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CD-Besprechung

Barbara Heller

Herbstmusik

Barbara Heller

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 9

Klangqualität:
Klangqualität: 9

Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 9

Besprechung: 09.03.17

wergo WER 5123 2

1 CD • 71min • 2015, 2016

Durchaus vertraut muten die Ideen, Klänge und Farben in den Streicherkompositionen von Barbara Heller an. Da ist die Moderne des 20. Jahrhunderts im Spiel, etwa von Schostakowitsch und Co. Anderswo blitzen Spurenelemente der Minimal Music auf. Einen reichen Erfahrungsschatz, hat die mittlerweile 80jährige, die unter anderem bei Harald Genzmer studiert hatte und in den frühen 1960er Jahren Stipendiatin bei den Darmstädter Ferienkursen war, allemal vorzuweisen.

Sie sei klang-süchtig – und erfahre gern hörend die Natur als unerschöpfliche Inspirationsquelle. Die vorliegende CD auf dem Wergo-Label stellt jetzt retrospektivisch einen Querschnitt über Barbara Hellers Schaffen aus vielen Jahrzehnten her.

Statt strenger Chronologie stand bei der Produktion bei Wergo eine treffsichere Dramaturgie im Vordergrund: Was paßt hier besser, als mit aufsteigenden Ganztonskalen und verspielten Pizzicati in luftige Freiheiten vorzustoßen – wie im Eröffnungsstück, ihrem dritten Streichquartett Patchwork. Der folgende Streichquartettsatz Caleta setzt dem eine absteigende Chromatik entgegen, aus der zunächst gleißend-dissonante Flächenklange und dann um so getragenere Stimmungsbilder hervor gehen.

Aber solche Ruhepole im Meditativen werden wieder kontrastiert durch ambitionierte Tonarchitekturen in Gestalt kunstvoll verschachtelter Kontrapunkte, spannender Chromatik und immer wieder mit einem vitalen Dreiermetrum, etwas was Barbara Heller favorisiert. Das alles klingt in der eindringlichen, dynamisch zupackenden und dennoch detailverliebten Lesart des Verdi-Quartetts zeitlos modern – dabei geht es um treibend-virtuose Spielfreude und nie um kopflastige Avantgarde. Barbara Hellers Herbstmusik präsentiert vor allem eins: Die Pluralität verschiedener, mit offenen Geist und Ohren ausgehörter stilistischer Einflüsse.

Es wird dabei nicht ausschließlich im Quartett musiziert, sondern auch in Duo- oder (Klavier-) Triobesetzung. Egal ob man Bach oder Morton Feldman als Quelle assoziieren mag – es kommen über die gesamte Spiellänge ständig neue Facetten ins Spiel. Die echte Überraschung steht am Ende: Schlaflied zum Wachwerden betitelt Barbara Heller augenzwinkernd eine betörend innige Komposition für Cello und Klavier. Man darf aufgrund einer cineastisch verträumten Melodie in traurig schöne Sphären abtauchen, so dass man danach auf der Stelle eine dazu passende Liebesfilmsequenz drehen möchte. Dies völlig kitschfrei und in jedem Moment authentisch und ehrlich hinzubekommen, ist an sich schon eine Meisterleistung, die den Erwerb dieses Tonträgers rechtfertigt. Großes Kompliment hier auch für die Cellistin Katharina Deserno, die (nicht nur hier!) mit leidenschaftlichem Ton aufspielt.

Stefan Pieper [09.03.2017]

Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.KomponistWerkhh:mm:ss
1 B. Heller Streichquartett Nr. 3 (Patchwork) 00:06:12
2 Streichquartett Nr. 2 (La Caleta) 00:08:43
3 Streichquartett 1958 00:18:35
7 Duo für Violine und Violoncello (Eins für Zwei) 00:13:04
8 Duo für Violoncello und Klavier (Herbstmusik) 00:05:24
9 Trio für Violine, Violoncello und Klavier (Arriba!) 00:03:18
10 Duos für Violine und Violoncello (Zwiegespräche) 00:05:05
14 Minutentrios für Violine, Violoncello und Klavier 00:02:02
16 Lalai -Schlaflied zum Wachwerden für Violoncello und Klavier 00:07:27

Interpreten der Einspielung

Interpret(en)Besetzung
Verdi Quartett Streichquartett
Susanne Stoodt Violine
Katharina Deserno Violoncello
Gesa Lücker Klavier
 
WER 5123 2;4010228512328

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