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CD-Besprechung

August Eberhard Müller

Flute Concertos 5, 7 & 8

cpo 555 403-2

1 CD • 76min • 2020

21.02.2022

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 10
Klangqualität:
Klangqualität: 10
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 10

Klassik Heute
Empfehlung

Mit dem Nachnamen Müller bei der Zunft der Musikliebhaber zu reüssieren, dürfte schwer fallen. Trotzdem setzt Tatjana Ruhland ihre Einspielung der Flötenkonzerte von August Eberhard Müller (1767-1817) mit drei weiteren spannenden Werken fort. Sie sind beileibe nicht schlechter komponiert als die zwei eher leichtgewichtigen Mozart-Konzerte und stoßen in den beiden Moll-Stücken bereits das Tor zur Frühromantik auf. Deshalb ist es merkwürdig, dass sie sich – trotz des Mangels an qualitätvoller hochklassischer Flötenmusik – nicht im Repertoire halten konnten.

Bach-Schüler, Soloflötist und Thomaskantor in Goethes Weimar

August Eberhard Müller erhielt seine Ausbildung in Bückeburg bei Johann Christoph Friedrich Bach, dem dritten der komponierenden Söhne des Großmeisters. Über eine Stelle in Magdeburg kam er als Organist an die Leipziger Nikolaikirche. Da er sich autodidaktisch zu einem hervorragenden Flötenvirtuosen herangebildet hatte, übernahm er zusätzlich die erste Flöte im Gewandhausorchester. Als der damalige Thomaskantor Johann Adam Hiller kränkelte, wurde er zunächst zu dessen Adjunkten und 1804 zum Nachfolger bestellt. 1810 warb man ihn als Kapellmeister an das von Goethe geleitete Weimarer Hoftheater ab, wo er das Orchester auf ein bis dahin ungeahntes Niveau brachte. Wenn die „Sauts du Diable“, die die pianistische Sprungtechnik Schumanns und Liszts vorausnehmen, in der posthumen, als op. 52 im Jahre 1852 bei Richault gedruckten Fassung wirklich das Original wiedergeben, muss er zudem zu den führenden europäischen Klaviervirtuosen gehört haben.

Wirkungsvoll und brillant

Wenn ein Flötist für den eigenen Konzertbedarf schreibt, kann man davon ausgehen, dass die Werke wirkungsvoll und brillant sind. Wenn sie dazu noch starke melodische Reize bieten und dazu phantasievoll instrumentiert sind, gehörten sie eigentlich ins feste Repertoire der Flötisten. Von der Anlage her orientieren sich die drei zwischen 1800 und 1805 entstandenen Werke am Mozart der reifen Wiener Zeit ab 1785. Harmonisch bieten sie durchaus Überraschungen, was bei einem „norddeutsch“ ausgebildeten Komponisten nicht verwundert, zumal die Bach-Söhne in ihrer Subjektivität durchaus wichtige Impulsgeber für die frühe Romantik (Johann Ladislaus Dussek, Mendelssohn) waren. Welch formidabler Flötist Müller gewesen sein muss, zeigt sich im Adagio des Konzerts in F-Dur, das in Des-Dur steht, was auf einer klassischen Flöte mit nur 8 Klappen und einer Grundskala in D nahezu unmöglich sauber zu intonieren ist. Möglicherweise hat er damals auf eine „Flute d’amour“ in B zurückgegriffen, was auch die äußerst tiefe Lage erklärte.

Interpretation mit Können und Phantasie

Tatjana Ruhland bläst die drei Konzerte farbreich, intonationsrein und in allen Registern überragend klangschön. Zudem versteht sie es, die Schwerpunkte einer Phrase genau auf den richtigen Punkt zu legen. Ihre außergewöhnliche agogische Flexibilität, die nie aufgesetzt wirkt, ermöglicht es ihr, sensibel auf der Flöte zu singen. Zudem erlaubt ihr ihre artikulatorische Virtuosität, schnelle Doppelzungenpassagen kantabel, voluminös und ohne spitzes Zicken auszuspielen (Track 9!).

Das Süddeutsche Kammerorchester wurde von Timo Handschuh allerbestens präpariert. Auch im Orchester wird daher sprechend artikuliert. Das ist ein historisch informiertes Spiel ohne Manierismen und Allüre von selbstverständlicher Virtuosität und hoher Klasse, die sich besonders schön auch in den vereinzelten Bläser- und Violin-Soli manifestiert.

Die Aufnahmetechnik machte ihre Sache ebenfalls gut. Zudem ist es natürlich ein Glücksfall, wenn man den ungemein kompetenten Bert Hagels, der die Konzerte im Verlag Ries und Erler herausgibt, als Booklet-Autor für vorbildlich umfassende Informationen gewinnen kann. Fazit: Weltersteinspielung zu Unrecht übersehener Kompositionen. Pflichtkauf für alle Flötisten. Für alle anderen ein wundervolles „Osterei“, das Klassik-Liebhaber begeistern dürfte. Definitive Empfehlung!

Thomas Baack [21.02.2022]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
August Eberhard Müller
1Konzert Nr. 5 e-Moll op. 19 für Flöte und Orchester 00:20:59
4Konzert Nr. 7 d-Moll op. 22 00:28:20
7Konzert Nr. 8 F-Dur op. 24 00:26:22

Interpreten der Einspielung

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