Ihr Klassik-Portal im Internet

Über uns | Impressum | Kontakt | Sitemap

Suche

CD-Besprechung

Ermanno Wolf-Ferrari
Complete Wind Concertos

Ermanno Wolf-Ferrari<br />Complete Wind Concertos

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 10

Klangqualität:
Klangqualität: 10

Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 10

Besprechung: 01.10.07

Klassik Heute
Empfehlung

cpo 777 157-2

1 CD • 70min • 2006

Daß die Bläserkonzerte Ermanno Wolf-Ferraris im Musikbetrieb nicht schon längst mit größtem Interesse gepflegt werden, ist kaum zu verstehen; um so weniger, als die Instrumente Oboe, Englischhorn und Fagott ja, wie jeder weiß, kaum mit einem Zuviel an substanzvoller Sololiteratur bedacht worden sind. Man braucht für eine Wertschätzung dieser vor Geist sprühenden und glänzend gearbeiteten Konzerte aber den Raritätenbonus noch nicht einmal anzuführen; jedes dieser Werke übt einen ganz eigenen Reiz aus, der zum Teil damit zu tun hat, daß Wolf-Ferrari zu einem Zeitpunkt höchst elaboriert tonal komponierte, als die Tonalität für manche Kreise schon als überwunden galt. Die drei hier eingespielten Konzerte sind denn auch fröhlich oder lyrisch gestimmt, atmen aber dennoch eine gewisse reminiszierende Melancholie. Noch einmal wird in allen diesen viersätzigen Werken eine eigentlich überkommen scheinende motivische Gestik mit deutlichem Traditionsbezug und dennoch vollkommen lebendig und neu zusammengefügt; die kaum oder höchstens untergründig spürbare Gebrochenheit hat dabei mehr mit Richard Strauss´ romantisch-hermetischem Klassizismus zu tun als mit Strawinskys Neoklassik.

Ein weiterer Umstand, der eigentlich alle hervorragenden Solisten für diese Konzerte einnehmen müßte, ist, daß Wolf-Ferrari es in allen drei Werken mit echter Meisterschaft versteht, das Typische der Instrumente herauszuholen, ohne je in Klischees zu verfallen. Das Oboenkonzert A-Dur op. 15 (1933) führt die Oboe quasi novellistisch spontan durch verschiedene Situationen, die – eine weitere Parallele zum späten Strauss – auch formal klassizistisch, aber gänzlich ohne Musterhaftigkeit angeordnet sind. Wolf-Ferrari kostet die Möglichkeit der Oboe zu lustigen Sprüngen aus, versäumt jedoch nicht, sie des öfteren reizvollst in weiten Kantilenen aussingen zu lassen. Diego Dini Ciacci vermag es sowohl als Solist des Oboenkonzertes als auch des ähnlich feingliedrig gestalteten, des öfteren barockisierenden Englischhornkonzertes A-Dur op. 34 (1947), markig, ja, knackig zu artikulieren, aber dennoch auch überaus tragfähige Gesangsfäden zu spannen.

Im Fagottkonzert op. 16 F-Dur (1933) wird der Solist, entgegen oft gehörter Klischees, als lyrisch, ja verliebt aussingendes Instrument exponiert, eben nicht als Repräsentant eines bukolischen Witzes; tatsächlich stellt Paolo Carlini in den zahlreichen fast hymnischen Passagen eine viel zu selten gehörte Seite seines Instrumentes heraus, eine Art von tief erfülltem Belcanto. Die Begleitung durch das bestens disponierte Orchestra di Padova e del Veneto unter Zsolt Hamar ist hellwach anspringend und gefühlvoll, geradezu perfekt. Der Hörer bekommt das Gefühl vermittelt, daß Solist und Begleitung sich diesen so unbekannten wie wunderbaren Stücken wirklich mit Herz und Seele verschrieben haben.

Dr. Michael B. Weiß [01.10.2007]

Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.KomponistWerkhh:mm:ss
1 E. Wolf Ferrari Idillio-Concertino A-Dur op. 15 für Oboe, Streichorchester und 2 Hörner 00:20:09
5 Suite Concertino op. 16 für Fagott, Streicher und 2 Hörner 00:23:11
9 Concertino op. 34 für Englischhorn, Streicher und 2 Hörner 00:26:09

Interpreten der Einspielung

Interpret(en)Besetzung
Diego Dini-Ciacci Oboe
Paolo Carlini Fagott
Orchestra di Padova e del Veneto Orchester
Zsolt Hamar Dirigent
 
777 157-2;0761203715725

Bestellen bei jpc

 

Das könnte Sie auch interessieren:

 

⇑ nach oben

Entschleunigte Feinfühligkeit, forsche Damenpranke

Edition Stefan Askenase

Noch in den 60er Jahren des vorigen Jahrhunderts konzertierte der aus dem galizischen Lemberg stammende Pianist Stefan Askenase reglemäßig in den europäischen Konzertsälen. Das ältere Publikum hatte den Chopin-Interpreten gleichsam abonniert, bei den Jüngeren und im abgehobenen Kreis des deutschsprachigen Kritikernachwuchses galt der zierliche belgisch-polnische Theodor Pollak- und Emil von Sauer Schüler als Vertreter einer konservativen Handhabe, als ein leibhaftiges Fossil vergangener Chopin-Stilistik.

→ weiter...

Neue CD-Besprechungen

Giacomo Puccini
François Campion
Felix Mendelssohn Bartholdy
Colors
Carlo Graziani

Interpreten heute

  • Armoniosa
  • Stefano Cerrato

Neue CD-Veröffentlichungen

Richard Heuberger
A Lute by Sictus Rauwolf
Visions
Christoph Graupner

CD der Woche

Kenneth Hamilton plays Ronald Stevenson, Volume 1

Kenneth Hamilton plays Ronald Stevenson, Volume 1

Aus dunkler Tiefe steigen schwärzeste Bass-Töne auf, formen eine Tonskala und vereinigen sich mit einer weiteren Stimme zur strengen Fuge. Die ewige ...

Heute im Label-Fokus

Thorofon

... und sie dreht sich doch!
Auf dem Meer der Lust in hellen Flammen
Erich J. Wolff
Pervez Mody plays Scriabin Vol. 5

→ Infos und Highlights

Thema Klavier Solo

Arnold Schönberg<br />Complete Piano Music
Wanderer
Warner Classics 1 CD 2564 61255-2
Ludwig van Beethoven
Igor Levit
Dance Passion

 

Weitere 52 Themen

Klassik Heute Zahl des Tages

Bei Klassik Heute finden Sie

39641

Interpreten
• 242 Kurzbiographien
• 1099 tabellarische Biographien

→ mehr Zahlen und Infos

AGBs Impressum Kontakt Mediadaten Sitemap Datenschutz

© Klassik Heute

jpc