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CD-Besprechung

L.v. Beethoven

OehmsClassics 1 SACD OC 621

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 8

Klangqualität:
Klangqualität: 6

Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 7

Besprechung: 13.04.07

OehmsClassics OC 621

1 SACD • 61min • 2006

Vergleicht man diese Neuproduktion der Eroica mit dem RSO Wien unter seinem Chefdirigenten Bertrand de Billy klanglich mit der vorzüglichen Einspielung der Orchesterwerke von Josef Matthias Hauer (cpo SACD 777 154 2), so glaubt man kaum, daß dafür mit Anton Reininger derselbe Toningenieur verantwortlich ist und die Aufnahme im gleichen Raum, nämlich dem Grossen Sendesaal des ORF, gemacht wurde: Beethoven klingt auch im Mehrkanal-Modus zwar plastisch und durchhörbar, aber zugleich topfig und scharf, außenstimmenbetont und an der Grenze des Erträglichen nach-verhallt. Der Dirigent hat sich hörbar mit der Aufführungspraxis des Werkes auseinandergesetzt, die Artikulation ist recht klar, die Phrasierung im Ganzen sehr beredt, und die Tempi sind angelehnt an Beethovens eigene Metronom-Angaben. Dadurch ist die Musik insgesamt gut im Fluß, der Kopfsatz hat einen schönen, dramatischen Zug.

Vergleicht man die Aufnahme jedoch mit jener der Deutschen Kammerphilharmonie Bremen unter Paavo Järvi (RCA Sony BMG SACD 82876 84518 2), dann wird offenbar, was dieser Wiener Interpretation meinem Eindruck nach fehlt – eine gewisse Finesse und selbstverständliche Leichtigkeit sowie eine genauere Abstufung der Binnen-Details, auch wenn die Tempi fast identisch sind. An vielen Stellen läßt de Billy das Orchester zu sehr auftrumpfen. Man achte beispielsweise darauf, wie zu Beginn des Kopfsatzes bei Järvi (Tr. 1, ab ca. 0’24) und de Billy (Tr. 1, ab 0’28) die Akzente gestaltet sind: Beethoven gibt in T. 23 und 26 der Partitur jeweils forte-piano, dazwischen immer nur sforzato; insgesamt ist die Dynamik immer noch piano; erst in T. 35 folgt das Crescendo zum fortissimo in T. 37. Bei Järvi haben all diese Akzente entsprechende Abstufungen und federn wieder ins piano zurück; bei de Billy sind sie alle gleich laut, und der Eindruck ist der von fortissimo-Akzenten auf einer mezzoforte-Ebene, wobei die Akzente genau so laut sind wie das fortissimo in T. 37. Der Klang der Kammerphilharmonie ist farbiger, differenzierter, geht viel öfter zurück ins pianissimo, während das größer besetzte RSO eher zum mezzopiano-Spiel neigt und am Finden des pianissimo durchaus noch arbeiten könnte. Störend im Klang des RSO Wien wirken insbesondere die Schärfe der Blechbläser und der hohen Saiten der Streichinstrumente, die Schwäche der Holzbläser in den lauten Tutti und die ausgesprochen dumpfen Pauken. Das Spiel der Kammerphilharmonie hat mehr Sinnlichkeit und Atmosphäre. Ich kann mir jedoch vorstellen, daß Musikfreunde, die die teutonische Strenge und Wucht alter Aufnahmen (z. B. unter Klemperer, Furtwängler oder Jochum) im Ohr haben, mit dem derberen Ansatz von Bertrand de Billy besser zurecht kommen. Für meinen Geschmack fällt de Billy hier zu sehr mit der Tür ins Haus, was durch die oben genannten Eindrücke von der Tontechnik noch unterstrichen wird.

Hervorzuheben ist der sehr kluge Beihefttext von Michael Lewin, der Ergebnissen jüngerer Beethoven-Forschung zufolge die Eroica als Prometheus-Sinfonie erklärt. Er beruft sich dabei auf die relativ kurze Studie von Constantin Floros (Wilhelmshaven 1978). Der Fairneß halber wäre aber zu ergänzen, daß Entstehungs-Hintergrund, soziokultureller Kontext und Wirkungsgeschichte der Eroica umfassend erst von Martin Geck und Peter Schleuning aufgearbeitet wurden (Geschrieben auf Bonaparte. Beethovens Eroica: Revolution, Reaktion, Rezeption, Reinbek bei Hamburg 1989).

Dr. Benjamin G. Cohrs [13.04.2007]

Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.KomponistWerkhh:mm:ss
1 L.v. Beethoven Sinfonie Nr. 3 Es-Dur op. 55 (Eroica)
2 Egmont-Ouvertüre f-Moll op. 84
3 Coriolan-Ouvertüre c-Moll op. 62

Interpreten der Einspielung

Interpret(en)Besetzung
Radio-Symphonieorchester Wien Orchester
Bertrand de Billy Dirigent
 
OC 621;4260034866218

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