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CD-Besprechung

Karl Weigl

Piano Concerto op. 21 • Rhapsody • Three Songs

cpo 555 360-2

1 CD • 69min • 2021, 2022

14.11.2022

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 8
Klangqualität:
Klangqualität: 8
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 8

In den 20er Jahren des letzten Jahrhunderts wurde Karl Weigl (1881-1949) in einem Atemzug mit Schönberg, Berg, Webern und Schreker genannt. Schüler von Zemlinsky, promovierter Musikwissenschaftler und Korrepetitor bei Gustav Mahler, gehörte er 1904 zu den Mitbegründern der „Vereinigung schaffender Tonkünstler“, die in der Musik eine ähnliche Aufbruchsstimmung signalisierte wie die „Secession“ in der Bildenden Kunst. Geprägt von der deutschen Spätromantik wie vom französischen Impressionismus war Weigl ein typischer Vertreter des Wiener Fin-de-siècle, der sich nach dem Ersten Weltkrieg allerdings nicht dem radikalen Neuanfang der „Zweiten Wiener Schule“ anschloss, sondern in den Grenzen der Tonalität verblieb. 1938 ging er ins amerikanische Exil, wo er sich lange mit Unterrichten über Wasser halten musste. Bis zuletzt als Komponist aktiv, geriet er nach seinem Tod in Vergessenheit und wurde erst zwei Jahrzehnte später durch Leopold Stokowski wieder entdeckt. Bei cpo ruft man ihn jetzt auch bei uns mit einer Reihe von Veröffentlichungen in Erinnerung. Nach dem Cellokonzert und den Streichquartetten 7 & 8 liegt nun das Klavierkonzert op. 21 vor, verbunden mit der Rhapsodie für Streichorchester und Drei Gesängen für eine hohe Frauenstimme nach Texten von Ricarda Huch.

Überbordend

Letztere entstanden im Kriegsjahr 1916. Hier bekam das erste Lied Heimkehr einen doppelten Sinn. Mit erotischen Metaphern („Öffne deinen Schoß!“) begrüßt das lyrische Ich da die Heimaterde. Auch die später geschriebenen Liebesgedichte mit den posthum hinzugefügten Titeln Hymne und Geständnis befleißigen sich eines Stils, den man aus heutiger Sicht als altmodisch und etwas schwülstig empfinden mag (was nicht für alle Gedichte Huchs gilt!). Weigl versucht diese literarischen Vorlagen mit dem überbordenden spätromantischen Orchester noch zu übertreffen, in dem die Texte geradezu ertrinken, und die junge norwegische Sopranistin Lina Johnson, bisher im lyrischen Koloraturfach (Konstanze, Lucia, Gilda) erfolgreich hervorgetreten, muss sich hier in Salomé-Ekstasen steigern, was ihr gut gelingt und auf ihre weitere stimmliche Entwicklung neugierig macht.

Tastendonner

Die 1931 komponierte Rhapsodie für Streichorchester ist eine Orchesterfassung des seinerzeit viel beachteten frühen Streichsextetts d-moll (1906) und kann auch in dieser Version ihre Herkunft aus der Kammermusik nicht leugnen. Während im ersten und dritten Satz ein melancholischer Duktus vorherrscht, stellt der zweite ein grell auftrumpfendes Scherzo in der Nachfolge Bruckners dar. Das eigentliche Fundstück dieser Publikation ist indes das Klavierkonzert op. 21, im gleichen Jahr wie die Rhapsodie geschrieben und dem mit Weigl befreundeten großen polnischen Pianisten Ignaz Friedmann gewidmet, der es mit dem Dirigenten George Szell in Prag zur Uraufführung brachte. Ein überaus effektvolles Werk, das mehr an Tschaikowsky und Rachmaninow denken lässt als an Brahms. Klavierfutter also vom Feinsten und in Oliver Triendls leidenschaftlicher Interpretation als (wenn auch etwas aus der Zeit gefallenes) Meisterwerk zu erkennen. Auch die in allen Positionen vorzüglich besetzte Jenaer Philharmonie kann hier unter ihrem engagierten Chef Simon Gaudenz richtig „in die Vollen“ gehen.

Ekkehard Pluta [14.11.2022]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Karl Ignaz Weigl
1Heimkehr für Sopran und Orchester 00:07:19
2Hymne für Sopran und Orchester 00:02:49
3Geständnis für Sopran und Orchester 00:04:13
4Rhapsodie für Streichorchester 00:29:14
7Klavierkonzert f-Moll op. 21 00:25:30

Interpreten der Einspielung

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