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CD-Besprechung

20th Century Feminine

hänssler CLASSIC HC20044

1 CD • 72min • 2020

18.06.2021

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 9
Klangqualität:
Klangqualität: 9
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 9

Das 20. Jahrhundert als Jahrhundert der Frauen – auch wenn man im 21. Jahrhundert diese Aussage vielleicht mit einem Fragezeichen versehen würde, so sind im vergangenen Jahrhundert mit Sicherheit viele Meilensteine in Sachen Gleichberechtigung und Emanzipation gelegt worden. Hieran knüpfen die beiden Musikerinnen Louise Chisson (Violine) und Tamara Atschba (Klavier) auf ihrer neuen CD an. „20th Century Feminine“ heißt das Album, das Kompositionen von Lili Boulanger (1883-1918), Grazyna Bacewicz (1909-1969), Galina Ustvolskaja (1919-2006) und Jennifer Higdon (Jg. 1962) beinhaltet.

Enorme Bandbreite an stilistischen Entwicklungen

Mit diesen Komponistinnen vereinen Chisson und Atschba nicht nur Künstlerinnen aus Frankreich, Polen, Russland und den USA auf einer CD, sondern bieten auch eine ganze Bandbreite an stilistischen Facetten und Entwicklungen. Um diesen Entwicklungen Rechnung zu tragen, haben sie ganz bewusst auch die chronologische Reihenfolge der Werke gewählt. So beginnt die Aufnahme mit dem herrlich verträumten Nocturne von Lili Boulanger, in dem Anklänge von Debussy und Fauré zu hören sind. Boulanger stammte aus einer Musikerfamilie. Während ihre Schwester Nadia zu einer gefragten Musikpädagogin wurde, galt Lili als die begabtere Komponistin von ihnen beiden, was aber in der Männerdomäne nicht gerne gesehen wurde. Eines ihrer letzten Werke ist D’un Matin de Printemps von 1917. Die beiden Musikerinnen setzen Boulangers Musik mit großem Feingefühl für ihre Musik um. Einen Zeitsprung gibt es hin zur nächsten Komponistin, der Polin Grazyna Bacewicz. Am Beginn ihrer zweiten Schaffensphase steht die Violinsonate Nr. 4, die sie 1949 komponierte und drei Jahre später revidierte. Das Werk hat in seinen Klängen teils orchestrale Ausmaße. Chisson und Atschba setzen das virtuose Werk gekonnt um, wobei sie keinerlei Schwierigkeiten beim Zusammenspiel zeigen, so beispielsweise in dem rhythmisch sehr vertrackten Scherzo. Ihre lyrischen Qualitäten zeigen die beiden Musikerinnen im schönen zweiten Satz.

Musik von Jahrhundertfrauen

Im Gegensatz zu dem Werk von Bacewicz klingt die Violinsonate von Galina Ustwolskaja „düster und hoffnungslos“, wie die Pianistin Tamara Atschba es selber beschreibt. „Holzpulse und tickende, sozusagen nicht pianistische Klänge beschwören das Bild von Zeit in einer Gefängniszelle herauf“, so Atschba weiter. Ustwolskaja ist neben Sofia Gubaidulina wohl die wichtigste russische Komponistin des 20. Jahrhunderts. Gelernt hat sie bei Schostakowitsch, der große Stücke auf sie hielt. Da sie sich von Anfang an konsequent weigerte, Auftragswerke zu schreiben, wurde sie lange kaum beachtet. Ihr einsätzige Violinsonate klingt hier sehr kalt und leer, regelrecht bedrückend. In dem abschließenden Werk der einzigen noch lebenden Komponistin der Aufnahme, der Amerikanerin Jennifer Higdon überrascht das Duo mit ungewöhnlichen Klangfarben. Angefangen mit dem präparierten Klavier im ersten Satz, betrifft das aber auch Chissons Violinspiel. Higdon, die Mitglied der „Atlanta School of Composers“ ist, gehört bis heute in den USA zu den bekanntesten Komponistinnen und wurde mehrfach für den Grammy nominiert und erhielt den Pulitzer-Preis. Das String Poetic, das hier zu hören ist, ist unüberhörbar modern, bleibt aber noch in einer Melodik und Harmonik verhaftet, was zum Beispiel der zu Herzen gehende zweite Satz zeigt. Wie pfiffig ihre Musik ist, zeigt der Finalsatz der Suite (und zugleich der CD), der wie ein vertrackter und rasanter Rausschmeißer wirkt.

Verena Düren [18.06.2021]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Lili Boulanger
1Nocturne für Violine und Klavier 00:03:13
2D'un matin de printemps 00:05:40
Grażyna Bacewicz
3Sonata Nr. 4 für Violine und Klavier 00:21:03
Galina Ustvolskaya
7Sonate für Violine und Klavier (1952) 00:20:46
Jennifer Higdon
8String Poetic 00:20:59

Interpreten der Einspielung

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