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CD-Besprechung

Ferdinand Ries

String Quartets Vol. 3

cpo 777 305-2

1 CD • 76min • 2016

12.11.2018

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 10
Klangqualität:
Klangqualität: 10
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 10

Klassik Heute
Empfehlung

Nach längerer Pause widmet sich das Schuppanzigh-Quartett erneut drei Werken des wohl bedeutendsten Beethoven-Schülers, Ferdinand Ries. Um es gleich vorweg zu nehmen: Das Ergebnis ist grandios und es erstaunt erneut, dass die Streicher-Kammermusik von Ries immer noch ein Schattendasein außerhalb des Kanons vielgespielter ‚Standard‘-Literatur führt. Die drei hier vorgestellten Werke sind allesamt von musikalisch herausragender Qualität.

Ferdinand Ries war mit Beethoven auch persönlich eng verbunden; der junge Ludwig hatte ja noch in Bonn seinerseits bei Ferdinands Vater, Franz Anton, Violinunterricht und spielte in seinem Streichquartett Bratsche. Selbstverständlich spürt man bei Ferdinand Ries immer Beethoven als großes Vorbild im Hintergrund, aber auch dessen Mut zur Innovation hat er übernommen. Sehr selbstkritisch gegenüber seinem eigenen Werk, hat Ries etliche seiner Quartettkompositionen gar nicht im Druck erscheinen lassen.

Ein echtes Chef d’œuvre ist unbestritten das zweite Streichquintett in d-Moll (ca. 1809-11), das von der zeitgenössischen Kritik geradezu überschwänglich begrüßt wurde. Formal an Beethovens Klaviersonate op. 31, 2 orientiert, beginnt der erste Satz wie aus dem Nichts mit höchst ausdrucksvollen, rezitativischen Fetzen, die eigentlich bereits an ähnliche Passagen aus späteren Beethoven-Werken erinnern (4. Klavierkonzert, Klaviersonate op. 110). Der schnelle Teil des Kopfsatzes ist hochdramatisch, die übrigen Sätze ähnlich ambitioniert. Der ausufernde Gestus geht weit über das übliche Hausmusikambiente hinaus, verlangt geradezu das große Konzertpublikum.

Nicht weniger interessant sind die beiden Streichquartette (Nr. 1 und 5), das F-Dur-Quartett eher heiter, das nur dreisätzige c-Moll-Quartett dann erneut ernst und leidenschaftlich. Hier werden im zweiten Satz Adagio und ein Menuett kunstvoll verschränkt. Die Musiker des Schuppanzigh-Quartetts und die im Quintett hinzutretende Bratschistin Raquel Massades kommen alle aus der historischen Aufführungspraxis und halten sich streng an die zeitgenössischen Vorgaben, sind dabei unglaublich vielseitig in Dynamik und Stricharten. Der schon romantische Ausdrucksgehalt und der formale Einfallsreichtum stehen miteinander völlig konsequent wirkend im Einklang; an Tiefe steht diese Musik, obwohl wirklich völlig anders, einem Franz Schubert nicht nach. Auch die Aufnahmetechnik kann überzeugen. Selten wird dem Hörer auf einer CD eine ähnlich spannende und befriedigende Entdeckungsreise angeboten – diese vorzügliche Darbietung verdient eine unbedingte Empfehlung!

Martin Blaumeiser [12.11.2018]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Ferdinand Ries
1Streichquintett Nr. 1 d-Moll op. 68 00:28:59
5Streichquartett Nr. 1 F-Dur op. 70 Nr. 1 00:25:01
9Streichquartett Nr. 5 c-Moll op. 126 Nr. 2 00:21:30

Interpreten der Einspielung

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