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CD-Besprechung

Nikolay Medvedev

Rachmaninoff Medtner Tchaikovsky

Quartz Classics QTZ 2143

1 CD • 79min • 2020

20.03.2022

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 7
Klangqualität:
Klangqualität: 6
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 7

Auf seiner aktuellen CD widmet sich der junge Pianist Nikolay Medvedev ausschließlich der Klaviermusik seiner russischen Heimat und verbindet dabei zwei der bekanntesten russischen Komponisten, Rachmaninow und Tschaikowsky, mit dem heute zumindest in Deutschland weniger bekannten Nikolai Medtner. Die Six Moments Musicaux op. 16 Rachmaninows, mit denen Medvedev seine Aufnahme beginnt, entstanden 1896 und waren erst sein drittes Werk für Klavier solo, was ungewöhnlich ist, da er zu den Komponisten zählte, die selber vom Klavier kamen. Sie entstanden in einer Zeit, in der bereits jeder kulturnahe Haushalt im Besitz eines Klaviers war und in der Regel mindestens ein Familienmitglied recht sicher Klavier spielen konnte – das machte Klaviermusik mehr zum Gemeingut denn zum ganz raren Erlebnis im Konzert. Bei den Moments Musicaux handelt es sich um die dritte Komposition Rachmaninows von Genre-Stücken, die eine Vielzahl an Facetten beinhalten: Mal klingen sie voller Sehnsucht, dann Jubel, Kraft und Tatendrang und tiefste Melancholie. Hierzu passt auch, dass der Komponist selbst in einem Interview davon sprach, wie wichtig das Herz bei der Musik sein und dass genau dies die russische Musik besonders mache. Leider ist dies aber etwas, das man bei Medvedev zu wenig findet: Zwar ist sein Spiel technisch einwandfrei und mühelos, aber man vermisst das besondere Etwas, eine emotionale Wärme oder auch nur etwas, das sein Spiel berührend machen würde. So plätschern die sechs Moments Musicaux leider nur so dahin und hinterlassen keinen tieferen Eindruck – trotz ihrer in der Komposition angelegten Vielseitigkeit.

Blick in russische Musik, aber nicht in die russische Seele

Das Fehlen von emotionaler Kraft in Medvedevs Interpretation ist leider auch bei dem Rest der CD festzustellen: Das Hauptwerk Tschaikowskys für Klavier, seine Grand Sonata op. 37, setzt er technisch einwandfrei um, doch fehlt auch hier das berührende Moment, sogar in dem an sich sehr ausdrucksstarken langsamen Satz. Hier ist zwar jeder Ton hörbar bewusst gesetzt, doch der entscheidende Funke springt nicht über. In die Reihe der russischen Komponisten reiht sich auf der Aufnahme der 1880 geborene Nikolai Karlovich Medtner ein. Obschon an der Schwelle zum 20. Jahrhundert geboren, war er vor allem ein Vertreter klassischer Tendenzen. Mit drei Klavierkonzerten, Liedern und Kammermusik, stand bei ihm, der selber Klavier am Moskauer Konservatorium studiert hatte, auch in seinen Werken das Klavier an erster Stelle. Die einsätzige Klaviersonate op. 22, die 1910 entstand, ist ganz auf das Instrument zugeschnitten und bietet in ihren vier Abschnitten eine Fülle von Stimmungen. Dass Medvedev dieses Werk auf seiner CD eingespielt hat, ist eine lohnende Entdeckung. Ansonsten ist die Aufnahme musikalisch gesehen trotz technischer guter Umsetzung leider nicht allzu eindrucksvoll geraten.

Verena Düren [20.03.2022]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Sergej Rachmaninow
1Moment musical b-Moll op. 16 Nr. 1 00:07:44
2Moment musical es-Moll op. 16 Nr. 2 00:02:59
3Moment musical h-Moll op. 16 Nr. 3 00:04:51
4Moment musical e-Moll op. 16 Nr. 4 00:03:04
5Moment musical Des-Dur op. 16 Nr. 5 00:04:16
6Moment musical C-Dur op. 16 Nr. 6 00:04:37
Nicolai Medtner
7Klaviersonate g-Moll op. 22 00:16:52
Peter Tschaikowsky
8Große Sonate G-Dur op. 37 00:34:39

Interpreten der Einspielung

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