Pantheon
Corelli's Orbit
Concerto Köln • Evgeny Sviridov
Berlin Classics 0304477BC
1 CD • 61min • 2025
03.04.2026
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Gesamteindruck:![]()
Klassik Heute
Empfehlung
„Pantheon“ – was für ein treffender Titel für eine CD, die das italienische Umfeld Arcangelo Corellis (1653-1713) beleuchtet. Schließlich fand er auf Anordnung von Kardinal Pietro Ottoboni, des Chefs der „Accademia dell‘ Arcadia“, zu deren Mitglieder so prominente Künstler wie Alessandro Scarlatti und später Pietro Metastasio zählten, seine letzte Ruhe in dem allen Göttern geweihten Bau Marc Aurels. Arcangelo Corelli gilt als Erfinder der hochbarocken Form der Triosonate, die er zum Concerto Grosso, das der solistischen Trio-Besetzung ein im Kern ebenso dreistimmiges orchestrales Ripieno gegenüberstellt, repräsentativ erweiterte. Dieses Umfeld bestand zunächst aus Schülern, jedoch erfasste die „Corellimania“ ab 1700 ganz Europa. Selbst Georg Philipp Telemann erwies ihr in seinen Sonates corellisantes von 1736 noch seine Reverenz.
Sonate und Concerto als Geschwister
Bis in die Zeit Corellis folgte die Instrumentalmusik jenseits der Tasteninstrumente vokalen Vorbildern. Die einsätzigen Sonaten seiner Vorgänger G. B. Fontana oder D. Castello sind im Prinzip Ketten von Canzonen mit improvisatorischen Übergängen zwischen den einzelnen Abschnitten, die sich wiederum vom französischen Chanson, der Schwester des italienischen Madrigals herleiten. Corelli trennte die einzelnen Episoden in separate Sätze auf. Deren 4 sind es in der Reihenfolge Langsam-Schnell-Langsam-Schnell für die Sonata da chiesa, bis zu 5 oder 6 in der Sonata da camera, die nach einem Präludium unterschiedliche Tanzcharaktere kombiniert. Satztechnisch sind in der Triobesetzung die beiden Oberstimmen und der Bass gleichberechtigt in das musikalische Geflecht involviert. Dieser Formtypus blieb bis in die 1730er Jahre populär und wurde später zunehmend durch die Langsam-Schnell-Noch Schneller-Form der „galanten Sonate“ abgelöst. Das Concerto Grosso ist im Kern eine größer angelegte Trio-Sonate, die die Abschnitte der einzelnen Sätze auf die drei solistisch behandelten Stimmführer und das Streichertutti aufteilt. Diesen Wechsel von Tutti und Solisten regte die nachfolgende Generation um Vivaldi dann zur Ritornellform an, in der das musikalische Material fürs Tutti konstant bleibt, jedoch in wechselnden Tonarten erscheint.
Spannendes aus den Archiven brillant interpretiert
Evgeny Sviridov und das Concerto Köln haben in den Archiven gestöbert und aus unbekannten Werken von Givanni Battista Somis, dem Lehrer Jean M. Leclairs, dem Wiener Hofkomponisten Antonio Caldara sowie der Virtuosi Pietro Castrucci, Giuseppe Valentini, Michele Mascitti ein äußerst kurzweiliges Programm zusammengestellt. Selbstverständlich kommen auch Vivaldi und Corelli zu Wort. Das ist auf allerhöchstem Niveau mit großer Lust musiziert und macht beim Zuhören einfach Spaß. Das 18-köpfige Ensemble phrasiert außerordentlich präzise, ungemein schwungvoll und ohne jedwede aufgesetzten Mätzchen. Die Ornamentgirlanden der Solisten wirken bei aller Präzision im Zusammenspiel völlig spontan, wie gerade improvisiert.
Das Booklet informiert umfassend zu Komponisten und Werken. Die Aufnahmetechnik ist in ihrer schlanken Transparenz vorbildlich.
Fazit: Welch originelle Erlösung vom immergleichen Vivaldi-Trott! So und nicht anders muss man italienische Barockmusik interpretieren, folglich gibt es dann auch eine dezidierte Empfehlung!
Thomas Baack [03.04.2026]
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Komponisten und Werke der Einspielung
| Tr. | Komponist/Werk | hh:mm:ss |
|---|---|---|
| CD/SACD 1 | ||
| Giovanni Battista Somis | ||
| 1 | Violinkonzert F-Dur | 00:07:18 |
| Antonio Caldara | ||
| 4 | Sinfonia g-Moll (aus: La Conversione di Clodoveo, re di Francia) | 00:02:18 |
| Pietro Castrucci | ||
| 5 | Concerto grosso g-Moll op. 3 Nr. 11 | 00:07:03 |
| Giuseppe Valentini | ||
| 10 | Concerto grosso Es-Dur op. 7 Nr. 9 | 00:09:49 |
| Arcangelo Corelli | ||
| 14 | Preludio D-Dur (aus Select Preludes & Voluntarys für Violine solo von John Walsh, 1705) | 00:00:44 |
| 15 | Concerto grosso D-Dur op. 6 Nr. 4 | 00:09:23 |
| Antonio Vivaldi | ||
| 19 | Violinkonzert G-Dur op. 7 Nr. 2 RV 299 | 00:05:23 |
| Michele Mascitti | ||
| 22 | Concerto A-Dur op. 7 Nr. 4 | 00:10:46 |
| Henry Purcell | ||
| 24 | Preludio g-Moll | 00:00:51 |
| Pietro Castrucci | ||
| 25 | Concerto grosso g-Moll op. 3 Nr. 9 | 00:06:59 |
Interpreten der Einspielung
- Concerto Köln (Orchester)
- Evgeny Sviridov (Violine, Leitung)
