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CD-Besprechung

Pēteris Vasks

Works for Piano Trio

Ondine ODE 1343-2

1 CD • 62min • 2019

26.02.2020

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 9
Klangqualität:
Klangqualität: 10
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 9

Peteris Vasks, Jahrgang 1946, hat sich in letzter Zeit zum wohl prominentesten Tonsetzer Lettlands entwickelt. Die Beliebtheit seiner Musik bei namhaften Interpreten – unter anderen haben sich Gidon Kremer und Sol Gabetta für sie eingesetzt – sowie beim Publikum erklärt sich einerseits durch ihre stets fassliche, tonale Sprache, andererseits durch ihren unbedingten Ausdruckswillen, der bei diesem Komponisten stets vor formalästhetischen Kriterien rangiert. Oft wird er aufgrund seiner spirituellen Grundhaltung mit Arvo Pärt in einem Atemzug genannt, doch ist seine Tonsprache weniger asketisch, vordergründig emotionaler; ihre Inhalte vermitteln sich in einer melancholischen Inbrunst, der romantische Untertöne nicht fremd sind.

Zusammenarbeit von Komponist und Interpreten

Das lettische Palladio Trio präsentiert auf vorliegender Einspielung drei Werke für Klaviertrio: Episodi e canto perpetuo, Plainscapes und Lonely Angel. Dass die Musiker mit Vasks bekannt sind und mit ihm zusammenarbeiten, erschließt sich nicht nur anhand eines fotografischen Gruppenbildnises im Beiheft, sondern auch aus der Tatsache, dass der Komponist Lonely Angel speziell für diese CD komponierte – oder besser: arrangierte. Es handelt sich um eine Transkription des fünften Satzes Meditation aus Vasks' Viertem Streichquartett. Zum Zeitpunkt der Einspielung hatte noch keine öffentliche Aufführung dieser Bearbeitung stattgefunden.

Innige Lyrik als Zielpunkt

Von den drei Werken ist es das älteste, das am stärksten überzeugt: Episodi e canto perpetuo aus dem Jahr 1985. Es ist Olivier Messiaen gewidmet, und tatsächlich erinnert der Schluss ein wenig an den von Messiaens Quatuor pour la fin du temps – auch wenn die Tonsprachen dieser beiden Komponisten sonst nichts miteinander gemein haben. Die achtsätzige Komposition beschreibt "eine schwere Reise durch Elend, Enttäuschung und Leiden der Liebe entgegen, die den Schwerpunkt des canto bildet", wie Vasks es einmal formuliert hat. In den ersten sechs Abschnitten werden durchweg die dunklen Bezirke des Lebens musikalisch abgebildet, in einer tragisch-aggressiven, oft auch ätzend skurrilen Tonsprache, in der Elemente der Avantgarde (Geräuscheffekte, Cluster) stets dazu benutzt werden, den emotionalen Gehalt des Gesagten zu verdeutlichen. Den Musikern des Trio Palladio gelingt es hervorragend, aus dieser kaleidoskopischen Satzfolge die kompositorische Grundaussage herauszufiltern, Einheit zu schaffen, ohne die zahlreichen Ecken und Kanten zu glätten, und schlussendlich die innige, nun tonal beruhigte Lyrik des abschließenden Canto Perpetuo als logischen, quasi einzig möglichen Zielpunkt des vorausgegangenen Chaos regelrecht leuchten zu lassen. Mithin eine mehr als adäquate Interpretation der Musik eines Komponisten, der es als seine Aufgabe ansieht, "in diese Welt mehr Licht zu bringen".

Elegisch-melancholische Stimmung

In den beiden anderen Kompositionen findet sich weniger Abwechslung. Bezüglich des Ausdrucksgehalts zeigen sich relativ wenige Modifikationen; eine elegisch-melancholische Stimmung herrscht vor, und melodisch beschränkt sich Vasks oft auf ein Mäandern im gewählten Modus. Diese Musik birgt gelegentlich die Gefahr, ins Larmoyant-Sentimentale abzugleiten, doch dieser Gefahr entgeht das Trio Palladio durch hundertprozentige Identifikation mit der Musik.

Thomas Schulz [26.02.2020]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Pēteris Vasks
1Lonely Angel 00:15:13
2Episodi e Canto perpetuo 00:28:22
10Plainscapes 00:18:08

Interpreten der Einspielung

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