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CD-Besprechung

Schubertiade

BR Klassik 900528

1 CD • 63min • 2021

11.03.2022

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 8
Klangqualität:
Klangqualität: 8
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 8

Beim Betrachten des Cover-Bildes Franz Schubert am Klavier von Julius Schmid (1897) hat sich mir die Frage aufgedrängt, ob der gesamte Chor des Bayerischen Rundfunks in diesem Salon Platz gefunden (und noch welchen für die zuhörenden Gäste gelassen) hätte. Der Titel des Albums „Schubertiade“ bezieht sich ja auf die privaten musikalischen Zusammenkünfte in Wiener Salons, bei denen Schubert neueste Kompositionen zum Besten gab. Im Booklet-Text schildert Florian Heurich, wie die hier gesammelten mehrstimmigen Gesänge aus dem Rahmen der Hausmusik heraustraten und in die Konzertsäle fanden. Für die Ewigkeit geschrieben waren sie wohl nicht, sondern dienten in erster Linie gesellschaftlichen oder einfach nur geselligen Anlässen. Das Ständchen beispielsweise war als Geburtstagsserenade für die mit Schubert befreundete Sängerin Anna Fröhlich gedacht, die die Singschule des Wiener Konservatoriums leitete. Für deren Schülerinnen bestimmt waren das hymnische Lied Gott in der Natur und die Vertonung des 23. Psalms (Gott ist mein Hirt heißt er in der Nachdichtung von Moses Mendelssohn). Der Frauenchor des Bayerischen Rundfunks erweckt hier wahrlich den Eindruck himmlischer Heerscharen.

Klangpracht und Intimität

Dem Männerchor fallen noch mehr und noch vielfältigere Aufgaben zu. Darunter das populärste Stück der Sammlung, die Barcarole Der Gondelfahrer auf einen Text von Schuberts Freund Johann Mayrhofer. Im Ständchen assistieren die Herren einem Alt-Solo, in Nachthelle folgen sie dem Solo eines Tenors. In beiden Fällen kommen die Solisten aus den eigenen Reihen: Merit Ostermann und Andrew Lepri Meyer machen mit hoher Stimmqualität und feiner Musikalität dem Chor des Bayerischen Rundfunks alle Ehre, der aber auch als Kollektiv nicht nur mit Klangpracht auftrumpft, sondern ebenso zurückhaltender Kammertöne fähig ist. Der Chorleiter Howard Arman zeigt besonderes Gespür für dynamische Abstufungen.

Das abschließende Stück, Mirjams Siegesgesang auf einen Text von Franz Grillparzer, der den Auszug der Israeliten aus Ägypten zum Thema hat, nimmt die Ausmaße einer Kantate an, die den gesamten und nun gemischten Chor verlangt und eine höhensichere Solistin. Christina Landshamer ist eine solche, ihr adretter Sopran hat allerdings nur eine schmale Ausdruckspalette und das Textverständnis lässt Wünsche offen.

Gute Visitenkarte für den Chor

Dass für die Aufnahme ein historischer Érard-Flügel aus den 1870er Jahren zur Verfügung stand, wird auf dem Cover eigens vermerkt. Er soll über ein substanzreicheres Klangspektrum verfügen als das Hammerklavier der Schubert-Zeit, was gerade bei den Stücken mit größeren Chorbesetzungen ein Vorteil ist, und Justus Zeyen formt die pianistischen Begleitfiguren auch äußerst markant. Mich persönlich überzeugen jedoch die reinen a-cappella-Gesänge für Männerchor (Drei Lieder D 825 und Sehnsucht) am meisten, zumal die Herren den Ton traditioneller Liedertafeln gut treffen.

Nun, seien wir ehrlich: Hätte Schubert nicht mehr als die hier zu hörenden zehn Chorlieder komponiert, wäre er längst der Vergessenheit anheimgefallen und es hätte der Bemühungen von Entdeckerlabeln wie cpo bedurft, um ihn wieder in Erinnerung zu bringen. Für Schubert-Verehrer – und das dürfte im Grunde jeder Musikfreund sein – stellt das Album trotzdem eine Bereicherung dar und eine gute Visitenkarte für den Chor und seinen Leiter ist es allemal.

Ekkehard Pluta [11.03.2022]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Franz Schubert
1Gondelfahrer op. 29 D 809 00:03:02
2Ständchen D 920 00:05:45
3Wehmut op. 64 Nr. 1 D 825,1 00:05:04
4Ewige Liebe op. 64 Nr. 2 D 825,2 00:05:33
5Flucht op. 64 Nr. 3 D 825,3 00:03:37
6Gott in der Natur D 757 00:06:00
7Nachthelle D 892 00:06:15
8Der 23. Psalm D 706 00:04:23
9Sehnsucht D 656 00:03:50
10Mirjams Siegesgesang op. 136 D 942 (Kantate) 00:19:12

Interpreten der Einspielung

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