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CD-Besprechung

In Search Of

CAvi-music 8553214

1 CD • 64min • 2021

08.03.2022

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 10
Klangqualität:
Klangqualität: 9
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 10

Musik verbindet – das gilt grundsätzlich und natürlich können auch private Bindungen über die Musik entstehen. So erging es beispielsweise dem Pianisten-Ehepaar Gülru Ensari und Herbert Schuch, das seit nunmehr sieben Jahr auch als Klavierduo auftritt. Bei ihrem gemeinsamen Spiel versuchen die beiden laut eigener Aussage nicht etwa, sich möglichst anzugleichen, sondern vielmehr ihre eigene Individualität beizubehalten. Das kommt auch bei ihrer neuen CD zum Tragen: „In Search of…“ ist eine gemeinsame Reise in die jeweilige Kindheit der beiden Pianisten, die die Entschleunigung durch die Corona-Pandemie und die Geburt der gemeinsamen Tochter genutzt haben, um sich mit ihren ersten musikalischen Erfahrungen auseinanderzusetzen. Während Herbert Schuch in Rumänien in den letzten Jahren des Kommunismus in ländlicher Gegend nahe der ungarischen Grenze aufwuchs, ist Gülru Ensari ein Stadtkind Istanbuls. Als ersten gemeinsamen Nenner bei ihrer musikalischen Spurensuche wurden Ensari und Schuch schließlich bei Tschaikowsky fündig, dessen Nussknacker beide schon als Kinder kennengelernt hatten. So bildet die Nussknacker-Suite op. 71a in einem Arrangement für zwei Klaviere von Nicolas Economou auch das zentrale Werk dieser CD. Die Einigkeit, die laut Aussagen des Paares über dieses Werk herrschte, ist ganz klar auch zu hören, denn die Musik klingt hier wie aus einem Guss und fast wie von einer Person gespielt. Perfekt aufeinander eingespielt sind die beiden, zu jedem Zeitpunkt auch ausgewogen in ihrer Balance. Und dass es sich hierbei um ein Herzensstück der beiden handelt, mit dem diese viel verbinden, wird auch schnell deutlich.

Gemeinsamer Blick in die Kindheit

Ein weiterer gemeinsamer Nenner in ihrer musikalischen Prägung sind die Ungarischen Tänze von Johannes Brahms sowie die Slawischen Tänze von Antonin Dvořák. Gerade die Ungarischen Tänze erinnern Schuch an seine Kindheit, waren doch die ungarischen Einflüsse größer als die rumänischen. Und auch zu Gülru Ensari, deren Elternhaus von westlicher klassischer Musik geprägt war, gehören die Ungarischen Tänze von Johannes Brahms. Auszüge davon sind nun also auch auf der neuen Aufnahme zu finden, ebenso wie Auszüge aus Dvořáks Slawischen Tänzen. Während in den Stücken Brahms‘ oft die Virtuosität die Hauptrolle spielt, überwiegen bei Dvořák häufig die eher schwermütigen Klänge. Neben den technischen Herausforderungen bewältigen Ensari und Schuch auch diese verschiedenen Facetten hinsichtlich der Stimmungen mühelos und spielend. Besonders positiv fällt hierbei auf, dass die beiden bei den Tänzen das Spielerische in den Vordergrund stellen und so Verzierungen und kleine Improvisationen einfließen lassen. Mit dem Abschluss-Stück der CD, dem Auftragswerk Sarmal von Oguzhan Balci, fließt eine Kindheitserinnerung von Ensari ein: Sie kennt den Komponisten, der zunächst als Geiger in der Klasse ihrer Mutter studierte, persönlich. Er begleitete ihre ersten Schritte auf professionellem Terrain als Konzertmeister und Dirigent. In Erinnerung dessen schuf er nun für „In Search of…“ eine musikalische Erinnerung an diese Zeit, wobei hier eher die Anleihen an die Musik Schostakowitschs überwiegen denn die Elemente türkischer Musik. Alfred Brendel sagte einmal über den ersten Duo-Abend von Gülru Ensari und Herbert Schuch „Sie spielen wie Geschwister, und ich meine das nicht in einer negativen Art“. Diese besondere Verbindung beim Musizieren ist auch auf dieser Aufnahme bei allen gemeinsamen und individuellen Erinnerungen zu hören.

Verena Düren [08.03.2022]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Antonín Dvořák
1Nr. 1 Odzemek Molto vivace aus Slawische Tänze op. 72 00:04:14
Johannes Brahms
2Ungarischer Tanz Nr. 2 d-Moll 00:03:37
3Ungarischer Tanz Nr. 11 d-Moll 00:03:03
Antonín Dvořák
4Nr. 2 Dumka Allegretto grazioso aus Slawische Tänze op. 72 00:04:35
Johannes Brahms
5Ungarischer Tanz Nr. 4 f-Moll 00:03:34
Antonín Dvořák
6Nr. 5 Sparcírka Poco adagio aus Slawische Tänze op. 72 00:02:44
Johannes Brahms
7Ungarischer Tanz Nr. 6 Dis-Dur 00:03:09
8Ungarischer Tanz Nr. 1 g-Moll 00:03:12
Antonín Dvořák
9Nr. 7 Kolo Allegro vivace aus Slawische Tänze op. 72 00:03:22
Peter Tschaikowsky
10Nussknacker-Suite op. 71a (Bearb. für 2 Klaviere) 00:22:05
Oğuzhan Balci
18Sarmal für Klavier zu vier Händen 00:09:39

Interpreten der Einspielung

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