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CD-Besprechung

Olivier Messiaen

Quatuor pour la fin du temps

CAvi-music 8553042

1 CD • 46min • 2018

24.05.2022

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 10
Klangqualität:
Klangqualität: 10
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 10

Klassik Heute
Empfehlung

In Olivier Messiaens Quatuor pour la fin du temps ist die Bezeichnung „Quartett“ in dem Sinne zu verstehen, dass zur vollständigen Umsetzung des Werkes vier Musiker nötig sind. Allerdings sind nur in vier der acht Sätze alle Instrumente zu hören. Bei den übrigen handelt es sich um ein Solo für die Klarinette (Nr. 3), zwei Duos für Violine bzw. Violoncello und Klavier (Nr. 5 und Nr. 8) und ein Trio ohne das Klavier (Nr. 4). Da allerdings im zweiten Satz nur zu Beginn und am Schluss kurz das ganze Quartett spielt, es sich ansonsten um ein klavierbegleitetes Unisono von Violine und Cello handelt, und der sechste Satz gar ein durchgehendes Unisono aller vier Instrumente ist (also im Grunde ein Solo wie der dritte), beschränkt sich die Zahl der Sätze, in denen alle Instrumente selbstständig geführt werden, auf zwei. An der Beliebtheit des Stückes dürften diese wechselnden Besetzungen einen gewissen Anteil haben, geben sie doch jedem der drei Melodieinstrumente die Möglichkeit, sich solistisch zu präsentieren.

Ein Quartett sui generis

Messiaen geht es in der Tat in diesem Werk nicht um klassischen Quartettsatz und Polyphonie. Der Zyklus aus acht Bildern, die apokalyptische Visionen musikalisch umsetzen, ist in erster Linie eine Fantasie über nichtfunktionale Akkorde und unendliche Melodien, denen elaborierte modale und rhythmische Konzepte zugrunde liegen. Das klingende Ergebnis freilich lässt von diesem theoretischen Hintergrund wenig merken, wirkt in guten Aufführungen durchaus sinnlich und musikantisch.

Kein Moment dem Zufall überlassen

Der Klarinettist Ib Hausmann und das Amatis Trio, bestehend aus Lea Hausmann (Violine), Samuel Shepherd (Violoncello) und Mangjie Han (Klavier) hat eine Aufnahme des Quatuor vorgelegt, die nicht nur gut, sondern vorzüglich genannt werden darf. Gerade wenn man noch Aufführungen des Stückes im Ohr hat, die wirkten, als hätten die Musiker erst hinterher realisiert, was sie da eigentlich gerade gespielt haben, oder von solchen, in denen ein Mitglied des Ensembles sich zuungunsten der anderen permanent in den Vordergrund drängte, freut man sich umso mehr über eine so rundum stimmige Einspielung wie die vorliegende. Alle Beteiligten kennen das Werk offenbar in- und auswendig und überlassen keinen Moment des Verlaufs dem Zufall. Als Hörer merkt man stets, wohin die Musiker wollen, dass sie die einzelnen Ereignisse als Teile eines zusammenhängenden Ganzen verstehen. Die ausgedehnten Melodiebögen mäandern nicht im Raum herum, sondern wirken durch kluge Phrasierung und dynamische Abstufung stark konturiert. Besonders die große Klarinettenmonodie des dritten Satzes muss hier genannt werden, in welcher Ib Hausmann die Tiefen des titelgebenden Abgrunds eindrucksvoll ausmisst. Im rhythmisch aberwitzigen sechsten Satz zeigt sich nicht nur, dass die Musiker das gemeinsame Unisonospiel glänzend beherrschen. Sie setzen zudem die einzelnen Abschnitte des Satzes klangfarblich gegeneinander ab: So tritt in den lauten Teilen die Klarinette kräftig hervor, wohingegen das Unisono in den leisen Abschnitten vom Streicherklang dominiert wird. Man hört also aufeinander! Lea Hausmann und mehr noch Samuel Shepherd verschmähen in den ihnen zugedachten Streicherkantilenen das Vibrato nicht, übertreiben damit aber keineswegs. Ihre Sicherheit im Vortrag der einzelnen Phrasen verbindet sich mit Wärme der Tongebung.

Kurzum: Ib Hausmann und das Amatis Trio können sich rühmen, einen ausgezeichneten Beitrag zur Diskographie des Quatuor pour la fin du temps beigesteuert zu haben.

Norbert Florian Schuck [24.05.2022]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Olivier Messiaen
1Quatuor pour la fin du temps für Klarinette, Violine, Violoncello und Klavier 00:46:22

Interpreten der Einspielung

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