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CD-Besprechung

The Last Night of the Proms 2004

Warner Classics 2564 61956-2

2 CD • 2h 00min • 2004

25.08.2005

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 7
Klangqualität:
Klangqualität: 5
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 6

Andenkenjäger werden sicher ihre helle Freude an dieser „Last Nightì haben, die Leonard Slatkin am 11. September 2004 in der riesigen Royal Albert Hall zu London dirigierte. Wie auch schon 2003 hat Warner Classics den Live-Mitschnitt des Events im Rahmen der Kooperation mit BBC Radio 3 auf Doppel-CD herausgebracht. Freilich sind diese Konzerte vor allem populäre Happenings, in denen die „Prommersì ihr Orchester und ihre nunmehr über hundert Jahre alte Tradition feiern. Etliche der dargebotenen Kleinode wirken daher routiniert, aber mitunter auch ein wenig abgenudelt, so zum Beispiel gleich zu Beginn Dvoraks Carneval-Ouvertüre, in deren Durchführungspartie es einiges Durcheinander im Zusammenspiel gibt. Außerdem bürstet Leonard Slatkin solche Werke gnadenlos auf Effekt ? mit im Tempo stark anziehenden Schlüssen beispielsweise. Aber derlei gehört wohl dazu. Hinzu kommt die bekanntermaßen problematische Akustik der Albert Hall, die im Orchesterklang vieles nivelliert, auch wenn die erfahrenen BBC-Tontechniker wohl mit der Mikrophonierung ihr Möglichstes tut. Allerdings ist auch die konservative „amerikanischeì Aufstellung des BBC Symphony Orchestra nicht dazu angetan, das Problem betonter Außenstimmen und kaum differenzierter Mittelstimmen zu lösen. David Pyatt, Solo-Hornist des London Symphony Orchestra, gibt mit dem ersten Hornkonzert von Strauß eine überzeugende Visitenkarte ab, doch ist es erstaunlich, wie monströs und forciert sein Instrument in den lauten Passagen klingen kann, auch wenn der Solist über ein wundervoll tragendes, feines pianissimo verfügt. Hier hat vermutlich der Tontechniker das Seine beigetragen, denn der ? wie den Bookletfotos zu entnehmen ist ? an genau gleicher Stelle links vom Dirigenten am Podiumrand stehende Bariton Thomas Allen in den folgenden Mystical Songs von Vaughan Williams bettet sich weitaus natürlicher in den Gesamtklang ein. Überhaupt sind diese fünf Lieder musikalisch der Höhe- und auch der dringend nötige Ruhepunkt dieses an sich durchwachsenen Mitschnitts – das einzige Stück, das sich jeglicher Effekthascherei entzieht. Barbers Toccata festivo, ein musikalischer Akzent aus der Heimat des Dirigenten, zieht die Orgel hinzu, die gemeinsam mit dem Orchester endlich einmal den Riesensaal angemessen mit Klang erfüllt – wozu ein Orchester allein nicht im Stande ist. Ein klangliches Ärgernis sind Knacker und Aussetzer auf meinem Rezensionsexemplar (auf zwei Playern überprüft).

Die zweite CD bringt ein paar Lollipops, beginnend mit der Ojaj Festival Overtüre des neuen Masters of the Queen´s Musicke, Sir Peter Maxwell Davies, der 2004 seinen 70. Geburtstag feierte, und endend mit den üblichen Devotionalien, Pomp und Circumstance. Leider hat man dafür auch die Fantasia on British Sea Songs, die der Gründervater der Promenade Concerts, Sir Henry Wood, 1905 für die Hundertjahrfeier der Schlacht von Trafalgar komponiert hatte und die seit 1920 fester Bestandteil der Last Night ist, durch den Arrangeur Stephen Jackson „modernisierenì und um vier Nummern auf insgesamt 10 Minuten erweitern lassen, was das Stück unnötig aufbläht und ihm nicht gut tut.

Zu guter Letzt: Hierzulande und auch im Rest der Welt hätte man vielleicht mehr davon, wenn die „Last Nightì beim nächsten Mal einmal auf Video-DVD produziert werden könnte. Wer noch nie dabei gewesen ist, bekommt durch die Audio-CD allenfalls einen schwachen Eindruck von der Wirkung des Ganzen. In der DVD wäre vielleicht auch mehr Platz für das Beiheft, das hier so dick ist, daß es beim Herausnehmen unweigerlich kaputt geht.

Dr. Benjamin G. Cohrs [25.08.2005]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Antonín Dvořák
1Karneval A-Dur op. 92 (Konzertouvertüre)
Richard Strauss
2Hornkonzert Nr. 1 Es-Dur op. 11
Ralph Vaughan Williams
3Five Mystical Songs
Samuel Barber
4Toccata festiva op. 36 für Orgel und Orchester
Peter Maxwell Davies
5Ojai Festival Overture (1991)
Giacomo Puccini
6Summchor (aus: Madama Butterfly)
Richard Rodgers
7Oh, what a beautiful mornin' (aus: Oklahoma!)
Cole Porter
8Where is the life that I led? (aus: Kiss me, Kate)
Arthur Sullivan
9I've got a little list (aus: Der Mikado)
John Philip Sousa
10The Liberty Bell (1893)
Edward Elgar
11Pomp and Circumstance Marsch Nr. 1 D-Dur op. 39
Henry Wood
12Fantasia On British Sea Songs (1905)
Charles Hubert Hastings Parry
13Jerusalem (1916/1922 - Bearb. für Orchester)

Interpreten der Einspielung

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