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CD-Besprechung

Friedrich Gernsheim

Complete Cello Sonatas

Friedrich Gernsheim

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 10

Klangqualität:
Klangqualität: 9

Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 10

Besprechung: 29.05.18

Klassik Heute
Empfehlung

cpo 555 054-2

1 CD • 70min • 2016

Friedrich Gernsheim wird neben Heinrich von Herzogenberg in der Fachliteratur unter die Brahms-Epigonen gezählt und dann nicht weiter beachtet. Dieses Verdikt muss nach Anhören von Alexander Hülshoffs und Oliver Triendls Gesamtaufnahme seiner Werke für Violoncello und Klavier unbedingt revidiert werden. Zwar lassen manche Details wie der virtuose, weitgriffige Klaviersatz an Brahms denken, die Melodiegestaltung der Themen ist jedoch höchst individuell. Auch ist die Spieldauer der drei Sonaten um ein Drittel kürzer als die der vergleichbaren Werke von Brahms und Richard Strauss. Sie nähert sich damit eher dem französischen Sonatentypus eines Gabriel Fauré oder Camille Saint-Saëns.

Von den drei Sonaten scheint nur die erste zu Gernsheims Lebzeiten im Druck erschienen zu sein. Sie ist ein höchst originelles Werk, welches im ersten Satz eine melancholische Barkarole mit einem Reitermarsch kombiniert. Der zweite Satz (Lyrisches Allegretto F-Dur mit zum Vivo e giocoso beschleunigtem Mittelteil) kombiniert langsamen Satz und Scherzo. Das D-Dur-Finale ist eine äußerst fröhliche Kombination aus virtuoser Fuge und Sonatenhauptsatz.

Die beiden e-moll Sonaten teilen dasselbe Finale, da Gernsheim mit seiner zweiten Sonate unzufrieden war und deren beiden ersten Sätze verwarf. Dies erscheint mir unverständlich, handelt es sich doch um leidenschaftlich düstere, beeindruckende Musik. Das schwer entzifferbare Manuskript der Urfassung ist erhalten und kann auf IMSLP besichtigt werden. Es wurde für die vorliegende Aufnahme eigens transkribiert. Die Sonaten entstanden 1904 bzw. 1914, doch würde ein unvoreingenommener Hörer diese eher der Zeit um 1880 zuordnen. Die CD enthält zusätzlich noch zwei wohl auch Amateuren zugängliche lyrische Einzelsätze, von denen Elohenu die direkte Antwort Gernsheims auf das Kol nidrei von Max Bruch darstellt.

Oliver Triendl und Alexander Hülshoff sind mit hörbarer Begeisterung bei der Sache und den virtuosen Anforderungen der Werke mit ihrer intrikaten Balance – der häufig sehr dichte Klaviersatz darf das Cello nie überdecken – jederzeit mehr als gewachsen. Das ist Kammermusik auf höchstem Niveau.

Aufnahmetechnisch handelt es sich bei dieser Produktion um guten Rundfunkstudiostandard ohne auffällige Schwächen. Dass der Aufnahme auch noch ein exzellentes Booklet mit hervorragend nachvollziehbaren Analysen der eingespielten Werke von Karl Böhmer beiliegt, macht diese desto empfehlenswerter.

Auch sollte man in diesem Fall dem Label cpo danken, diese Trouvaillen einer breiten Öffentlichkeit erstmalig zugänglich gemacht zu haben. Hoffentlich nimmt sie das eine oder andere professionelle Duo in sein Konzertrepertoire auf.

Thomas Baack [29.05.2018]

Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.KomponistWerkhh:mm:ss
1 F. Gernsheim Sonate Nr. 3 e-Moll op. 87 für Violoncello und Klavier 00:17:54
4 Elohenu für Violoncello und Klavier (Hebräisch biblisches Lied) 00:04:03
5 Sonate Nr. 2 e-Moll op. 79 für Violoncello und Klavier 00:19:22
8 Andante op. 64b für Violoncello und Klavier 00:07:14
9 Sonate Nr. 1 d-Moll op. 12 für Violoncello und Klavier 00:21:15

Interpreten der Einspielung

Interpret(en)Besetzung
Alexander Hülshoff Violoncello
Oliver Triendl Klavier
 
555 054-2;0761203505425

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