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CD-Besprechung

Pervez Mody

plays Scriabin

Thorofon CTH2672

1 CD • 69min • 2020, 2021

22.03.2022

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 9
Klangqualität:
Klangqualität: 10
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 9

Alexander Scriabin hatte seine ganz eigenen Visionen vom musikalischen Fortschritt. Als Synästhetiker ließ er in seiner Vorstellung die Sinne verschmelzen. Es geht um die Erkundung neuer, unbekannter Räume ebenso wie um Spiritualität, welche aber nicht an ein höheres Wesen gebunden ist. Seine Klaviermusik schöpft aus Einflüssen der Spätromantik, um zugleich durch neue tonale und klangliche Grenzüberschreitungen in die Zukunft zu blicken.

Starke Anziehungskraft

Auf den indischen Pianisten Pervez Mody hat diese Ideenwelt seit über zehn Jahren eine starke Anziehungskraft. Allein schon deshalb, weil sich Scriabin eben auch mit östlicher, respektive indischer Philsophie beschäftigte. Die Folge ist ein Langzeitprojekt ohne Beispiel, in dem Pervez Mody auch zehn Jahre nach Beginn noch mittendrin ist: Die Gesamtaufnahme sämtlicher Klavierwerke, ist mit dem gerade – passend zum 150. Geburtstag Scriabins – erschienenen Volume 7 noch lange nicht abgeschlossen.

Einmal mehr überzeugt hier ein stimmig durchdachter Spannungsbogen, zu dem sich Werke aus unterschiedlichen Schaffensphasen vereinen. Es geht bei der Werkauswahl für Volume 7 nicht um die Chronologie innerhalb von Scriabins kurzem Künstler-Leben, eher um eine reiche Farbpalette, um das Gesamtkunstwerk. Die einschlägigen Stilmittel und Aspekte sind auf Anhieb präsent und durchziehen die Aufnahme wie ein Kontinuum: Ausgiebig herabstürzende Tonkaskaden, sinnliche, oft exzessiv eingesetzte Chromatik gehören dazu – in einer ständigen spielerischen Herausforderung, in der melodische Prozesse in enormer Virtuosität gegeneinander laufen, sich überlagern und wieder aufgebrochen werden.

Blick in Vergangenheit und Zukunft zugleich

Pervez Mody gelingt es, die Kompomenten einfühlsam zu synchronisieren, was umso mehr den Blick darauf lenkt, dass diese Kompositionen nicht nur in die Zukunft, sondern eben auch in die Vergangenheit, respektive in die Romantik blicken, weswegen diese Musik bei allem Fortschrittsgeist heute weniger avantgardistisch, sondern eher zeitlos klingt. Vor allem die Einflüsse Scriabins durch Chopin stellte Pervez Mody durch die Werkauswahl für diese CD heraus. Das trifft etwa auf das Allegro de Concert zu, ebenso auf gleich vier Werkgruppen von Préludes. Ob frühes Werk oder späte Schaffensphase – der hohe Grad an Komplexität und Vollkommenheit ist bei allen Stücken mehr oder weniger gleich ausgeprägt.

Meditative Versenkung

In zwei Poèmes, einer der Lieblingsgattungen von Scriabin, kann Pervez Mody demonstrieren, dass immer wieder die großen Entwicklungen aus einem einzigen kleinen Terzmotiv hervorgehen. Das Poème Nocturne hat sich Scriabins wichtigstem „Markenzeichen“, dem Prometheus-Akkord verschrieben – einer immer wieder auftauchenden, mystisch verklärten, vieldeutigen Dissonanz-Akkordfolge. Am Ende offenbart das stark zerklüftete Poème Satanique wiederum andere Prägungen, in diesem Fall durch den Mephisto-Walzer von Franz Liszt.

Man kann sich hörend auf eine Entdeckungsreise dieser stilhistorischen Aspekte begeben, was dieser neuen Folge der Scriabin-Gesamtschau einen guten Erkenntniswert gibt. Pervez Modys Spielweise erlaubt aber auch einen unmittelbareren Zugang, geht es in seiner Diktion doch in erster Linie um einen Zustand von meditativer Versenkung. Es mag andere Interpretationen geben, welche analytischer oder dialektischer vorgehen. Pervez Modys Sache ist eher die ganzheitliche Einfühlung in die vielen verbindenden Aspekte.

Stefan Pieper [22.03.2022]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Alexander Scriabin
1Allegro de concert h-Moll op. 18 00:06:16
2Prélude op. 37 Nr. 1 00:02:06
3Prélude op. 37 Nr. 2 00:01:10
4Prélude op. 37 Nr. 3 00:02:03
5Prélude op. 37 Nr. 4 00:00:53
6Prélude op. 31 Nr. 1 00:02:35
7Prélude op. 31 Nr. 2 00:00:48
8Prélude op. 31 Nr. 3 00:00:37
9Prélude op. 31 Nr. 4 00:01:20
10Prélude op. 39 Nr. 1 00:00:54
11Prélude op. 39 Nr. 2 00:01:08
12Prélude op. 39 Nr. 3 00:01:27
13Prélude op. 39 Nr. 4 00:00:40
14Allegro appassionato op. 4 00:09:35
15Fantastique op. 71 Nr. 1 00:02:18
16En rêvant, avec une grande douceur op. 71 Nr. 2 00:02:19
17Poème-Nocturne op. 61 00:07:43
18Prélude op. 74 Nr. 1 00:01:30
19Prélude op. 74 Nr. 2 00:01:10
20Prélude op. 74 Nr. 3 00:00:57
21Prélude op. 74 Nr. 4 00:01:37
22Prélude op. 74 Nr. 5 00:01:19
23Mazurka C-Dur op. 25 Nr. 2 00:03:15
24Mazurka fis-Moll op. 25 Nr. 7 00:04:55
25Mazurka Fis-Dur op. 25 Nr. 6 00:02:49
26Poème Satanique op. 36 00:06:44

Interpreten der Einspielung

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