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CD/SACD stereo-Besprechung

1892 Reflections

Uta Weyand

Ars Produktion ARS 38308

1 CD/SACD stereo • 74min • 2019

06.08.2020

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 10
Klangqualität:
Klangqualität: 10
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 10

Klassik Heute
Empfehlung

1892 – das ist Titel und Motto der aktuellen Aufnahme von Pianistin Uta Weyand, die bei Ars Produktion erschienen ist. Denn bei diesem musikalisch vielseitigen Konzeptalbum dreht sich alles um Musik, die im Jahr 1892 entstanden ist. Dabei legt Uta Weyand ein interessantes Porträt des Jahres vor, denn sie spielt Werke von Claude Debussy, Isaac Albéniz, Edvard Grieg und Johannes Brahms – es handelt sich also um eine denkbar interessante und vielseitige Mischung. Doch die Pianistin belässt es nicht nur bei Werken, die in diesem Jahr entstanden, sondern nutzt für diese Aufnahme auch ein Instrument aus diesem Jahr. Eigentlich war dieses sogar der Auslöser für die CD „1892 Reflections“, denn der Steinway B-Flügel stammt aus dem Besitz von Alexander Friedrich Landgraf von Hessen und steht nun als Konzertflügel in Schloss Fasanerie, einem privaten Museum der Landgrafen von Hessen. Die aufwendige Restaurierung des historischen Instruments kostete am Ende um die 30 000 Euro und wurde allein über Spenden finanziert. Weyand hat sich mit Benefizkonzerten an der Spendenakquise beteiligt, wobei die Idee zu der vorliegenden Aufnahme entstand. Uta Weyand wurde in eine Musikerfamilie geboren und überzeugte bereits als Kind am Klavier sowie an der Violine. Zugleich erhielt sie Gesangsunterricht und komponierte. Bereits während ihrer Studien erwies sie sich als Kosmopolitin und studierte Freiburg, Baltimore und Madrid. Spanien sollte neben Deutschland für ihren musikalischen Schwerpunkt und ihre Karriere besonders bedeutend werden, denn bis heute lehrt sie in Spanien und konzentriert sich auf die spanische Klavierliteratur.

Musikalisches Kaleidoskop eines Jahres

Die Werke ihres musikalischen Kaleidoskops hat Weyand so gewählt, dass die vorhandenen musikalischen Stilistiken und Ausrichtungen der Zeit sowie nationale Besonderheiten zur Geltung kommen. So beginnt sie mit Debussys Nocturne, das beeinflusst wurde von den Eindrücken der Pariser Weltausstellung von 1889 und zugleich ein Paradebeispiel für die Stimmungsbilder des Impressionisten ist. Damit eröffnet Uta Weyand stimmungsvoll ihr Album. Besonders auffällig ist der volle und weiche Klang des restaurierten Flügels. Das Phänomen der Volksmusik-Elemente in der Kunstmusik greift die Pianistin mit Auszügen aus den Cantos de España von Isaac Albéniz auf. Bei der Komposition dieses Zyklus‘ stand Albéniz wie auch Debussy 1892 am Anfang seiner Karriere – sie sollten unter anderem seinen späteren Ruhm ausmachen. Weyand erweist sich hier als ausgewiesene Kennerin der Musik von Albéniz. Unschwer entstehen Bilder spanischer Landschaften vor dem inneren Auge.

Große musikalische Spannbreite

Nach den flirrenden, bildhaften Werken von Debussy und Albéniz entführen die Lyrischen Stücke op. 57 von Edvard Grieg in ganz andere klangliche Welten. Auch die nostalgischen Stücke entstanden 1892, was zeigt, wie groß die musikalische Spannbreite in diesem Jahr war. Grieg war zu diesem Zeitpunkt bereits ein gereifter Komponist. Verträumt und mit butterweichem Anschlag beginnt Weyand mit „Entschwundene Tage“, leicht kommt „Gade“ daher, tieftraurig erklingt „Heimweh“ zum Abschluss. Weyand gelingt es problemlos, zwischen den recht kurzen Stücken in der Stimmung komplett umzuschwingen. Den Abschluss der Aufnahme „1892 Reflections“ bilden die Fantasien op. 116 von Johannes Brahms, ein Spätwerk des Komponisten. Hier kann die Pianistin das Instrument noch einmal klangvoll ausspielen, ohne dass es je akustisch knallen oder hart klingen würde. So endet die Einspielung dann auch virtuos, dabei nicht weniger feinsinnig gestaltet. Eine sehr spannende Aufnahme mit einem überzeugenden Konzept, die eine Momentaufnahme der Musikgeschichte abbildet und zugleich staunen lässt über die Vielseitigkeit der Musik im Jahre 1892.

Verena Düren [06.08.2020]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Claude Debussy
1Nocturne L 89 00:06:39
Isaac Albéniz
2Prélude op. 232 Nr. 1 T 101 (aus: Chants d'Espagne op. 232) 00:06:14
3Cordoba op. 232 Nr. 4 T 101 (aus: Chants d'Espagne op. 232) 00:05:27
4Seguidillas op. 232 Nr. 5 T 101 (aus: Chants d'Espagne op. 232) 00:02:57
Edvard Grieg
5Entschwundene Tage op. 57 Nr. 1 00:06:34
6Gade op. 57 Nr. 2 00:03:50
7Illusion op. 57 Nr. 3 00:03:18
8Geheimnis op. 57 Nr. 4 00:05:05
9Sie tanzt 00:03:01
10Heimweh op. 57 Nr. 6 00:05:00
Johannes Brahms
11Capriccio d-Moll op. 116 Nr. 1 00:02:56
12Intermezzo a-Moll op. 116 Nr. 2 00:04:22
13Capriccio g-Moll op. 116 Nr. 3 00:03:49
14Intermezzo E-Dur op. 116 Nr. 4 00:05:13
15Intermezzo e-Moll op. 116 Nr. 5 00:03:08
16Intermezzo E-Dur op. 116 Nr. 6 00:03:31
17Capriccio d-Moll op. 116 Nr. 7 00:02:48

Interpreten der Einspielung

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