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CD-Besprechung

Vivaldi

L'estro armonico

Vivaldi

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 9

Klangqualität:
Klangqualität: 9

Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 9

Besprechung: 31.05.19

Reddress 34-011906

2 CD • 1h 47min • 2018

Antonio Vivaldis L’Estro Armonico betitelte Sammlung von Concerti erschien 1711 als op. 3 des venezianischen Komponisten beim Verleger Estienne Roger in Amsterdam. Vorher waren von ihm Sonaten im Druck erschienen – mit der Veröffentlichung dieser Concerti im Programm des berühmten Amsterdamer Verlagshauses lenkte er die Aufmerksamkeit eines internationalen Publikums auf sich: ein vorzüglicher Schachzug. Der Coup verfing, schon bald wurde das Werk in London durch John Walsh und in Paris von Le Clerc Cadet nachgedruckt – die Sammlung begründete Vivaldis Ruhm als europaweit anerkannter Komponist und übte weitreichenden Einfluss auf die Entwicklung der Konzertform im 18. Jahrhundert aus. Der Erfolg von L’Estro Armonico zeigt sich auch darin, dass Johann Sebastian Bach von vier der 12 Concerti Bearbeitungen für Cembalo bzw. Orgel anfertigte. Er hat die Werke entweder aus dem Originaldruck, den sein Dienstherr Herzog Johann Ernst von Sachsen-Weimar von seinem Studienaufenthalt in den Niederlanden mitbrachte, oder durch Abschriften seines Dresdner Freund Johann Georg Pisendel kennengelernt. So machte Bach sich über Vivaldis op. 3 intensiv mit der mit der in Deutschland noch verhältnismäßig neuen Form des italienischen Concertos vertraut, für die er bereits wenige Jahre später mit seinen Brandenburgischen Konzerten ein wahres Musterbuch aller denkbarer Möglichkeiten des Genres vorlegen sollte.

Auch die hier vom Ensemble Armoniosa präsentierten Versionen von Vivaldis Concerti op. 3 sind Bearbeitungen, in denen die Stücke, die Vivaldi für Streicherensemble konzipiert hatte, für die Besetzung des Ensembles Armoniosa angepasst worden sind. Setzt man allerdings zunächst einmal die Vergleichsaufnahmen von Vivaldis Urversion zueinander ins Verhältnis, fällt besonders der Unterschied zwischen den beiden Aufnahmen mit dem Orchester L’Arte del Arco auf: Die Einspielung von 2002 stand unter der Leitung von Christopher Hogwood (der im booklet bescheiden als „maestro al cembalo“ auftritt, kollegial neben Federico Guglielmo als „maestro al violino“). 11 Jahre später wurde L’Estro Armonico erneut von L’Arte del Arco aufgenommen, diesmal unter alleiniger Leitung des „maestro al violino“ Federico Guglielmo. Stand noch bei Christopher Hogwood die ungeheure Vielfalt der 12 Concerti im Vordergrund, alle Nuancen – vom würdevollen Auftritt über anmutigen Charme bis zum virtuosen Feuerwerk – klangen hier an, rückt diese interpretatorische Vielfalt in der jüngeren Neuaufnahme gegenüber solistischer Brillanz deutlich in den Hintergrund. Dass es bei der Überakzentuierung des solistischen Zirkus noch deutlich turbulenter zugehen kann als bei der zweiten Einspielung von L’Arte del Arco, zeigt im Concerto Nr. 5 das von Marcello Di Lisa geleitete Ensemble Concerto de‘ Cavalieri: Hier dominiert eine ruhelose Atmosphäre, die an die flirrende Luft hochsommerlicher Mittagshitze über den venezianischen Kanälen erinnert. Rachel Podger hingegen weiß auf ihrer Aufnahme mit dem Ensemble Brecon Baroque die Stimmung einer gelösten Heiterkeit zu evozieren, die dieses Werk zum echten Genuss einer außerordentlich stimmungsvollen Musik macht.

Ein ähnlicher Geist der Treue zu Vivaldis überaus vielfältiger Musik zeichnet auch die Transkriptionen aus, die Francesco Cerrato mit seinem Ensemble Armoniosa auf der hier zu besprechenden Doppel-CD vorführt. Temperament, Fantasie und Einfühlung in die Musik gehen hier eine enge und fruchtbare Verbindung ein. So wird beispielsweise in dem bereits angesprochenen Concerto Nr. 5 eine der beiden Soloviolinen von einer Orgel dargestellt – dadurch werden reizvolle Klangwirkungen erzeugt, die der Reduktion dieser Übertragung Körper verleihen, ohne der Anmut der Partitur Abbruch zu tun.

Fazit: Eine gelungene Umsetzung der berühmten ersten veröffentlichten Sammlung des prete rosso, wie Vivaldi wegen seiner roten Haare gern genannt wurde, für Kammerensemble, das sich an der selbstgestellten Aufgabe keinesfalls überhebt.

Vergleichseinspielungen: L’Arte del Arco, Christopher Hogwood (Leitung) – 2 CDs: CHAN 0689 AD: 2002 L’Arte del Arco, Federico Guglielmo (Violine u. Leitung) – 2 CDs: Brilliant Classics 94629 AD: 2013 Rachel Podger, Brecon Baroque – 2 SACDs: CCS SA 3615 AD: 2014 für Concerto op. 3 Nr. 5: Concerto de' Cavalieri, Marcello Di Lisa (Leitung) – CD: Sony 8884304777 AD: 2012

Detmar Huchting [31.05.2019]

Komponisten und Werke der Einspielung

CD 1
Tr.KomponistWerkhh:mm:ss
1 A. Vivaldi Concerto D-Dur op. 3 Nr. 1 RV 549 00:08:40
4 Concerto e-Moll op. 3 Nr. 2 RV 578 00:09:25
8 Concerto G-Dur op. 3 Nr. 3 RV 310 00:07:22
11 Concerto e-Moll op. 3 Nr. 4 RV 550 00:07:35
15 Concerto G-Dur op. 3 Nr. 5 RV 519 00:07:52
18 Concerto a-Moll op. 3 Nr. 6 RV 356 00:07:58
CD 2
Tr.KomponistWerkhh:mm:ss
1 Concerto F-Dur op. 3 Nr. 7 RV 567 00:09:28
6 Concerto a-Moll op. 3 Nr. 8 RV 522 00:10:20
9 Concerto D-Dur op. 3 Nr. 9 RV 230 00:07:48
12 Concerto h-Moll op. 3 Nr. 10 RV 580
15 Concerto d-Moll op. 3 Nr. 11 RV 565 00:09:36
19 Concerto C-Dur op. 3 Nr. 12 RV 265 00:12:04

Interpreten der Einspielung

Interpret(en)Besetzung
Armoniosa Ensemble
 
34-011906;8056151200013

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