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CD-Besprechung

Igor Stravinsky

The Firebird ‒ The Rite of Spring

Igor Stravinsky

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 8

Klangqualität:
Klangqualität: 9

Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 8

Besprechung: 10.01.18

Telos Music TLS 225

1 CD • 60min • 2016

Zunächst muß man Wolfgang Manz loben. Sein Vorhaben, mittels Transkription zweier Ballettmusiken Igor Strawinskys für zwei Klaviere das klangliche Potential des Konzertflügels zu demonstrieren, ist rundum geglückt. Le Sacre du Printemps und die 1945 vom Komponisten erstellte Konzertsuite aus dem Feuervogel eignen sich in der Tat dazu, von einem „Orchester auf sechs Beinen“ – hier zwei Steingraeber-Flügeln E-272 – dargeboten zu werden. In beiden Stücken, im Frühlingsopfer mehr als im Feuervogel, basiert der Tonsatz weitgehend auf Überlagerungen rhythmisch scharf konturierter Gestaltungselemente. Durch die brillante Instrumentierung werden die Ebenen noch präziser auf- und gegeneinander abgestimmt und letzte feine Akzente gesetzt; die Grundlage dazu ist jedoch bereits im abstrakten Tonsatz selbst vorhanden. Harmoniekontraste und Wechsel der Akkorddichte haben für Strawinsky, den Schüler Rimsky-Korsakows und Bewunderer Debussys, den Wert klangfarblicher Abstufungen. Die Leistung des Bearbeiters, der im Falle des Frühlingsopfers die eigene Transkription des Komponisten revidierte, für die Feuervogel-Suite allerdings das erste Arrangement seiner Art vorlegte, ist derjenigen eines Graphikers vergleichbar, der das Gemälde eines koloristisch virtuos begabten Malers in eine Schwarz-Weiß-Zeichnung zu übertragen versteht, welche die Konturen und Kontraste des Originals im Wesentlichen erhält, dadurch also zeigt, wie sehr die Farbgebung des Gemäldes in seiner Struktur angelegt ist. Manz hat sich anscheinend von Stelle zu Stelle genau überlegt, wie er den Orchestersatz verteilt. Namentlich hat er es gut verstanden, dialogisch angelegte Instrumentationseffekte auf die beiden Klaviere zu übersetzen. Rein klanglich ist es also durchaus ein erhellendes Erlebnis, der Darbietung von Strawinskys Musik durch Manz und seinen Partner Rolf Plagge, das Duo Reine Elisabeth, zu lauschen.

Die Interpretation des Sacre folgt den Vorstellungen von Strawinsky als dem „Emanzipator des Rhythmus“. Offenbar fühlen sich Plagge und Manz von den perkussiven Zügen dieser Musik angezogen, die auf dem Klavier gegenüber der Originalbesetzung noch stärker hervortreten. Gewiß, Le Sacre du Printemps ist eine Musik, die das entfesselte Aufstampfen heidnischer Ritualtänze beschreibt, doch heißt das nicht, dass diese Thematik vorgibt, die Interpretation auf das rein Rhythmische zu reduzieren. Hört man das Werk etwa in der Lesart eines Pierre Monteux oder Eugene Goossens, wird schnell klar, welcher Reichtum bei einer solchen Verengung des Blickes außen vor bleibt, wie kantabel und melodisch das Stück klingen kann, ohne dass der Rhythmus – dessen Bedeutung selbstverständlich ist – auf der Strecke bleibt. Das perlende Spiel des Duos Reine Elisabeth bleibt dieser Seite der Musik Strawinskys einiges schuldig, was sich auch im Feuervogel bemerkbar macht. So funkensprühend der infernalische Tanz gelingt, der Schlußhymne hätte ein wenig mehr Legato gut getan. Trotz diesen Einschränkungen muß aber noch einmal betont werden, dass man mit der vorliegenden CD gelungene Transkriptionen kennen lernt, die trefflich zeigen, welch begnadeter Klanggestalter Igor Strawinsky gewesen ist.

Norbert Florian Schuck [10.01.2018]

Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.KomponistWerkhh:mm:ss
1 I. Strawinsky Le sacre du printemps 00:32:50
14 L'Oiseau de feu 00:26:48

Interpreten der Einspielung

Interpret(en)Besetzung
Duo Reine Elisabeth Klavierduo
 
TLS 225;4260175850633

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