Lux Intus
Barbican Quartet
Berlin Classics 0304444BC
1 CD • 68min • 2025
18.03.2026
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Gesamteindruck:![]()
Klassik Heute
Empfehlung
Wenn man eine CD der Gewinner des ersten Preises im ARD-Musikwettbewerb zur Besprechung erhält, entsinnt man sich automatisch, dass man selbst wie auch das Publikum mit dieser Wertung nicht unbedingt einverstanden war und einen anderes Finalisten-Quartett bevorzugt hätte. Mit dieser Einspielung beweist das Barbican Quartet jedoch, dass die Jury richtig lag und der Rezensent nur fast. Die Vier geben in dieser Aufnahme eine brillante und originelle Visitenkarte ab, indem sie Mozarts Quartett in D-Dur KV 575 mit angelsächsischen Raritäten inklusive einer Ersteinspielung kombinieren.
Gereifter Mozart
Die Interpretation von Mozarts aus Rücksicht auf die Vorlieben des preußischen Königs betont Cello-lastigem Erstem Preußischen Quartett im Semifinale hatte ich 2022 folgendermaßen kommentiert: „Mozarts KV 575 empfand ich in den ersten drei Sätzen als etwas langweilig. Ein brillant interpretiertes Finale machte diesen Eindruck jedoch wett und begeisterte das Publikum, das stürmisch applaudierte.“ In der Einspielung sind die drei vorderen Sätze sehr schön nachgereift, so dass eine wunderbar detaillierte und auf Zug musizierte Version entstand.
Neues von der Insel
Es zeugt von Wagemut, Benjamin Brittens Streichquartett Nr. 1 in D als Pendant zu Mozart einzuspielen, das – im Gegensatz zu den Quartetten 2 und 3 – im Konzertsaal nie recht heimisch wurde, weil sein Beginn die drei hohen Streicher inklusive der Bratsche in die dreigestrichene und viergestrichene Oktave schickt, was „live“ trotz der Vorschrift „Molto vibrato“ sehr leicht gründlich schief gehen kann. Stilistisch ist das Werk von Béla Bartók und dem mittleren Paul Hindemith beeinflusst. Wer die Bartók- und die Schostakowitsch-Quartette schätzt, kommt hier auf seine Kosten.
Das ursprünglich für vier Saxophone geschriebene Postlude von Sophia Jani aus dem Jahr 2025 bewegt sich ebenfalls auf gemäßigt modernem Boden und bildet einen fröhlichen Ausklang.
Motto "Inneres Leuchten"
Ob man die dicke Textur von Edward Elgars „Nimrod“-Variation aus Enigma op. 36 unbedingt in einer Fassung für Streichquartett mit vielen Doppelgriffen braucht, mag man bezweifeln. Allerdings korrespondiert das Stück, das in England von Chören gern als „Lux aeterna“ musiziert wird, mit dem Motto der CD Lux intus, die auf das von den Barbicans wirklich vermittelte „innere Leuchten“ bezugnimmt.
Eine Trouvaille
Eine veritable Entdeckung ist für mich das Poem for String Quartet von Rebecca Clarke (1886-1979). Clarke studierte Violine, später Viola bei Lionel Tertis und Komposition als eine der ersten Frauen überhaupt beim berühmten Charles Villiers Stanford. Sie machte als Solo-Bratscherin eine weltweite Karriere und komponierte nur unregelmäßig. Das Poem ist ein schwelgerisch-melancholischer Satz von acht Minuten Dauer, der allen, die Samuel Barbers Adagio und Dover Beach lieben, außerordentlich gefallen dürfte.
Ein ausführliches Booklet und eine exzellente Aufnahmetechnik tragen definitiv zur Freude an der CD bei.
Fazit: Ein sehr guter Mozart wird durch einen exzellenten Britten und die traumhafte Einspielung des Poem von Rebecca Clarke aufgewertet. Was will man mehr? Klare Empfehlung!
Thomas Baack [18.03.2026]
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Komponisten und Werke der Einspielung
| Tr. | Komponist/Werk | hh:mm:ss |
|---|---|---|
| CD/SACD 1 | ||
| Wolfgang Amadeus Mozart | ||
| 1 | Streichquartett Nr. 21 D-Dur KV 575 | 00:23:33 |
| Rebecca Clarke | ||
| 5 | Poem for String Quartet | 00:08:20 |
| Benjamin Britten | ||
| 6 | Streichquartett Nr. 1 D-Dur op. 25 | 00:26:26 |
| Edward Elgar | ||
| 10 | Enigma-Variationen op. 36 für Orchester | 00:03:59 |
| Sophia Jani | ||
| 11 | Postlude | 00:05:17 |
Interpreten der Einspielung
- Barbican Quartet (Streichquartett)
